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Hans-Peter Hörner

AfD 07.11.2024 Sitzungen 17/108

Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Der Versprecher mit der FDP – denken Sie an meine gestrige Rede – ist gar nicht so schlimm, den akzeptiere ich selbstverständlich. Ich werde mich jetzt natürlich nicht in die unendlichen Weiten des Weltraums bewegen, sondern möchte fünf Jahre zurückgehen: in die letzte Schulwoche im Juli des Jahres 2019. Das war mein letztes aktives Schuljahr. Wir hatten an einem Mittwoch – donnerstags oder freitags gingen die Ferien los – einen Sporttag, am vorletzten Schultag vor den Ferien. Was soll man da machen? Die Zeugnisse sind geschrieben. Da hat man Platz für einen Sporttag. (Zuruf von den Grünen) Dieser Tag hatte einen großen Nachteil. Es hat nämlich – Entschuldigung! – geschifft wie aus Kübeln. Das heißt, wir konnten nicht raus. Wir mussten den Sporttag in die Schule verlegen. Wer die berufliche Schule in Hechingen kennt, weiß, dass die an einem Hang liegt. Es geht in der Ebene 0 los. Das Lehrerzimmer ist oben, in der Ebene 3. Da kann man ab und zu einmal Kaffee trinken. Nachdem wir um 10 Uhr Pause gemacht haben, hatte ich das Bedürfnis, mich von der Ebene 0 in die Ebene 3 zu bewegen. Dort saßen dann rund 200 bis 250 Schüler, die sich vorher bee – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 wegt hatten. Was haben die gemacht? Wo saßen die? Die saßen auf Bänken, auf den Heizkörpern. Mindestens 150 Schüler hatten solche kleinen Apparate in der Hand und haben so ihre Finger bewegt. (Der Redner macht eine Geste mit der Hand.) Was will ich damit sagen? Wir haben die Jugend so konditioniert. Die wissen nichts anderes mehr. Die wissen wohl selbst: Eine Bewegung, nicht nur im Sport, hat immer eine physische und psychische Wirkung auf den Organismus. Das ist selbstverständlich nicht neu. Wir selbst wissen auch: Wer sich bewegt, Sport treibt, weiß, was er davon hat, wie er sich damit fühlt. Wenn man den ganzen Tag sitzt, z. B. in der Schule oder am Arbeitsplatz, vor dem Fernseher oder vor dem Laptop, besteht wirklich wenig Möglichkeit, angestaute Aggressionen abzubauen. Mehr Bewegung hat folgende Effekte – das ist hier bereits gesagt worden –: Es wird Stress abgebaut, man findet das seelische Gleichgewicht wieder, weniger Aggressivität, das soziale Verhalten wird fairer, Bewegungen werden besser konditioniert, bessere Konzentration, höheres Selbstvertrauen – alles selbstverständlich wünschenswerte Effekte. Der Bereich der Gesundheit profitiert: Muskeln werden aufgebaut, Fettzellen abgebaut – bzw. sie entstehen nicht an unerwünschten Stellen –, eine aufrechte Haltung wird gefördert, die Knochendichte nimmt zu, das Lungenvolumen und die Sauerstoffaufnahme werden verbessert, Gehirnzellen werden besser verknüpft – gerade in der Schule auch wichtig – usw. usf. Aber der Sport hat leider Gottes an den Schulen nur einen geringen Anteil an der Unterrichtszeit. Deshalb sind für uns auf jeden Fall Aktivitäten und auch Vorbildwirkungen an anderen Stellen gefragt. Da nenne ich einmal mit drei Ausrufezeichen die Familien. Die Familie hat die Aufgabe, ihre Kinder durch Ausflüge, Wanderungen, Radfahren, Schwimmen – auch durch die Arbeit im Haushalt – zu animieren, sich zu bewegen. Als zweite Möglichkeit nenne ich einfach mal – was hier auch nicht passiert ist – den Freundeskreis, den richtigen Freundeskreis. Viele von uns hatten wohl das Glück, immer im richtigen Freundeskreis zu sein. Man hatte gemeinsame Aufgaben, man hat etwas unternommen, ist in den Wald gegangen, ist gemeinsam Rad gefahren, gemeinsam schwimmen gegangen und hat sich dabei bewegt. Und schlussendlich die Jugendgruppen: Bei den Jugendgruppen in den Sportvereinen kommen ganz wesentliche Aufgaben, wenn nicht gar die wesentlichste, dazu. Die Arbeit in den Jugendgruppen der Vereine sollte aber unbedingt losgelöst von den Schulen stattfinden, (Abg. Rüdiger Klos AfD: Absolut!) so, wie es sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt hat. Mit dem Einbau in die Ganztagsbetreuung wird damit die Bewegung des Kindes, des Jugendlichen in die Schulplanung eingestellt, unterstellt, und eine freie Entfaltung der Persönlichkeit wird damit eingeschränkt, und das bei gleichzeitiger Schwächung des traditionellen Vereinsgeschehens. Eine Erhöhung der Stundenzahl für den Schulsport innerhalb des Stundenplans wäre zwar eine nachdenkenswerte Alternative. Das darf aber nicht zulasten anderer Inhalte gehen; da- (Hans-Peter Hörner) mit haben wir bereits ein nicht unwesentliches Problem aufgezeigt. Hinzu kommt noch, dass die Ausstattung der Schulen mit Sportstätten oder das Aufsuchen von Schwimmgelegenheiten – und zwar nicht nur im Winter – wegen der Zustände der Sportstätten bzw. aufgrund der fehlenden Gebäude ein kaum lösbares Problem darstellen. Letztendlich bleibt festzustellen: Der Ruf nach mehr Bewegung von Kindern zu deren Vorteil ist mit einer vernünftigen Familienpolitik und mit der Förderung des Ehrenamts besser zu verwirklichen als mit der Zuordnung zur Ganztagsschule. Dass die Antworten in der Drucksache 17/3544 so ausfallen, wie sie ausgefallen sind, ist wohl jedem von uns klar. Aber für mich ist eines verwunderlich, nämlich wie die Frage nach den erteilten oder ausgefallenen Unterrichtsstunden im Fach Sport beantwortet wurde: Es liegen hierzu – mal wieder – keine Daten vor. Zum Schluss noch ganz schnell etwas zum Wettbewerb im Sport: Dass auch im Sport – denken Sie an das, was gestern bei der Anhörung des Sportverbands gesagt wurde –, auch bei den Bundesjugendspielen Urkunden vergeben werden, ist alles schön und gut. Aber eine Urkunde nur um der Urkunde willen stärkt die Jugendlichen nicht. Sie brauchen Motivation, und eine Motivation liegt auch in der Leistungsbeurteilung. Sieger im Sport zu sein, ist schön, aber man muss auch verlieren lernen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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