Clara Resch
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich danke unserem Koalitionspartner für diesen wichtigen Antrag, der das Handwerk in den Mittelpunkt der politischen Debatte rückt. Warum gehört das Handwerk in das Zentrum der Politik? Weil uns jederzeit klar sein muss, wie unmittelbar unsere Lebensqualität vom Handwerk abhängt. Was tun Sie, wenn jetzt bei frostigen Temperaturen die Heizung ausfällt, wenn ein Wasserrohr platzt, wenn das Auto nicht mehr anspringt? Sie greifen zum Telefon und rufen nach dem Handwerk. Baden-Württemberg ist ein Land des Handwerks. 140 000 Handwerksbetriebe, mehr als 800 000 Beschäftige, 44 000 Auszubildende – das sind keine bloßen Zahlen, das sind Menschen, die anpacken, die täglich Wind und Wetter ausgesetzt sind, die harte körperliche Arbeit verrichten. Das Handwerk ist unentbehrlich. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit es auch in den kommenden Jahrzehnten stark bleibt. (Beifall bei den Grünen) Wir alle wissen: Das Handwerk steht vor großen Herausforderungen: Ein drückender Fachkräftemangel, eine ausufernde Bürokratie, der digitale Wandel und hohe Energiepreise belasten viele Betriebe. Wir haben erkannt: Bürokratie muss abgebaut werden, Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden. Der Bäcker will keine Formulare für Behörden ausfüllen, er will gute Brezeln für die Menschen backen. Die Entlastungsallianz setzt genau da an. Wir müssen akademische und berufliche Ausbildung gleichstellen. Die Meisterprämie und die Meistergründungsprämie sind starke Anreize, aber wir gehen weiter. Wir investieren in die überbetrieblichen Ausbildungsstätten, in modernste KI-Technik von der Fertigung bis zum nachhaltigen Bauen, und wir verbessern die Bedingungen für die Lehrlinge. Vor zwei Tagen erst war ich bei der Handwerkskammer Ulm, und der Hauptgeschäftsführer, Herr Dr. Mehlich, hat sehr treffend formuliert: Wenn wir in überbetriebliche Bildungsstätten investieren, ist das keine Bildungspolitik, sondern Mittelstandspolitik. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wieso? Azubis und Fachkräfte lernen in den überbetrieblichen Bildungsstätten von den Besten in der Branche, an topaktuellen Maschinen und Apparaturen von morgen, und dieses neue Wissen, diese Impulse, diese Erfahrungen mit den neuesten Technologien tragen sie in ihre Unternehmen zurück: in große Betriebe wie in kleinste, traditionsreiche Werkstätten. Die Initiative „Horizont Handwerk“ unterstützt Betriebe gezielt mit Beratung, Schulungen und Investitionen in moderne riode – 114. Sitzung – Mittwoch, 29. Januar 2025 Technologien. Denn eines ist klar: Ein starkes Handwerk ist auch digital. Wir sorgen dafür, dass dabei niemand auf der Strecke bleibt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Maßnahmen zeigen Wirkung. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk ist in den letzten Jahren wieder gestiegen. Die Meistergründungsprämie wird stark nachgefragt. Förderprogramme für digitale Weiterbildung haben Hunderte Handwerksbetriebe erreicht. Die Investitionen in moderne Lernfabriken stärken die technologische Zukunftsfähigkeit der Betriebe in unserem Land. Diese Erfolge sind keine Zufälle. Sie sind das Ergebnis von zielgerichteter Politik. Schauen wir auf die Wärmewende: Wer installiert denn die Wärmepumpen, die wir bis zum Jahr 2030 in Baden-Württemberg brauchen? Das Handwerk. Wer montiert die Solaranlagen auf unseren Dächern? Das Handwerk. Wer baut die Ladesäulen für unsere Elektromobilität? Das Handwerk. Diese Beispiele zeigen: Die Energiewende wird hier in Baden-Württemberg gemacht, von unseren Betrieben, auf unseren Baustellen und durch unser Handwerk. (Beifall bei den Grünen) Klimaschutz ist keine Bürde für das Handwerk. Er ist seine größte Chance. Hier lässt sich nämlich Klimaschutz voranbringen und gleichzeitig Geld verdienen. Heute ist das Handwerk mehr denn je ein Schlüssel zur klimaneutralen Zukunft Baden-Württembergs. Unsere Landesregierung steht an der Seite der Betriebe. Schon jetzt sind 65 Millionen € für die kommenden Jahre beschlossen. Diesen Weg unterstütze ich als handwerkspolitische Sprecherin der Grünen mit vollem Einsatz. Denn eines ist sicher: Ein starkes Handwerk baut unsere Zukunft. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
