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Alena Fink-Trauschel

FDP 12.03.2025 Sitzungen 17/117

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste! Ich muss zu Beginn meiner Rede Folgendes sagen: Als die Kollegin Kliche-Behnke gerade etwas zum Thema Wahlrecht sagte, kam von der Seite der AfD der Ausruf „Quote statt Qualität!“. Ich bin weiß Gott kein Quotenfan; das weiß jeder in diesem Haus, der im Jahr 2023 meine Reden verfolgt hat. Aber mit diesem Ausruf direkt zu beginnen, finde ich ehrlicherweise mutig, (Abg. Anton Baron AfD: Wieso mutig?) eriode – 117. Sitzung – Mittwoch, 12. März 2025 denn die Qualität kann man bei Ihnen auch sehr wohl anzweifeln. Dementsprechend wäre ich vorsichtig mit solchen Aussagen. (Beifall bei der FDP/DVP, den Grünen, der CDU und der SPD – Abg. Hans-Jürgen Goßner AfD: Die Wäh- ler haben es offensichtlich anders gesehen! – Abg. Daniel Lindenschmid AfD: Wie viele Sitze haben Sie im Bundestag? – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Aber, nun gut. – Vor wenigen Tagen war der 8. März, Weltfrauentag – ein Tag des Erinnerns, ein Tag des Kämpfens und vor allem ein Tag des Aufbruchs. Aber es reicht nicht, an einem Tag im Jahr über Gleichberechtigung zu sprechen. Es braucht nachhaltiges Engagement, mutige Entscheidungen und entschlossene Veränderungen. Denn auch, wenn wir 106 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland viel erreicht haben, bleibt noch einiges zu tun. Da freut es mich besonders, wenn ich als Oppositionspolitikerin die Rede einer Regierungsfraktionsvertreterin fast – zwar nur fast, aber immerhin – Wort für Wort unterschreiben kann. Das zeigt, dass bei diesen wichtigen Themen alle Demokraten an einem Strang ziehen. Herzlichen Dank, Isabell Huber. (Beifall bei der FDP/DVP, Abgeordneten der Grünen und der CDU sowie der Abg. Dr. Dorothea Kliche- Behnke SPD) Seit 1919 dürfen Frauen in Deutschland wählen und gewählt werden. Doch blicken wir auf die Parlamente, sehen wir: Die Macht ist noch lange nicht gleich verteilt. Wie es hier im baden-württembergischen Landtag aussieht, wissen wir: 30 % der Abgeordneten sind Frauen. In der 21. Wahlperiode des Deutschen Bundestags sind es nun 32,4 %. (Abg. Anton Baron AfD: Bei Ihnen sieht es auch nicht viel besser aus!) Wie kommt das? Es liegt nicht am fehlenden Interesse der Frauen an Politik. (Abg. Anton Baron AfD: Ah!) Es liegt an Strukturen, an Barrieren, an veralteten Machtmechanismen. (Abg. Anton Baron AfD: Ach Gott!) Studien zeigen, dass Frauen oft höhere Hürden überwinden müssen, um sich politisch durchzusetzen. Sie werden seltener für aussichtsreiche Wahlkreise aufgestellt, haben weniger Zugang zu Netzwerken und sind häufiger Anfeindungen ausgesetzt, und das insbesondere auch im Netz. (Zuruf des Abg. Rüdiger Klos AfD) Wir brauchen mehr Frauen in der Politik, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Baden-Württemberg wählt im nächsten Jahr einen neuen Landtag. Ich rufe daher alle engagierten Frauen auf: Bringt euch ein! Bewerbt euch! (Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) (Alena Fink-Trauschel) Macht mit in den Parteien, bei den Programmprozessen. Politik braucht eure Perspektiven, eure Stimmen, eure Ideen. Und an alle engagierten Männer: Keine Sorge um den eigenen Einfluss! Erfolg ist Teamarbeit. (Beifall des Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP) Wer echte Gleichberechtigung unterstützt, der büßt nichts ein, sondern gewinnt, nämlich eine gerechtere, vielfältigere und zukunftsfähigere Gesellschaft. (Beifall bei der FDP/DVP sowie Abgeordneten der Grünen, der CDU und der SPD) Aber, liebe Kollegin Seemann: Wie gesagt, ich hatte schon im Jahr 2023 erläutert, warum starre Quoten nicht funktionieren. Es geht um faire Chancen für alle. Und eine Quote allein löst keine strukturellen Probleme und kann nicht der einzige Maßstab sein. (Abg. Anton Baron AfD: Quote kann das!) Politik und ebenso Wirtschaft und Gesellschaft brauchen qualifizierte und engagierte Persönlichkeiten, und zwar unabhängig vom Geschlecht. Frauen müssen in Entscheidungspositionen kommen, weil sie kompetent sind, und nicht, weil es eine Quote vorschreibt. (Zuruf von der AfD) Entscheidend sind Fähigkeiten, Fachwissen und Charakter und nicht allein die Geschlechterverteilung. Das gilt übrigens sowohl für die weiblichen als auch für die männlichen Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP und der CDU) Während wir hier über gleichberechtigte Teilhabe sprechen, erleben Frauen in anderen Teilen der Welt massive Rückschritte. Und auch in Deutschland sehen wir derzeit eine gefährliche Entwicklung. Das Frauenbild der AfD – es wurde heute schon viel thematisiert –, (Zuruf von der AfD: Aber falsch!) aber auch der sogenannte Tradwife-Trend propagieren eine Rückkehr zu einem Gesellschaftsmodell, in dem Frauen möglichst unsichtbar bleiben sollten. (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: Wer sagt das? Wo steht das?) Das ist ein Angriff auf jahrzehntelang erkämpfte Rechte, verpackt in eine vermeintlich harmlose Nostalgie. Aber lassen Sie sich nicht täuschen! (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: So ein Quatsch!) Wer Frauen zurück an den Herd schicken will, verfolgt ein politisches Ziel: (Abg. Dr. Rainer Balzer AfD: Wer sagt das?) Macht und Kontrolle! Die AfD spricht von „traditionellen Werten“, doch in Wahrheit geht es darum, Frauen gezielt aus Entscheidungspositionen zu verdrängen, iode – 117. Sitzung – Mittwoch, 12. März 2025 (Zuruf von der AfD: So ein Quatsch! Falsch!) sie finanziell abhängig zu machen und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu beschneiden. (Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP, der Grünen, der CDU und der SPD – Abg. Rüdiger Klos AfD: Frei erfunden! – Abg. Anton Baron AfD: Wo steht das?) – Wenn ich es Ihnen extra aus Ihrem eigenen Programm heraussuchen muss, (Zurufe von der AfD, u. a. Abg. Anton Baron: Wo steht das? – Unruhe) dann ist es ehrlicherweise kein Zeichen von Qualität von Ihrer Seite. (Beifall bei der FDP/DVP sowie Abgeordneten der Grünen, der CDU und der SPD – Zurufe von der AfD, u. a.: Weil Sie es erfinden! – Sie erfinden halt irgendwas!)

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