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Dennis Birnstock

FDP 13.12.2024 Sitzungen 17/111

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Sport hätte es verdient, dass man deutlich länger über ihn spricht. Die Zahlen haben meine Vorrednerinnen und Vorredner schon deutlich benannt: Jeder bzw. jede Dritte in Baden-Württemberg ist Mitglied in einem Sportverein. Die Menschen, die außerhalb eines Sportvereins Sport treiben, sind da noch gar nicht berücksichtigt. Mit rund 124 Millionen € pro Haushaltsjahr macht der Sport aber nicht einmal 0,2 % des gesamten jährlichen Haushaltsvolumens aus. Das ist zwar erschreckend wenig, zeigt aber auch, wie leistungsfähig der organisierte Sport ist und wie viel wir den zahlreichen Ehrenamtlichen im Sportbereich zu verdanken haben. Zwar nicht ganz so drastisch, aber ähnlich deutlich verhält es sich mit dem zeitlichen Anteil der Reden zum Sport gemessen an der Redezeit zum gesamten Haushalt. Aber ich werde versuchen, in sportlichen vier Minuten ein paar wichtige Handlungsfelder aufzugreifen. „Täglich grüßt das Murmeltier“, möchte man beim Thema Schwimmen meinen, oder besser: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Denn wir Freien Demokraten machen schon seit Langem immer wieder klar: Es braucht mehr Investitionen in unsere Bäderinfrastruktur. Dass, wie eine Umfrage der DLRG im Jahr 2022 ergeben hat, jedes fünfte Grundschulkind in (Dennis Birnstock) Deutschland nicht schwimmen kann, ist ebenso erschreckend wie die regelmäßig gemeldeten Zahlen der Badetoten. Beides macht deutlich, dass hier dringend etwas passieren muss. So sollte man zumindest meinen. Aber die Landesregierung sieht das wohl nicht ganz so eng. Über 20 % der öffentlichen Grundschulen bieten überhaupt keinen Schwimmunterricht an, aber der Ministerpräsident verweist nur lapidar darauf, dass er ja auch in der Donau das Schwimmen gelernt habe. Problembewusstsein sieht anders aus. (Beifall bei der FDP/DVP und Abgeordneten der SPD) Ursachen für den nicht stattfindenden Schwimmunterricht sind zum einen fehlende qualifizierte Lehrkräfte und zum anderen – zum weit größeren Teil, nämlich für 85 % der Grundschulen – die fehlenden Schwimmflächen. Hier wäre beim Bau, bei der Sanierung und beim Betrieb von Schwimmflächen schon lange mehr Unterstützung für die Kommunen nötig gewesen. (Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP) Nun haben sich die Regierungsfraktionen nach viel Druck und zahlreichen Anträgen von uns endlich bewegt (Zurufe von der CDU: Oijoijoi!) und zumindest noch per Änderungsantrag im Finanzausschuss für die Schwimmbäder die Förderfähigkeit geöffnet. Steter Tropfen kann den Stein also so weit aushöhlen, dass ganze Schwimmbecken hineinpassen. (Vereinzelt Heiterkeit) „Warum erst jetzt?“, möchte man da fragen. Mit dieser Öffnung ist es aber bei Weitem nicht getan; es braucht auch eine verlässliche Finanzierungsstruktur der Betriebskosten. In ländlicheren Regionen, wo es nichts mehr zu sanieren gibt, braucht es zusätzlich mobile Schwimmbecken, die wir heute erneut beantragen. Schwimmen, so wichtig es ist, ist aber nur ein Teil des gesamten Sportbereichs. Sport ist sowohl für unsere Gesellschaft als auch für jeden Einzelnen ein Gewinn – nicht zuletzt für die eigene Gesundheit. Dabei ist es wichtig, möglichst früh den Grundstein dafür zu legen. Dementsprechend unterstützen wir das Ziel im grün-schwarzen Koalitionsvertrag, den Sport im Bildungsbereich zu stärken. Aber wie so oft ist dieser Koalitionsvertrag eher Wunschdenken; denn während Sie in diesem noch schreiben, dass Sie sich für eine tägliche Sport- und Bewegungsstunde einsetzen wollen, schaffen Sie es im Wechsel von G 8 auf G 9 im Gymnasium nicht einmal, eine einzige zusätzliche Stunde in ganzen neun Schuljahren bereitzustellen. (Abg. Andreas Sturm CDU: Es gibt doch Poolstun- den!) Ja, uns Freien Demokraten ist es wichtig, dass G 9 auch zu einer spürbaren Entlastung führt. Aber während Sie, Frau Sportministerin, in allen möglichen Bereichen die Stunden laut Stundentafel ausbauen, lassen Sie gerade den Sport hinten runterfallen, und das, obwohl der Sport eine Sonderrolle einriode – 111. Sitzung – Freitag, 13. Dezember 2024 nimmt. Denn es geht nicht in erster Linie um Wissens-, sondern um Wertevermittlung und um Bewegung. Wenn Sie jetzt acht Bücher in neun Jahren statt in acht Jahren durcharbeiten, haben Sie danach trotzdem acht Bücher durchgearbeitet. Wenn Sie aber die gleiche Stundenzahl Sport auf ein Schuljahr mehr verteilen, dann haben die Schülerinnen und Schüler de facto weniger Sport und Bewegung pro Schuljahr. (Glocke des Präsidenten)

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