Petra Häffner
Danke schön. – Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Hier im Plenum sitzen wir viel. Es gibt nur wenige Unterbrechungen, obwohl, wenn ich in die Reihen schaue, der eine oder andere vielleicht doch beim Treppensteigen und in Bewegung ist. (Vereinzelt Heiterkeit) Dabei wissen wir es besser: Der Mensch ist nicht zum Sitzen gemacht. Unser Skelett, unsere Muskulatur, Sinne und Ner- (Petra Häffner) ven – alles ist auf Bewegung ausgerichtet. Das wird belohnt: Regelmäßige Bewegung erhält und verbessert die Gesundheit, stärkt zugleich die Konzentration, die Persönlichkeitsentwicklung und die Resilienz. Das bestätigen viele Studien. Bewegung ist essenziell, besonders für Kinder. Das müsste ich eigentlich gar nicht im Besonderen erwähnen; (Abg. Rüdiger Klos AfD: Sehr richtig!) denn Kinder haben von sich aus einen ganz natürlichen Bewegungsdrang. Sie krabbeln, hüpfen, rennen, rollen, klettern – und trotz dieses natürlichen Bedürfnisses zeigt sich nach aktuellen Ergebnissen des Fitnessbarometers der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg, dass das Fitnessniveau der Kinder seit 2012 kontinuierlich abgenommen hat. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die Pandemie. Das ist alarmierend. Schon 2022 hat meine Fraktion diese Entwicklung zum Anlass genommen, den aktuellen Stand des Schulsports in Baden-Württemberg eingehend zu prüfen. Das Ergebnis ist erfreulich und zeigt deutlich: Baden-Württemberg steht im Bereich „Schulsport und Bewegung“ auf einem guten Fundament. An einigen zentralen Punkten möchte ich Ihnen zeigen, dass Baden-Württemberg ein Powerhouse ist. Unser Land bietet den Kindern die Grundlage für ein gesundes und bewegtes Leben – und das nicht erst im Jugendalter, sondern von Anfang an. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Manuel Hail- finger CDU) In Kita und Schule beginnt unser umfassender Bildungs- und Erziehungsauftrag im Bereich Sport. Wir können, ja, wir müssen alle Kinder erreichen und sie für Sport und Bewegung gewinnen. Um dieses Bewusstsein in den Schulen zu fördern, schulen wir seit 2018 alle neuen Grundschulleitungen umfassend in der Bedeutung von Bewegung und Sport im Schulalltag. Mir ist wichtig: Bewegung fängt bereits beim Schulweg an. Selbst gehen oder gefahren werden macht einen Riesenunterschied. Ich hatte neulich eine Veranstaltung zum Thema „Sicherer Schulweg“ in meinem Wahlkreis. Dort haben Eltern, Lehrerinnen, Schulleiter einhellig bestätigt: Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, sind wacher, fitter und aufnahmebereiter. Mit dem Landesprogramm „MOVERS – Aktiv zur Schule“ geben wir Schulen und Kommunen die nötige Unterstützung, um Rad- und Fußwege zu Schulen, Spielplätzen und Kitas sicher auszubauen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Vielleicht wäre es für den einen oder anderen Abgeordneten auch gut, aktiv in den Landtag zu kommen, um konzentrierter zu sein. (Vereinzelt Heiterkeit) So ermöglichen wir den Kindern in unserem Land nicht nur einen aktiven und erlebnisreichen Schulweg, sondern lassen das Elterntaxi gleich zu Hause in der Garage. Ein Kind, das ode – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 selbst zur Schule kommt, nimmt seine Umgebung bewusst auf. Unverzichtbar für ein bewegtes Aufwachsen sind die Sportvereine im Land. Ein Herzstück unserer Förderung ist das etablierte Kooperationsprogramm „Schule – Sportverein“. Mit diesem Programm stärken wir die wichtige Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen. Durch stetige Weiterentwicklung und neue Konzepte werden Bewegungs- und Sportangebote direkt in den Schulalltag integriert. Programme wie „Rudis bewegtes Schulhaus“ bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich täglich zu bewegen. Kooperationen wie „Schau mal, was ich kann!