Muhterem Aras
Für die Landesregierung erteile ich das Wort Herrn Minister Strobl. Minister des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Thomas Strobl: Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ihnen, Herr Abg. Ansgar (Vereinzelt Heiterkeit) Mayr, vielen Dank, dass Sie ein wirklich sehr wichtiges Thema für das Land Baden-Württemberg ansprechen. Warum? Erstens: Baden-Württemberg ist das Land der Weltmarktführer wie auch der sogenannten Hidden Champions. Was ist bei den Weltmarktführern ein Hidden Champion? Das sind Unternehmen, die nicht sehr groß sind, die aber ein sehr großes Produkt anbieten. Niemand auf der Welt kann das so gut wie sie. Das heißt, bei ihnen ist eine unwahrscheinliche Innovationskraft und ein unwahrscheinliches Know-how vorhanden. Das ist natürlich für andere auf der Welt – Stichworte Cybercrime, Cybersabotage, Cyberspionage – interessant. Zweitens ist Baden-Württemberg ein Land mit wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Das heißt, es ist auch materiell etwas vorhanden. Erpressung und anderes mehr sind für Cyberkriminelle gerade in unserem Land, in Baden-Württemberg, ein zweites lohnenswertes Ziel. Deswegen vergeht im Grunde genommen kein Tag ohne Cyberangriffe auf öffentliche Einrichtungen, Kommunen oder Hochschulen. Konkret zu Ihren Fragen, Herr Abg. Ansgar Mayr: Die Zahl, wie viele Angriffe es pro Tag auf öffentliche Einrichtungen, Kommunen, Unternehmen und dergleichen mehr gibt, kann Ihnen niemand nennen. Es gibt keinen Experten, der hier eine seriöse Zahl nennen kann. Sie beschäftigen sich selbst fachkundig mit diesem Thema und wissen, dass täglich Hunderttausende Angriffe verübt werden. Täglich werden natürlich auch Abertausende Angriffe von unseren Sicherheitssystemen geblockt und abgewehrt. (Minister Thomas Strobl) Der ökonomische Schaden in der Republik ist gigantisch. Bitkom hat jüngst errechnet, dass allein durch Cybercrime pro Jahr ein Schaden von mindestens 180 Milliarden € angerichtet wird. Das ist ein neuer bedauerlicher, negativer Rekordwert. Natürlich machen diese Angriffe vor niemandem halt. Der Public-Bereich, der öffentliche Bereich – also wir – ist natürlich ein Target, ein Ziel. Die großen, die mittleren, die kleinen und die ganz kleinen Unternehmen sind Ziele. Um es einmal klipp und klar zu sagen: Alle sind das Ziel möglicher Cyberangriffe, oder, um es mit den Worten von jemandem zu sagen, den ich zu diesem Thema vor vielen Jahren sprechen gehört habe: „Es gibt zwei Arten von Unternehmen: die, die einen schweren Cyberangriff hinter sich haben, und die anderen, die ihn noch vor sich haben.“ Ich füge hinzu: Bei einigen findet bereits ein Cyberangriff statt, aber sie haben noch nicht bemerkt, dass sie das Ziel eines harten Cyberangriffs sind. Nun müssen wir uns in dieser Sache schützen. Was machen wir konkret? Um die Cybersicherheit in den Unternehmen zu stärken, haben das Innenministerium und die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg zusammen mit dem Landeskriminalamt, der Hochschule Aalen und der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg ein passgenaues Beratungsangebot für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Es ist sehr wichtig, dass wir uns um die kleinen Unternehmen, die KMUs, die Handwerksunternehmen, die Familienbetriebe kümmern. Deswegen bieten wir den Cybersicherheits-Check für KMUs an. Zielgerichtet erfolgt eine Erstberatung, quasi ein Transmissionsriemen, zum Thema Cybersicherheit. Berater der zwölf Industrie- und Handelskammern gehen in die Unternehmen und besprechen mit der Unternehmensleitung bzw. Unternehmensführung vor Ort die wichtigsten Themen der Cybersicherheit. Anhand von Beratungsunterlagen und einem Beratungstool wird der aktuelle Sicherheitsstand in dem betreffenden Unternehmen erhoben. Es wird für mögliche Schwachstellen sensibilisiert. Am Ende des Gesprächs erhält das Unternehmen konkrete Handlungsempfehlungen, was zu tun ist. Der Cybersicherheits-Check wird seit dem Herbst 2024 angeboten. Wir haben das vorher natürlich ausprobiert, pilotiert: mit der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg, mit der Cybersicherheitsagentur, mit wissenschaftlicher Begleitung. Seit wir ihn im Echtbetrieb haben, ist die Nachfrage enorm – dies hatte sich schon im Pilotbetrieb abgezeichnet –: Über 300 solcher Beratungsgespräche wurden von den Beraterinnen und Beratern der Industrie- und Handelskammern in wenigen Wochen durchgeführt. Es gibt ein total positives Feedback aus den Unternehmen heraus. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen, auch von den Industrie- und Handelskammern. Das heißt, es werden noch viele weitere Beratungen folgen. Das läuft wirklich wie geschnitten Brot. Das spricht sich natürlich auch bei den Unternehmen herum, sodass wir eine extrem hohe Nachfrage seitens der Unternehmen bei den Beraterinnen und Beratern haben. Das zeigt uns, dass wir hier ein passgenaues Angebot machen, das insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Familienbetrieben genutzt wird. riode – 114. Sitzung – Mittwoch, 29. Januar 2025 Aufgrund der überragenden Resonanz werden wir, nachdem wir es bei den zwölf Industrie- und Handelskammern ausgerollt haben, den Check in einem nächsten Schritt – aber sehr zeitnah – auch mit den Handwerkskammern machen, weil die Handwerkskammern für uns natürlich ein ganz wichtiger Ansprechpartner sind. Deswegen wird das jetzt auch schnell gemacht. Das Handwerk hat ebenfalls ein großes Interesse daran. Wir stehen auch mit weiteren Verbänden im Austausch. Das Beratungskonzept erfährt im Übrigen auch eine wirklich große bundesweite Nachfrage. Viele schauen nach Baden-Württemberg und auf das, was wir hier zum Thema „Cybersicherheit der Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts Deutschland“ machen. Das Entscheidende ist, dass das ein wirklich sehr niederschwelliges Angebot ist. Es ist ein Angebot, das auch in einer kurzen Zeit abgehandelt werden kann. Es unterscheidet sich auch vom Programm des BSI, welches für die Unternehmen kostenpflichtig ist. Also: Präventionsmaßnahmen dieser Art sind wirklich das Fundament der Kriminalitätsbekämpfung, der Bekämpfung von Cyberkriminalität. Mit diesem Beratungsangebot sowie mit unseren weiteren Angeboten, die es natürlich gibt, leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Thema Cybersicherheit, aber auch für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Das ist sehr wichtig, weil wir hierdurch die Familienbetriebe, die kleinen Unternehmen und den Mittelstand bei den Fragen zur Cybersicherheit ganz konkret unterstützen.
