landtag-bw.de ↗

Hans-Peter Hörner

AfD 29.01.2025 Sitzungen 17/114

Grüß Gott, Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Vorab eine Äußerung zu einem kleineren Teil der Änderung des Schulgesetzes, dem wir zustimmen können, nämlich dem wichtigen Aspekt der Sprachförderung „SprachFit“ und der Einrichtung von Juniorklassen. „SprachFit“ und Juniorklassen zeigen den Weg zu unserem bereits vor vier Jahren hier eingebrachten und von Ihnen, Herr Dr. Kern, sowie von der SPD und der FDP/DVP insgesamt abgelehnten Schulstart-Gesetz. Wir wurden verlacht, und jetzt nehmen die anderen zwei Oppositionsparteien für sich in Anspruch, sie hätten es gemacht. Es ist unser Verdienst, also nehmen wir es in Anspruch. (Beifall bei der AfD) Endlich wurde von Ihnen die Notwendigkeit der Sprachförderung sowohl von Zugewanderten als auch von Muttersprachlern erkannt. Das war es dann aber auch schon mit dem Positiven Ihrer Änderungen im Schulgesetz. Alle sonstigen Änderungen, meine Damen und Herren, sind Schritte in die vollkommen falsche Richtung, führen zu Gleichmacherei und damit bestenfalls zum Mittelmaß. Das kann in unserem Land, in dem Bildung und Wissen die einzigen Ressourcen sind, weder einen Sinn ergeben, noch kann dies Zweck einer Schule sein. Mit der Abschaffung des Werkrealschulabschlusses, dem wohl bald auch die Realschulen folgen sollen, zerstören Sie, die Koalition, ein jahrzehntelanges, erfolgreiches Dreisäulenmodell. Dieses Dreisäulenmodell, das dreigliedrige Schulsystem, verbunden mit der dualen Ausbildung, muss unbedingt erhalten bleiben. (Beifall bei der AfD) Real- und Werkrealschulen müssen erhalten bleiben, sichern sie doch zusammen mit den Hauptschulen die Hauptquellen – wir haben es heute gehört – für das Handwerk, die anderen ode – 114. Sitzung – Mittwoch, 29. Januar 2025 praktischen Berufe und den Großteil des dienstleistenden Gewerbes. Der folgenden Aussage der stellvertretenden Landesvorsitzenden des Philologenverbands, Frau Karin Fetzner, können wir vollauf zustimmen. Ich zitiere: Für eine zukunftsfähige Bildungslandschaft brauchen wir ein starkes Gymnasium, aber auch weiterhin eine starke Realschule, die natürlich ebenfalls eine verbindliche – keine „verbindlichere“ – Grundschulempfehlung benötigt, und gut aufgestellte berufliche Schulen. Aber offensichtlich werden solche Empfehlungen aus der Praxis von Ihnen entweder nicht gehört oder – wahrscheinlicher – vorsätzlich beiseitegeschoben. Wenigstens haben Sie sich wieder für das neunjährige Gymnasium entschieden – nicht nur wegen des Bürgerwillens eine längst fällige Korrektur. Die seit Jahren anhaltende Akademikerschwemme mit größtenteils geisteswissenschaftlichen Fakultäten muss deutlich reduziert und dem Arbeitsmarkt angepasst werden, (Beifall bei der AfD) sinnlose Studienfächer wie „Gender“ müssen abgeschafft und brotloses, nicht wertschaffendes Geschwätz reduziert werden. (Abg. Rüdiger Klos AfD: Sehr gut!) Dafür fordern wir alternativen Demokraten eine massive Stärkung der MINT-Fächer, (Abg. Raimund Haser CDU: Es gibt keine alternati- ven Demokraten!) die gezielt in den Vordergrund gestellt werden müssen. (Beifall bei der AfD) Dann frage ich Sie: Was ist denn eigentlich eine „verbindlichere Grundschulempfehlung“? Ich habe mal zwei Dinge gelernt: „Verbindlichere“ ist ein Komparativ; das ist also mehr. Wir haben natürlich auch gelernt, dass „besser“ nicht unbedingt der Komparativ von „gut“ ist – aber vielleicht verstehe ich das auch nicht. (Vereinzelt Heiterkeit bei der AfD – Abg. Anton Ba- ron AfD: Verschlimmbessert!) Dann fordern Sie auch noch die verbindlichere Grundschulempfehlung, nur beschränkt auf das Gymnasium. Wir fordern: Die Grundschulempfehlung muss verbindlich sein für alle Schularten, also für die Realschule und für das Gymnasium. