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Ralf Nentwich

GRÜNE 07.11.2024 Sitzungen 17/108

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin mir nicht ganz sicher, wie hoch die Star-Trek- und Trekkie-Quote hier im Parlament ist. (Abg. Andreas Sturm CDU: Hoch!) – Ich glaube, relativ hoch. – Zu Beginn der heutigen Aktuellen Debatte erlaube ich mir einen kleinen Abstecher ins Star Trek Universum, ganz speziell in den „Star Trek“-Kinofilm mit Chris Pine als Captain Kirk, als er noch recht jung war und der Vulkanier Spock dementsprechend frisch auf der Welt. Wir sehen den jungen Vulkanier Spock, wie er mithilfe eines KI-Tutors – ganz interessant für die heutige Diskussion – in einer Cave lernt, angepasst und sehr adaptiv und speziell an seine spezifischen Interessen und Fähigkeiten angedockt. Die Vulkanier gehören nicht ohne Grund zu den intelligentesten Wesen. Die KI-Unterstützung hat bestimmt auch ihren Anteil daran, dass sie dementsprechend weit gekommen sind. Hier schließt sich der Bogen zur heutigen Debatte. Können wir auch in Baden-Württemberg ein Bildungssystem schaffen, das KI nicht nur für Routineaufgaben nutzt, sondern auch als produktives Werkzeug, das uns hilft, aus der Schülerschaft wirklich das Allerbeste herauszuholen? KI wird in den kommenden Jahren unser Leben und Lernen grundlegend verändern – und hat es vielleicht auch schon. (Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Ja!) ode – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 Sie wird in der Bildung und im Alltag fest integriert sein. Umso wichtiger ist es, dass wir, das Land, diese Technologie aktiv gestalten sowie verantwortungsvoll und verantwortungsbewusst einsetzen. Genau das machen wir, das Land Baden-Württemberg, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Mit dem vor wenigen Wochen gegründeten KI-Zentrum in Heilbronn im Innovationspark Künstliche Intelligenz – ich war bei der Eröffnung und war sehr beeindruckt – gehen wir einen großen Schritt genau in diese Richtung. Das KI-Zentrum in Heilbronn bietet praxisnahe Fortbildungen für Lehrkräfte, entwickelt Unterrichtskonzepte und schafft eine Basis für die sogenannte KI-Literacy, also das Grundverständnis von KI, bei den Schülerinnen und Schülern. Es wird getragen vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und von der Dieter Schwarz Stiftung. Es ist damit eine beeindruckende Kooperation, die Schule und Wirtschaft miteinander vereint und einen Rahmen schafft, in dem Lehrkräfte und Experten gemeinsam an Lösungen arbeiten. Wenn man das zusammen mit unserem Cyber Valley sieht, wird deutlich: Wir haben in Baden-Württemberg wirklich ganz beeindruckend die ganze Bandbreite von der Wirtschaft bis hin zur Bildung abgedeckt und auch ein Frameset von der Schule bis in die Wirtschaft geschaffen, das uns an die KI-Weltspitze bringen kann und auch wird. Jetzt schmunzeln vielleicht manche: KI-Weltspitze – was sagt der Nentwich da vorn? Das mit der Weltspitze sage aber nicht ich, sondern das sagen führende Akteure und Bildungsforscher. So hat das z. B. auch Professor Ulrich Trautwein bei der Eröffnung in Heilbronn gesagt. Das schaffen wir aber natürlich nur, wenn wir die Stärken dieses Landes intelligent vereinen – Wissenschaft, Technologieunternehmen, Start-ups aus der Bildungstechnologie zusammen mit dem Bildungsbereich. Der internationale Vergleich zeigt, dass Länder, in denen KI schon jetzt sinnvoll in den Bildungsalltag integriert wird, signifikant bessere Bildungsergebnisse erzielen. Ziel eines KIgestützten Unterrichts ist es, jede Schülerin und jeden Schüler individuell mit einem adaptiven Ansatz, der sich den unterschiedlichen Lernständen anpasst, zu fördern. Professor Meurers bringt es sehr schön auf den Punkt. Ich als Deutschlehrer habe in einer Klasse einen typischen Schüler, der sich in Deutsch schwertut, aber auch den Überflieger. Die müssen wir beide an ihrer Stelle abholen. Da kann KI sehr differenziert ansetzen. Das geschieht schon heute, wie man an Projekten eindrucksvoll sehen kann. Das ist ein produktiver Umgang mit der Heterogenität der Schülerschaft. KI ist dabei immer ein Werkzeug. Das ist wie beim I-Pad auch, das ist wie bei anderen Werkzeugen, die man im Handwerk einsetzt, die man als Pädagoge aber auch handwerklich einsetzt. Es wird niemals – ich betone: niemals – KI-Lehrer geben. Falls nachher die Kritik kommt, wir wollten irgendwelche KI-Lehrer institutionalisieren: Das ist nicht das Ziel. Es wird ihnen Routineaufgaben abnehmen. Aber es ist ein Werkzeug. Das eigentliche Lernen, das Miteinander, das kritische Denken, das bleibt natürlich menschlich und muss auch in Zukunft menschlich bleiben, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD) (Ralf Nentwich) Natürlich sind auch die ethischen Fragestellungen wichtig. Dementsprechend sollen diese im