Joachim Steyer
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen! Seit über 35 Jahren herrscht in Baden-Württemberg im Handwerk Fachkräftemangel. (Zuruf von der AfD: Ja!) Seit über 35 Jahren haben Sie es nicht geschafft, das Problem in den Griff zu bekommen. Auch die millionenfache Einwanderung angeblicher Fachkräfte hat, oh Wunder, zu keiner Verbesserung geführt. (Zuruf des Abg. Raimund Haser CDU) Was für ein Komplettversagen, was für eine Bankrotterklärung, was für ein Armutszeugnis, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD – Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Mein lieber Freund!) Sie sollten dringend verstehen, dass man die Ursache bekämpfen muss und nicht die Symptome. Wenn Sie jetzt behaupten, dass ich als Handwerksmeister mit 42 Jahren Berufserfahrung Unsinn erzähle, dann frage ich Sie: Warum haben Sie trotz Ihrer Maßnahmen das Problem noch immer nicht gelöst? (Zuruf des Abg. Felix Herkens GRÜNE) Und warum sprechen wir heute schon wieder darüber? Sie wären gut beraten, einmal auf die vielen kleinen Handwerksbetriebe zu hören und nicht auf irgendwelche selbst ernannten Experten, die von der Realität sowieso keine Ahnung haben. Ich bin hier und heute das Sprachrohr vieler Kollegen. (Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Nein, sind Sie nicht! – Gegenruf des Abg. Anton Baron AfD – Zurufe) Die benennen die Ursachen wie folgt: Erstens: schlechte Bildung; zweitens: fehlende Vermittlung von Werten; drittens: fehlende Wertschätzung des Handwerks; (Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Der Oberexperte!) viertens: zu viel Bürokratie; fünftens: schlechter Verdienst, vor allem im Vergleich zur Industrie. (Zuruf des Abg. Miguel Klauß AfD) Liebe Kollegen, es ist absolut erforderlich, dass das Leistungsniveau nach oben geschraubt wird. 1960 lag die Studienberechtigungsquote bei 6,1 %, im Jahr 2020 bei sage und schreibe 46,8 %. Aber die jungen Menschen sind in der Masse nicht plötzlich alle hochbegabt. Nein, während Jugendliche früher ein Handwerk erlernt haben, weil ihre Leistungen nicht für eine weiterführende Schule gereicht haben, sind heute Jugendliche mit der gleichen Intelligenz plötzlich in der Lage, eine weiterführende Schule zu besuchen. (Abg. Clara Resch GRÜNE: Ist das Ihr Bild von Handwerkern?) Aus genau diesem Grund fehlt dem Handwerk nämlich der Nachwuchs. (Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Was heißt das jetzt?) (Joachim Steyer) Auch wenn Sie das nicht hören wollen: Nicht alle sind gleich begabt. (Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Jetzt beleidigt er die Handwerker!) Wer aber so tut und jedem das Abitur hinterherwirft, der darf sich nicht wundern, wenn alle nur noch studieren und die Handwerker fehlen. (Beifall bei der AfD – Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Hören Sie doch auf, die Handwerker zu beleidigen!) Das Einzige, was Ihnen dazu einfällt, ist die sogenannte Meisterprämie. Vielleicht entscheidet sich deswegen ja wirklich der eine oder andere Geselle, den Meisterabschluss zu machen und einen eigenen Betrieb zu gründen. (Abg. Felix Herkens GRÜNE: Sicher!) Dann haben wir einen Meisterbetrieb mehr im Land. Das ist prima. Aber dem alten Betrieb fehlt dafür der Geselle. Das heißt, der Zuwachs an Arbeitskraft ist gleich null. Es ist allein das Prinzip „Linke Tasche, rechte Tasche“. (Abg. Dr. Boris Weirauch SPD: Also keine Meister- prämie?) Viele Betriebe haben inzwischen resigniert und bilden nicht mehr aus, weil man den jungen Menschen keine Werte mehr vermittelt – (Zuruf von den Grünen: Oh!) nicht im Elternhaus und schon gar nicht in der Schule. (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Und Meister darf er auch nicht werden, sondern er bleibt Geselle! Das sind die Werte!) Man kann mit einem Auszubildenden nichts anfangen, der nicht fleißig, ordentlich, pünktlich, zuverlässig und anständig ist und der keinen Stolz auf seine Ausbildung entwickeln kann, weil Politik und Gesellschaft so tun, als müsste jeder studiert haben, damit er etwas wert ist. Auch der bürokratische Wahnsinn im Handwerk muss endlich ein Ende haben, damit ein Meister auch die Zeit hat, einen Auszubildenden vernünftig auszubilden, anstatt seine wertvolle Zeit mit irgendwelchem bürokratischen Nonsens im Büro verbringen zu müssen. (Abg. Anton Baron AfD: So ist es!) In der freien Wirtschaft hat man nämlich im Gegensatz zur Politik nicht den Luxus, dem Steuerzahler immer mehr Geld wegnehmen zu können, um damit immer mehr neue Stellen aus dem Nichts zu erschaffen. Zu guter Letzt möchte ich noch kurz auf unseren Sozialstaat eingehen. Ich bin froh, dass wir in einem Sozialstaat leben. Das große Problem unseres Sozialstaats ist aber der Missbrauch. Der Sozialstaat ist für Menschen gedacht, die durch das soziale Raster gefallen sind, (Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) ode – 114. Sitzung – Mittwoch, 29. Januar 2025 Menschen, die arbeitsunfähig sind oder sich in einer Lage befinden, die es ihnen unmöglich macht, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Er ist aber nicht für Menschen gemacht, die schlichtweg keine Lust zum Arbeiten haben, auch weil sich Arbeit im Vergleich zum Bürgergeld oft kaum noch lohnt. (Abg. Anton Baron AfD: So ist es!) Hier könnten sehr schnell sehr viele Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zurückgeführt werden, wenn die Politik das nur wollen würde. (Beifall bei der AfD) Leider haben Sie vergessen, dass jeder Mensch für sein Leben selbst verantwortlich ist und nicht die Gesellschaft. Meine Damen und Herren, es gäbe noch viel mehr zu sagen. Leider ist die Redezeit begrenzt. (Zuruf: Gott sei Dank!) Aber ich bin überzeugt: Wenn Sie anfangen, allein diese von mir vorgeschlagenen Punkte umzusetzen, dann werden wir den Fachkräftemangel im Handwerk sehr schnell in den Griff bekommen. Sollten Sie aber so weitermachen wie in den letzten 35 Jahren, dann werden wir uns immer und immer und immer wieder hier sehen und die gleiche Debatte führen – auch noch in den nächsten 35 Jahren. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Abg. Miguel Klauß AfD: Die Asylanten im Bürgergeld werden es richten!)
