Isabell Huber
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Wenn Frauen und Mädchen aufsteigen können, geht es uns allen gut. Dieses Zitat von UN-Generalsekretär António Guterres bringt es auf den Punkt. Gemischte Teams arbeiten besser, bringen mehr Leistung, sorgen für ein ausgewogenes Arbeitsumfeld. Und das gilt, wie Studien belegen, erst recht für Frauen in Führungsfunktionen. Frauen in Führungsfunktionen sind also nicht nur ein Symbol für Fortschritt und Gleichberechtigung, sondern auch ein entscheidender Faktor für wirtschaftlichen und sozialen Erfolg. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Genau hier gehen wir voran. So waren im Mai 2024 rund 37,3 % der Stellen in Aufsichtsräten deutscher Börsenunternehmen mit Frauen besetzt. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Natürlich sind wir von der Parität noch etwas entfernt, aber wir machen sukzessive Fortschritte. Ebenso ist es beim Gender-Pay-Gap. Die Lohnlücke ist im Jahr 2024 erstmals seit Langem wieder gesunken. Der unbereinigte Gender-Pay-Gap fällt deutschlandweit um ganze zwei Prozentpunkte auf 16 %, bei uns in Baden-Württemberg sogar um drei Prozentpunkte auf 19 %. Wir liegen also noch etwas zurück, aber wir sind auch hier auf dem Weg. 19 % in Baden-Württemberg, das bedeutet, dass Frauen hier pro Stunde durchschnittlich noch immer 19 % weniger verdienen. Der höhere Wert in Baden-Württemberg, auf den die SPD sicherlich eingehen wird, ist strukturell bedingt. Baden-Württemberg ist Automobilland, es ist das Land des Maschinenund Fahrzeugbaus, und das sind nach wie vor männerdominierte Bereiche. Hier müssen wir daran arbeiten, dass sich das verbessert. (Beifall bei der CDU und den Grünen) Aber auch beim Gender-Pay-Gap gilt: Wir sind auf dem Weg in die richtige Richtung. Der Frauenanteil hier im Landtag steigt an. Inzwischen sind wir bei über 30 %, auch dank des Zuwachses in der CDU-Fraktion. Wir, die CDU-Fraktion, haben den zweitgrößten Frauenanteil hier im Landtag. Dass im Bund der Frauenanteil gesunken ist, ist nicht gut. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass bei den 23 direkt gewonnenen Wahlkreisen, die gekappt wurden, in acht Fällen Frauen betroffen sind, davon sechs Frauen aus der Unionsfamilie. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) (Isabell Huber) Auf der Regierungsbank hier in Baden-Württemberg herrscht Parität. Wir sind bei 50 %. Unsere Landtagspräsidentin ist ebenfalls eine Frau. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) Auf alle Frauen können wir stolz sein. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Liebe Kolleginnen, damit senden wir ein starkes Signal an alle Frauen, an alle Mütter hier im Land: Vereinbarkeit von Familie und politischem Mandat – es geht, auch mit Kindern, natürlich auch dank der Väter. Das ist mir als zweifacher Mama besonders wichtig – dabei habe ich unseren Sohn erst in dieser Legislaturperiode bekommen –: Es geht. Es ist anstrengend wie bei allen berufstätigen Eltern, aber es geht. Und das ist meine Botschaft heute an alle, (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der SPD) ganz im Sinne des Titels der heutigen Debatte: „Frauen. Macht. Politik.“ Frauen in Führungsfunktionen, Frauen in der Landespolitik, Gender-Pay-Gap – wir machen Fortschritte in diesem Land. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber ich wünsche mir so sehr, dass wir schneller vorankommen, für alle jetzt bei uns lebenden Frauen, für unsere Kinder und für alle darauffolgenden Generationen. Sorge bereitet mir als Frau, aber auch als Mutter noch etwas anderes: Alle zehn Minuten wird weltweit eine Frau oder ein Mädchen vorsätzlich getötet. Das geschieht auch in Deutschland, auch in Baden-Württemberg. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist in Baden-Württemberg im Vergleich zu 2014 um 71,2 % gestiegen. Die Zahl von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen ist um 160 % angestiegen. 80 % der Opfer sind dabei Frauen. In den sozialen Medien kommt es immer häufiger zu frauenverachtenden Äußerungen. Hass und Hetze im Netz gegen Frauen steigen rasant an. Ebenfalls ist die Diskriminierung aufgrund des weiblichen Geschlechts weltweit angestiegen. Die Kriege in der Ukraine und in Nahost verschärfen die Situation von Frauen. In den USA ist der Präsident – der mächtigste Mann der Welt – ein verurteilter Sexualstraftäter. Die Organisation UN Women kommt dabei zu einem deutlichen Schluss: Die steigende Bedrohung von Frauenrechten überall auf der Welt steht in einem direkten Zusammenhang mit der Schwächung demokratischer Institutionen. Dort, wo Demokratie und Rechtsstaat unter Druck geraten, wird die Lage für Frauen und Mädchen schwieriger. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das muss uns wachrütteln. (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD so- wie Abgeordneten der FDP/DVP) Das muss uns alle als Demokratinnen und Demokraten zusammenstehen lassen. Aussagen wie „Feminismus heute ist Krebs“ oder „Echte Männer sind rechts. Und als echte Männer wollen wir echte Frauen haben“ stammen von dem Buniode – 117. Sitzung – Mittwoch, 12. März 2025 destagsabgeordneten Maximilian Krah. Björn Höcke sagt – ich zitiere –: Wir müssen unsere Männlichkeit wiederentdecken. Denn nur, wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft. Und nur, wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft. Und wir müssen wehrhaft werden! So ein grotesker Mist! (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD so- wie Abgeordneten der FDP/DVP – Abg. Daniel Le- de Abal GRÜNE zur AfD: Versucht es doch!) Das zieht mich und alle Menschen, die für Gleichberechtigung einstehen, einfach nur runter. Es macht sprachlos und wütend. Die AfD-Programme und auch Aussagen ihrer Abgeordneten legen nahe, dass die Partei bei den Frauen in puncto Gleichberechtigung einen Schritt zurückgehen möchte. Sie möchte die Uhren in der Welt zurückdrehen. (Abg. Miguel Klauß AfD: Quatsch! Unsinn!) Nun meine Frage an die einzige Abgeordnete der AfD-Fraktion: Warum unterstützen Sie das? (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD so- wie Abgeordneten der FDP/DVP) Als frauenpolitischer Sprecherin, aber auch als Frau und Mutter einer Tochter macht mir dieses tradierte Frauenbild große Sorgen. (Beifall bei der CDU, den Grünen und der SPD so- wie Abgeordneten der FDP/DVP) Denn als Mutter ist es mir besonders wichtig, dass meine Kinder, dass alle Kinder selbstbewusst aufwachsen können und in keine Schubladen gesteckt werden. (Beifall bei der CDU sowie Abgeordneten der Grü- nen, der SPD und der FDP/DVP) Sie sollen gleiche Chancen haben und ihren Weg gehen und selbstverständlich unsere Welt mitgestalten können, und zwar egal, ob Mädchen oder Bub. (Beifall bei der CDU und den Grünen) Hier sage ich klar und deutlich: Augen auf, das Frauenbild der AfD ist gefährlich. (Abg. Anton Baron AfD: Ihre Grenzöffnung ist viel gefährlicher!) Ihr Frauenbild ist rückständig und veranschaulicht einmal mehr, was die AfD ist, nämlich menschenverachtend. (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der SPD – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) – Das wundert mich jetzt gar nicht, dass es von Ihnen kommt. (Zuruf des Abg. Anton Baron AfD)
