Martina Braun
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Was gibt es Schöneres, als wenn man über mehrere Jahrzehnte etwas Wertvolles aufgebaut hat und man weiß, dass die nachfolgende Generation daran mit Elan weiterarbeitet? Das trifft sicher zu auf viele mittelständische Unternehmen, auf Handwerksbetriebe, aber ganz besonders auch auf landwirtschaftliche Betriebe. Ich bin froh, dass unser Sohn in der siebten Generation unseren Schwarzwaldhof übernommen hat, das weiterführt, was mein Mann und ich über Jahrzehnte aufgebaut haben. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD – Vereinzelt Beifall bei der FDP/DVP) In der Landwirtschaft denken wir in Generationen. Den Baum, den wir heute oder vor 20 Jahren gepflanzt haben, wird unser Enkel irgendwann mal ernten. Der gut bestellte Acker wird auch unseren Kindern erfolgreiche Ernten bringen. Herr Kollege Heitlinger hat es richtig dargestellt: Leider stellt sich die Situation vielerorts im Land anders dar. Nur bei einem Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Hofübergabe gesichert. Oft gibt es keine Hofübergabe innerhalb der Familie. Bei 2 % der Nachfolgen kommt es zu einer sogenannten außerfamiliären Hofübergabe. Zunehmend gibt es auch Betriebe, die keine Nachfolge finden und sich auch bewusst gegen eine Nachfolge entscheiden, und das, obwohl der Bedarf an regionalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen und die Altersstruktur der potenziellen Übergeber etwas anderes erwarten lassen. Im Jahr 2020 – leider existieren keine neueren Zahlen – waren in Baden-Württemberg 65 % der Betriebsinhaber zwischen 45 und 65 Jahre und 12 % der Landwirte über 65 Jahre alt. Diese Situation hat sich in den vergangenen fünf Jahren sicher noch verschlechtert. Übrigens werden auch nur 10 % der Höfe von Frauen übernommen. Da sehe ich noch ein erhebliches Steigerungspotenzial. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Denn wir Frauen können alles, auch Landwirtschaft. Klar ist: Wir als politisch Verantwortliche wollen und müssen junge Menschen mit guten Gründungsideen in der Landwirtschaft halten. Dafür müssen wir Anreize setzen, Bildungs- und Unterstützungsangebote weiter ausbauen, aber auch den Jungbäuerinnen und Jungbauern zuhören, ihnen mehr zutrauen und nicht alles bis ins kleinste Detail bürokratisch regulieren. (Beifall des Abg. Rudi Fischer FDP/DVP) Denn Quereinstiege und außerfamiliäre Hofnachfolgen werden zukünftig immer wichtiger werden. Hoffnungsfroh stimmt mich die Äußerung von EU-Agrarkommissar Hansen bei der Eröffnung der Grünen Woche am vergangenen Donnerstag in Berlin. Er hat zugesichert, sich ganz besonders um die Thematik der Hofnachfolge zu kümmern (Martina Braun) und gute Bedingungen für die neue Generation der Landwirtinnen und Landwirte schaffen zu wollen. Dafür braucht es innovative Maßnahmen und Altbewährtes. Auf Bundesebene wird das BMEL u. a. mit dem Farm-Inkubator gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank testen, wie der Generationenwechsel in der Landwirtschaft geschafft, der Aufbau von Existenzgründungen, insbesondere von Frauen, unterstützt werden kann und Arbeitskräfte gewonnen werden können. Unser Ziel als Landespolitikerinnen und -politiker muss sein, dass junge Menschen auch in Zukunft motiviert sind, Höfe zu übernehmen, und dass nicht immer weniger Betriebe immer größere Flächen bewirtschaften. Aus- und Weiterbildung, aber auch Beratung sind uns besonders wichtig und die Basis erfolgreicher Betriebe. Die Ausbildung zum Landwirt, zum Wirtschafter für Landbau oder zur Landwirtschaftsmeisterin sowie unterschiedliche agrarische Studiengänge bilden eine hervorragende Betriebsgrundlage für erfolgreich bewirtschaftete Höfe, auf die wir alle angewiesen sind. Mir persönlich ist es hier an dieser Stelle wichtig, zu betonen, dass wir insgesamt eine größere gesamtgesellschaftliche Wertschätzung und Unterstützung für diejenigen benötigen, die uns auch in Zukunft mit guten Lebensmitteln aus Baden-Württemberg versorgen wollen. Meine Unterstützung haben die Landwirtinnen und Landwirte. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
