Klaus Burger
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! „Hofübergabe und landwirtschaftliche Vererbung“ ist ein hoch spannendes Thema. (Abg. Michael Joukov GRÜNE: Oh ja!) Es entscheidet einerseits über den Lebensabend der Übergeber und andererseits über eine gelingende Zukunft der Übernehmer. Hofübergabe muss aber als Generationenvertrag verstanden werden. Es geht um die Weitergabe zunächst einmal eines Arbeitsplatzes und sekundär um Vermögenswerte sowie um steuerliche Aspekte, Familienrecht, die Frage der Abfindung weichender Erben, das brisante Thema „Altersgeld und Naturalleistungen“ – also Leibgeding –, die Frage von versteckten Lasten und Investitionsrückstaus und vieles mehr. Die Hofübergabe hat also nicht nur mit Hektaren, Gebäuden, Tieren und finanziellen Werten zu tun. Es geht in hohem Maß auch um Emotionen, um die so oft beschriebene Verwurzelung in der heimischen Scholle. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe in meiner früheren Tätigkeit hundertfach Hofübergaben beraten. Zunächst aber zu den Fakten: Knapp über die Hälfte der Betriebsleiter in Baden-Württemberg waren 2020 55 Jahre oder älter. Nur bei 30 % dieser Betriebe ist die Hofnachfolge gesichert. Der Anteil der Landwirte, die bei kleinen Betrieben tätig sind, ist größer. 1 797 Landwirte leiteten im Jahr 2021 Betriebe, die bis zu 30 ha umfassten. 1 002 Landwirte führten ode – 113. Sitzung – Mittwoch, 22. Januar 2025 Betriebe von 30 bis 90 ha. 457 Landwirte bearbeiteten Flächen von 90 bis 180 ha. Lediglich 98 Landwirte bearbeiteten über 180 ha. Natürlich spielt die geringe Flächenausstattung der Höfe, besonders in den Realteilungsgebieten in Baden-Württemberg, eine große Rolle. Trotzdem sind es andere Faktoren, die junge Menschen ermutigen oder auch davon abhalten, einen Bauernhof zu übernehmen. EU-Agrarkommissar Hansen sprach auf der Grünen Woche und sagte, die Entscheidung, landwirtschaftliche Betriebe fortzuführen, sei eine „decision for life and an invest for life“. Und er versprach, er wolle einen Perspektivwechsel einleiten und die Rahmenbedingungen so neu justieren, dass junge Menschen wieder mehr Lust auf Landwirtschaft bekommen. Noch haben wir die bestausgebildeten Landwirtinnen und Landwirte, die auf ihre Berufsausbildung oft den Meister oder den Techniker draufsatteln oder ein Studium beginnen. Denn sie wollen mit Tieren, in und mit der Landwirtschaft sowie mit der Natur arbeiten, und sie wollen den vielfältigen Beruf mit ihren Fähigkeiten, auch mit modernster Technik umzugehen, ausüben und den Betrieb mit strategischen Planungen bewirtschaften. Allerdings brauchen wir mehr von ihnen, da ansonsten der Generationenwechsel nicht gelingen wird. Denn tatsächlich schätzt die Landwirtschaftliche Krankenkasse, dass rund ein Drittel aller Landwirte unter Depressionen und Burn-out leiden. Als Gründe nennen die Landwirte selbst: fehlende Wertschätzung und Anerkennung ihrer Produkte, überbordende Bürokratie, oftmals gepaart mit finanziellen Sorgen; denn das Einkommen der Landwirte in Baden-Württemberg steht am Ende der Skala in ganz Deutschland. Aber – und das beachte man – nur selten beschweren sie sich über eine hohe Arbeitsbelastung. Also: Sorgen wir dafür, dass den engagierten Menschen in der Landwirtschaft nicht mit Kontrollen, sondern mit mehr Vertrauen begegnet wird, dass Planungssicherheit herrscht, dass man Ställe, die gestern gebaut wurden, nicht heute mit neuen Auflagen ausstattet, obwohl der Kapitaldienst noch nicht einmal getätigt worden ist. Es geht darum, die Zukunft der Landbewirtschaftung und damit auch den Erhalt von Biodiversität in unserer vielfältigen Kulturlandschaft zu erhalten. (Beifall bei der CDU und des Abg. Hans-Peter Beh- rens GRÜNE) Es geht um die Zukunft der regionalen Ernährungsgrundlage. Oder wollen Sie vom Weizen aus der Ukraine, von Rindfleisch aus Argentinien oder von Milchprodukten aus Neuseeland abhängig gemacht werden?
