Sandra Boser
Vielen Dank. – Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank für diese Debatte heute Morgen. Ich denke, die Debatte hat in ihrem Verlauf gezeigt, dass wir an vielen Stellen noch Fragezeichen haben: Wie verändert KI die Schulen? Wie verändert KI unser Leben? Jeder von uns hat heute Morgen wahrscheinlich schon KI auf irgendeine Art und Weise genutzt, obwohl er es überhaupt nicht weiß. So sehen wir eben, dass das Thema „Künstliche Intelligenz“ in unserem Alltag immer mehr Raum einnimmt und wir deswegen natürlich dieses Thema in den Schulen adressieren müssen. Frau Kollegin Fink-Trauschel, wir fangen jetzt nicht neu damit an. Die Handlungsempfehlungen beispielsweise zu ChatGPT haben wir im Januar 2023 veröffentlicht. Das kann auf der Homepage des Kultusministeriums und auf der Homepage des LMZ abgerufen werden. Wir haben beispielsweise bereits im vergangenen Jahr, nachdem ChatGPT so prominent wurde – es hat auch heute Morgen in der Debatte extrem viel Raum eingenommen, dieses Tool von OpenAI, wobei das ja nur ein einziges Tool ist und noch sehr viele Möglichkeiten danebenstehen –, explizit zum Thema KI über das ZSL und über das LMZ Fortbildungsreihen auf den Weg gebracht. ode – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 Vielleicht nur eine Zahl: Im Jahr 2024 haben bereits in der ersten Jahreshälfte ca. 350 Veranstaltungen stattgefunden, und daran haben über 10 000 Lehrkräfte teilgenommen. Die Lehrkräfte haben also ein Interesse an der Fragestellung: Wie kann ich KI im Fachunterricht einsetzen? Nur ein Beispiel: Letzte Woche kam eine Einladung zum Thema „KI im Chemieunterricht“. Entsprechendes gibt es etwa auch für KI im Spanischunterricht. Wir versuchen, sehr praxisnah zu agieren und die Lehrkräfte mitzunehmen, um genau diese Frage aufzugreifen: Wie können wir künstliche Intelligenz in der Schule gut anwenden? Die Pilotierung des fAIrChat wurde schon mehrfach angesprochen. Momentan beteiligen sich 30 Schulen hieran. Wir prüfen gerade, ob wir fAIrChat in die Fläche ausrollen wollen; denn – auch das wurde heute Morgen schon angedeutet – es gibt noch sehr viel mehr Tools. fAIrChat ist eine Entwicklung, die das ZSL im Zusammenhang mit Moodle vorgenommen hat und die auch datenschutzkonform läuft. Aber wir müssen natürlich immer auch schauen: Gibt es Produkte auf dem Markt, die verfügbar sind? Deswegen ist auch das KI-Zentrum für uns so wichtig. Denn wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren bei vielen Veranstaltungen, im Austausch mit Schulleitungen, im Austausch mit Lehrkräften festgestellt, dass noch sehr viel Unsicherheit bei der Frage besteht: Wie können wir das wirklich gut umsetzen? Das KI-Zentrum in Heilbronn, das gemeinsam mit der Dieter Schwarz Stiftung – wir sind sehr dankbar, dass wir für das IPAI mit der Dieter Schwarz Stiftung einen Partner haben, der uns tatkräftig unterstützt –, aber auch und vor allem mit der Universität Tübingen – – Wir sind auch im Austausch mit der Wissenschaftsministerin bei der Frage, welche anderen Player wir da mit hereinholen, beispielsweise Pädagogische Hochschulen. Mit Professorin Cress und mit Professor Trautwein haben wir zwei Akteure aus dem Wissenschaftsbereich, die sich bundesweit engagieren und anerkannt sind; sie sind an diesem KI-Zentrum beteiligt und werden uns mit Handlungsempfehlungen unterstützen. Dieses KI-Zentrum – um es noch einmal zu erläutern – hat zum einen den Auftrag, sich den Bereich Fortbildung noch einmal auf die Fragen hin anzuschauen: Was brauchen Lehrkräfte, um dieses Thema in Schule und Unterricht anzuwenden? Wo sehen sie Chancen und Risiken? Und – da bin ich absolut bei Ihnen – wir müssen immer schauen: Was kann KI und was kann KI nicht? Natürlich ist die Persönlichkeitsentwicklung ein wichtiges Thema. Ich halte es aber vor allem im Zusammenhang mit der Demokratiebildung für wichtig, dieses Thema in der Schule aufzugreifen. Zum Dritten geht es darum, dass das KI-Zentrum im Prinzip etwas sortiert: Welche Apps und Anwendungen gibt es denn auf dem Markt? Was kann für den schulischen Bereich interessant sein? Diese sollten dann auch durch Lehrkräfte ausprobiert werden, um am Ende gute Entscheidungen für das Land treffen zu können. Wir wollen dieses KI-Zentrum bewusst länderübergreifend gestalten. Im