“ machen Kinder mit Sportvereinen vertraut und ermöglichen ihnen, ihre Potenziale auszuprobieren und zu entfalten. So wird der Schulalltag zu einem Ort, an dem Bewegung ganz selbstverständlich ist und Freude macht, während die Sportvereine neue talentierte und begeisterte Mitglieder gewinnen können. Hinzu kommen unsere Freiwilligendienstleistenden im FSJ Sport. Junge Menschen unterstützen im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres die Lehrkräfte aktiv dabei, Bewegung, Spiel und Sport in den Schulalltag der Grundschulen zu bringen und so die Kooperation zwischen Schule und Vereinen zu stärken. Sie bringen frischen Wind und neue Ideen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Gleichzeitig entwickeln diese jungen Menschen sich in ihrer Persönlichkeit weiter und qualifizieren sich mit der Übungsleiter- oder Trainerlizenz. Ein besonderes Anliegen ist die Förderung der Schwimmfähigkeit. Viel zu viele Kinder können bis zum Ende der Grundschulzeit noch nicht sicher schwimmen. Gefragt sind daher Möglichkeiten, genau hier anzusetzen und mit gezielten Maßnahmen mehr Kindern den Zugang zum Schwimmen zu ermöglichen. Deshalb haben wir die Programme „SchwimmFidel – ab ins Wasser!“ und „SchwimmFidel – bleib im Wasser!“ entwickelt. Das Ziel dieser Programme ist, eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kitas, der DLRG und Schwimmvereinen zu fördern, damit Kinder schon frühzeitig sichere Schwimmfähigkeiten entwickeln können. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die DLRG und die Schwimmverbände für ihren unermüdlichen Einsatz. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Es ist ein richtiger Schritt, dass es ab dem kommenden Haushalt über den Kommunalen Investitionsfonds auch eine Fördermöglichkeit für die Sanierung von Lehrschwimmbecken geben soll. Die Verantwortung für die Bereitstellung von Schwimmflächen liegt klar bei den Kommunen. Wir helfen ihnen, die nötige Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Bewegung fängt im Kopf an. (Zuruf des Abg. Rüdiger Klos AfD) Unsere Schulen und Kommunen sind mit Sportstätten in der Regel gut ausgestattet, aber selbst wenn nicht alles so optimal (Petra Häffner) ist, gibt es Mittel und Wege. In einer Grundschule habe ich erlebt, wie kreativ Bewegung und Sport im Schulalltag verankert werden können, z. B. indem die Kinder zwei Wochen Schwimmunterricht en bloc im Freibad haben, indem sie schulintern für einen adaptierten Triathlon trainieren und diesen absolvieren oder indem sie ermutigt werden, mit dem Fahrrad selbst zur Schule zu kommen. Mit der Kontingentstundentafel, die Schulen pädagogische Freiräume ermöglicht, stehen solche Gestaltungsmöglichkeiten jeder Schule offen. Diese Freiheit müssen wir fördern und die Schulen ermutigen, diese auch zu nutzen. Ein wichtiger Meilenstein steht uns bevor: der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026. Das eröffnet neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Die Schulen werden verstärkt zum sozialen Zentrum für die Schülerinnen und Schüler. Ein Teil der zusätzlichen Wochenstunden kann für Angebote außerschulischer Partner genutzt werden. Das ist die Gelegenheit, Sportvereine noch stärker einzubinden. Wir setzen uns dafür ein, dass Sportvereine fester Bestandteil der Ganztagsbetreuung werden. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Wir sind bereits im engen Austausch mit den Partnern, um den Ganztag sportlich zu gestalten. Ein lebendiger, rhythmischer und bewegter Ganztag, das ist unser Ziel zum Wohle aller. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU) Wir haben viel erreicht, doch der Weg ist noch lang. Lassen Sie uns auf unseren Erfolgen nicht ausruhen; es gibt noch viel zu tun. Das ist beim Sport übrigens genau das Gleiche: Man darf mit dem Training nicht aufhören, man muss weitermachen. Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Lassen Sie uns gemeinsam weiterhin die Grundlage für eine aktive und gesunde Zukunft der Kinder in unserem Land legen. Denken Sie daran: Wir sind Vorbilder. Bleiben wir in Bewegung! Herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