KI-Zentrum gestellt und beantwortet werden. Wenn ich in Richtung Vatikan schaue – die CDU-Fraktion war ja erst vor Kurzem dort –, (Beifall der Abg. Dr. Matthias Miller und Andreas Sturm CDU) wird deutlich: Auch dort ist KI ein Riesenthema. Dort wird es auch sehr gut direkt vom Papst behandelt. (Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE: Echt?) Ich finde, auch dort den Konnex herzustellen, ist sehr wichtig. Wenn man einmal in Richtung Praxis schaut, was da bereits an KI-Agenten und KI-Assistenzsystemen unterwegs ist, dann sieht man: Beispielsweise hat die Schülerhilfe die KI-Lernassistentin namens „Kira“ schon fest bei sich etabliert. Schon jetzt, heute kann man, wenn man bei einer Schülerhilfe angemeldet ist, auf diese zurückgreifen. Vom Land gibt es den fAIrChat, den wir immer mehr ausrollen. Und cornelsen.ai hat vor Kurzem, erst vor wenigen Tagen, eine ganze Toolbox entwickelt und auf den Markt gebracht – auch die anderen großen Anbieter wie Klett arbeiten an einer solchen –, damit Lehrer diese Werkzeuge wirklich an die Hand bekommen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und des Abg. Andreas Sturm CDU) Und auch die katholische Kirche – ich habe sie gerade schon genannt; es betrifft aber auch die Kirchen allgemein – hat etwas entwickelt, und zwar „Magisterium AI“. Mit diesem Programm kann man, wenn man Theologie studiert, entsprechend an die Hand genommen werden. (Zuruf der Abg. Nadyne Saint-Cast GRÜNE) Man sieht: KI ist weltweit und breit im Einsatz. Was bringt sie am Ende, und wie bringen wir die digitale Bildung und die KI flächendeckend in unsere Schulen? Ein Blick in den Bericht der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission im Bund zeigt, wie das gelingen kann. Frau Professorin Dr. Ulrike Cress aus Tübingen z. B. spricht sich für ein Thema aus, das auch uns im Land Baden-Württemberg sehr am Herzen liegt, und zwar: Wir brauchen stabile Strukturen und Zentren – Hubs sozusagen – in der Fläche, in denen dieser digitale Wandel gelebt wird, der dann in die Breite wirken kann. In Baden-Württemberg haben wir bereits etwas, das andere Bundesländer nicht haben: ein flächendeckendes Netz von Medienzentren in jedem Landkreis. Diese Struktur ist wirklich ein starkes Fundament. Ich kann wirklich nur jedem raten, einmal vor Ort in die Kreismedienzentren zu gehen. Früher waren das so Bildstellen, ganz antiquiert (Abg. Raimund Haser CDU: Kreisbildstellen!) – auch Kreisbildstellen genannt –, aber mittlerweile haben die sich wirklich weiterentwickelt: KI-Robotik, Coding, 3D-Druck und die Nutzung als Fortbildungshubs. Die machen wirklich Pädagogik für die Schulen sowie die Pädagoginnen und Päde – 108. Sitzung – Donnerstag, 7. November 2024 agogen im 21. Jahrhundert. Es ist uns wirklich wichtig, dass wir da – das sollten wir auch in Zukunft anstreben – ein ganz starkes Netzwerk in Baden-Württemberg bilden, da Baden-Württemberg wirklich das einzige Bundesland ist, das dieses starke Netzwerk hat. Dieses sollten wir hochskalieren, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Schaut man auf das KI-Zentrum, dann sieht man, dass wir das gut unterfüttert haben. Dort ist ein Kernteam von 30 Personen und weiteren 300 Expertinnen und Experten unterwegs. Das ist eine ganze Menge Personal. Man kann jetzt natürlich sagen, das müsse auch auf die Straße gebracht werden. Das kann der Kollege von der SPD auch gern anbringen: dass es auch gemacht werden muss. (Abg. Nicolas Fink SPD: Gute Idee!) Das werden wir aber auch auf die Straße bringen, und daran können wir uns am Ende auch messen. Insgesamt brauchen wir – jetzt einmal in eine ganz andere Richtung gedacht – mehr Mut in der Bildung, auch einmal neue Wege zu gehen und auch einmal bei der Rechtsphilosophie anzusetzen. Meiner Meinung nach ist auch das wichtig. Datenschutz ist wichtig und eine elementare Angelegenheit, aber wir müssen auch einmal schauen, dass wir in Richtung einer Ermöglichungsjuristerei gehen. Wir müssen uns wirklich fragen: Wo können wir Spielräume kreativ nutzen? Wo brauchen wir im Bereich der IT wirklich Fort Knox, und wo brauchen wir pädagogische Freiheiten? Ich glaube, diese Differenzierung ist mehr denn je wichtig. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir, wenn wir in ein paar Jahren auf die ersten Erfolge unseres KI-Zentrums und auf unsere KI-Agenten schauen, zu dem Ergebnis kommen, dass wir wirklich ein innovatives, bundesländerübergreifendes Netzwerk geschaffen haben werden. Wir werden Baden-Württemberg dementsprechend in diesem Bereich wirklich an die Weltspitze gebracht haben, in eine Zukunft, in der die Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger mit den Vulkaniern des Universums wirklich mithalten können. Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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