letzten Jahr hatten wir in Berlin bereits eine Veranstaltung gemeinsam mit Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz, einen Digitalkongress, an dem sich auch Dänemark be- (Staatssekretärin Sandra Boser) teiligte und sein KI-Zentrum vorstellte. Nächste Woche wird in Berlin ein weiterer KI-Kongress stattfinden, wo wir gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein dieses KI-Zentrum anschauen werden. Ich hoffe, dass wir da zu einer Zusammenarbeit kommen; denn im Bereich der Digitalisierung halte ich es tatsächlich für extrem angezeigt, dass wir länderübergreifend und nicht als Land Baden-Württemberg allein unterwegs sind. Es ist gut, wenn man da eine Vorlage macht und die Entwicklung engagiert vorantreibt, aber wir brauchen dazu auch die anderen Bundesländer. Das gilt beispielsweise auch für das Tool, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat – das AIS –, bei dem wir länderübergreifend mit anderen Ländern und dem FWU in München dabei sind, dieses Tool voranzubringen. Dabei stellen wir aber auch wieder fest, dass dies in manchen Bereichen Zeit braucht. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Zeit braucht dies deshalb – das will ich noch einmal aufgreifen –, weil der Datenschutz und der datensensible Umgang in Schulen ebenfalls extrem wichtig sind. Wir prüfen daher ganz genau, welche Tools angewendet werden können und wie ein guter Einsatz gelingt. Ich möchte auch noch einmal die Sicht der Schülerinnen und Schüler in die Diskussion hineinbringen – dies wurde vorhin auch von Ihnen, Frau Kollegin Fink-Trauschel, angesprochen; Sie haben dabei, meine ich, aus der Studie der Vodafone Stiftung zitiert. In dieser Studie kam heraus – das ist für uns auch ein wichtiges Thema –, dass es im Bereich KI bei jungen Menschen schon heute einen Digital Divide gibt, also ein digitales Auseinanderdriften, dass die das Thema KI in unterschiedlicher Weise betrachten. Junge Menschen aus bildungsferneren Haushalten sehen dies durchaus sehr kritisch und haben vielleicht keinen so großen Bezug dazu und Umgang hiermit. Deswegen halte ich es für noch wichtiger, dass wir, die Landesregierung, versuchen, das Thema KI im Unterricht in der Breite aufzugreifen. (Beifall bei den Grünen) Dabei werden auch die Themen Informatik und Medienbildung wichtig sein. Wir werden als eines von wenigen Bundesländern ab 2025/2026 das Fach „Informatik und Medienbildung“ an allen weiterführenden Schulen ab Klasse 5 verankern (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) und genau in diesem Bereich auch das Thema KI aufgreifen, also die Basiskompetenzen, die es im Bereich Digitalisierung braucht. Neben dem, was hier richtigerweise gesagt wurde und was auch unser Schwerpunkt in der Landesregierung ist – die Stärkung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen –, ist eben Digitalkompetenz eine Basiskompetenz der Zukunft, damit junge Menschen auf Schule, Studium, Ausbildung und Beruf gut vorbereitet sind. Sie sollten aber auch die Medienkompetenz haben, um Deepfakes, Fake News auseinanderzuhalten. Deshalb gehen wir mit diesem Fach „Informatik und Medienbildung“ einen wichtigen Schritt für die Zukunftskompetenzen junger Menschen in Baden-Württemberg. e – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 (Beifall bei den Grünen und des Abg. Manuel Hail- finger CDU) Lassen Sie mich zum Schluss einfach noch einmal Danke sagen, weil ich aus der Debatte mitgenommen habe, dass wir hier an vielen Stellen – vielleicht auf unterschiedliche Art und Weise – gemeinsam unterwegs sind. Ich denke, wir brauchen gerade bei den Themen Digitalisierung und KI einen gemeinsamen Weg, ein gemeinsames Verständnis. Daher ganz herzlichen Dank für die Debatte. Ich wollte jetzt nicht auch noch ein Zitat aus „Star Trek“ oder „1984“ oder Ozeanien anführen. Ich könnte auch noch in die Metawelt gehen und „Inception“ aufrufen (Heiterkeit der Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE – Zuruf) – genau –, aber ich denke, das sind alles Zukunftsvisionen, die wir nicht unbedingt in unseren Schulen brauchen, sondern wir müssen schauen, dass wir dieses Thema für unsere Schulen gut lösen und sie fit machen, um die Themen Digitalisierung und KI gut umzusetzen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Sehr gut!)