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: So!) Dies würde den Anteil der Gymnasiasten – jetzt kommt ein wichtiger Satz – wieder auf das richtige Maß reduzieren. Wie dieses Maß tatsächlich beschaffen ist, zeigt die Kompass-4-Prüfung deutlich. (Abg. Anton Baron AfD: Ja!) (Hans-Peter Hörner) Der Kompass-4-Test hat viele von Ihnen aus Ihrem woken Wolkenkuckucksheim heruntergeholt – (Abg. Anton Baron AfD: So ist es! – Zuruf des Abg. Bernd Mettenleiter GRÜNE) die Linken zwar nicht, aber da ist ja sowieso Hopfen und Malz verloren. (Heiterkeit bei der AfD – Abg. Anton Baron AfD: Das stimmt natürlich!) Kompass 4 zeigt, wie die Verteilung ungefiltert aussieht: (Lachen des Abg. Thomas Poreski GRÜNE) in der Tat so wie auch bis in die Achzigerjahre hinein: ein weit geringerer Prozentsatz der Schüler eines Jahrgangs als der aktuell tatsächliche. Ich nehme mal das Jahr 2023. Da gab es einen Übergang von 45 % der Schüler auf die Gymnasien; die Empfehlung lag sogar bei 50 %. Bringen diese die Voraussetzung für das Gymnasium mit? Jetzt werden einige sagen: „Ja, die meisten haben es ja bestanden.“ Dann gehen die Schüler auf die Uni, studieren ein MINT-Fach, und dann fliegen sie reihenweise durch. (Heiterkeit des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD – Zuruf des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD) Und dann? Wo ist der volkswirtschaftliche Nutzen? Was sind das für Menschen? Was bedeutet das für Sie? Eine vollkommen fehlgeleitete Bildungspolitik. Das muss sich ändern; und das geht nur mit uns alternativen Demokraten. (Beifall bei der AfD) Dabei ist die Durchlässigkeit zwischen den Schularten, die Sie abschaffen wollen, mit einem Wechsel auf die individuell passende Schulart durchaus möglich. Wohlgemerkt: individuell passende Schulart, je nach Talent, Begabung, Interesse und Leistungsbereitschaft des jeweiligen Schülers. Meine Damen und Herren, man kann jetzt natürlich sagen, wie am vergangenen Montag hier: Alle Menschen haben die gleiche DNA. Wenn ich mich aber hier umschaue, sehe ich keine eineiigen Zwillinge. Diejenigen, die meinen, dass dies der Fall sei, sollten sich mal mit Begriff „Multiple Allelie“ auseinandersetzen. (Heiterkeit des Abg. Anton Baron AfD) Manche wollen es nicht verstehen, manche politischen Interessengruppen haben es auch noch nie verstanden. Aber dieser Drang zur Gleichmacherei, auch durch Gemeinschaftsschulen mit unterschiedlichen Niveaustufen der Klassen – was bedeutet das für Freunde in der Klasse, unterschiedliche Niveaustufen besuchen zu müssen? –, mit Ganztagsbetreuung ohne persönlichen Freiraum und unverhältnismäßiger Inklusion führt letztendlich zur Senkung des Niveaus für alle und damit für die Gesamtheit des Landes und des Staates. Um es ganz umgangssprachlich zu sagen: Wenn man einen ansteckenden Kranken in ein Mehrbettzimmer mit zehn Gesunden legt, wird nicht der Kranke gesund, sondern die Gesunden werden krank, und dem Kranken kann eben nicht zureichend geholfen werden. riode – 114. Sitzung – Mittwoch, 29. Januar 2025 (Oh-Rufe von den Grünen – Minister Manfred Lucha: Wahnsinn! – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Pädago- gischer Zynismus!) Unterschiedliche Begabungen bedürfen unterschiedlicher Förderungen, so schreibt es sogar Artikel 11 unserer Landesverfassung vor. Schulen müssen weiter differenziert bleiben, nicht zuletzt auch durch – – (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Sie waren mal Pä- dagoge?) – Ja, war ich mal. (Zurufe: „War“! – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Lange her!) Ich habe sogar einen Abschluss, im Gegensatz zu anderen. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Lange her!) – So lange nicht. Ich habe bis 68 Jahre, 45 Jahre lang, an einer gewerblichen und kaufmännischen Schule gearbeitet. Das soll mir erst mal einer nachmachen. (Abg. Bernd Mettenleiter GRÜNE: Dann haben Sie den Ruhestand verdient! – Zurufe: Ruhestand!) Okay. (Zuruf des Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD – Unru- he)

Alle Reden von Hans-Peter Hörner Protokoll ↗