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Nese Erikli

GRÜNE 23.10.2024 Sitzungen 17/106

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich im Juni am Bodensee an den Feldern voller tiefroter Erdbeeren vorbeikomme, denke ich oft an meine Kindheit zurück, daran, wie gern ich als Kind auf solchen Feldern unterwegs war. Einigen von Ihnen ergeht es wahrscheinlich auch so. iode – 106. Sitzung – Mittwoch, 23. Oktober 2024 Selbstpflücken geht auch heute noch, aber der große Teil wird noch immer von Erntehelfern gepflückt. Mittlerweile haben immer mehr Betriebe nicht nur in meinem Wahlkreis Probleme, Erntehelfer in ausreichender Zahl zu finden, sondern es wird auch denen in Ihren Wahlkreisen so gehen. Dafür haben drei Gründer aus Konstanz eine Lösung gefunden, nämlich den Ernteroboter BERRY. Dieser Ernteroboter automatisiert den gesamten Ernteprozess bei der Erdbeerernte. Das Start-up dahinter, Organifarms, ist schon beachtlich gewachsen. Eine Erfolgsgeschichte made in Konstanz, made in „THE LÄND“. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Organifarms ist ein Start-up, das es ohne die Konstanzer Hochschule vermutlich nicht geben würde – auch nicht ohne die Initiative „Kilometer1“. Beide helfen vor Ort dabei, clevere Ideen aus den Hörsälen in die Umsetzung zu bringen. Genau darum geht es heute. Start-ups und Ausgründungen sind kleine Pflanzen in unserem Innovationsgarten. Die Ideen der Gründerinnen und Gründer sind dabei das Saatgut. Nicht umsonst heißen zwei wichtige Anfangsphasen von Start-ups „Pre-Seed“ und „Seed-Phase“. Hochschulen sind dabei die Gewächshäuser für das Gedeihen dieser kreativen Lösungen. Denn hier setzen unsere schlausten Köpfe jeden Tag ihre Kreativität und ihr Wissen ein, um Antworten auf die bestehenden Probleme und Herausforderungen zu suchen und zu finden. Das Zentrale hierbei ist jedoch, dass wir diese Ideen dann nicht nur auf dem Papier haben, sondern auch in die Praxis umsetzen und in unsere Wirtschaft und Gesellschaft einbringen. Die Start-ups von heute sind Mittelständler von morgen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Für uns bedeutet das, dass wir die Entwickelnden, die Forschenden und die Studierenden ermutigen und fördern müssen, ihre Kreativität und ihr Wissen wirtschaftlich einzusetzen und auszugründen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben aktuell drei große Herausforderungen: erstens die Modernisierung der Wirtschaft gerade unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und der Wettbewerbsfähigkeit, zweitens die Digitalisierung von Gesellschaft und Verwaltung und drittens den Klimawandel und die damit verbundenen Folgen. Wir werden dafür gute Ideen benötigen. Damit solche Ideen aufkommen, braucht es die passenden Rahmenbedingungen bei uns im Land. Diese Rahmenbedingungen sind in Baden-Württemberg bisher sehr gut. Unsere Hochschullandschaft ist vielfältig und dezentral. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Das Land Baden-Württemberg ist die drittinnovativste Region auf der ganzen Welt – das Land der Erfinderinnen und Erfinder, das Land der Gründerinnen und Gründer. Wir müssen unsere Gründungskultur dennoch weiter pflegen und fördern. Eine offene Fehlerkultur ist ebenso entscheidend, damit ein gescheitertes Start-up nicht zum Zukunftsrisiko für den eigenen Berufs- und Karriereweg wird. Scheitern darf kein Makel sein. (Nese Erikli) Das Land trägt dazu seinen Teil bei, fördert den Mut der Studierenden und Forschenden von Beginn an, unterstützt und begleitet sie auf ihrem Gründungsweg von der Ideenfindung bis hin zur Wachstumsphase. Denn der Support im richtigen Moment kann sowohl bei der Gründungsentscheidung als auch beim Erfolg des Start-ups das Zünglein an der Waage oder auch der Gamechanger sein. Dafür haben das Wirtschafts- und das Wissenschaftsministerium bereits zahlreiche erfolgreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Schon heute gibt es ein breites Spektrum an Beratungs- und Unterstützungsprogrammen. Das Land unterstützt z. B. mit dem Förderprogramm „Junge Innovatoren“ gründungsbezogene Aktivitäten an den Hochschulen mit bis zu 20 000 € pro Hochschule. Auch zu nennen ist unser Förderprogramm „Start-up BW Pre-Seed“, von dem bereits heute zahlreiche Start-ups profitieren, so auch das Konstanzer Start-up Organifarms, von dem ich eingangs sprach. Die landeseigenen Programme sind dabei weit über die Grenzen Baden-Württembergs in der gesamten Republik bekannt. Unsere Programme sind so beliebt, dass sie sogar immer mehr Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Bundesländern anziehen, wie es bei dem Wettbewerb „Start-up BW ASAP“ der Fall ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Entwurf für die nächste Landeshochschulgesetzesnovelle liegt vor. Diese Novelle reagiert auf die Notwendigkeit, die Start-up-Szenen an den Hochschulen in unserem Land weiter zu stärken. Wir arbeiten daran, weiterhin Spitzenreiter zu sein. Lehrende sollen künftig zur Unterstützung von Ausgründungen Freisemester nehmen können. Das ist ein weiterer Beitrag zur Stärkung der Start-up- und Spin-off-Szene an den Hochschulen. Ich spreche oft mit Beteiligten von Ausgründungen und Startups. In diesen Gesprächen wird stets betont, wie wichtig der Austausch zwischen den Ausgründungen, den Hochschulen und der Wirtschaft ist. Daher haben wir mit unseren Innovationscampusmodellen Plattformen für die Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft geschaffen. Unter Tagesordnungspunkt 2 der heutigen Plenarsitzung wurde der Regierungsentwurf zum Doppelhaushalt 2025/2026 von Finanzminister Danyal Bayaz eingebracht. Trotz der haushalterisch herausfordernden Zeiten wurde heute Morgen klar: Wir setzen einen Schwerpunkt auf Innovation. Neben starken Hochschulen und exzellenter Forschung investieren wir in den Gründungsbereich. Wir stocken die Förderung der Gründungs-Hubs um 1,7 Millionen € auf künftig insgesamt 3,5 Millionen € jährlich auf, und wir setzen die Förderung der Initiative „Gründermotor“ fort, die wir auf Landesebene etabliert haben. „Gründermotor“ vernetzt und ermöglicht einen wirkungsvollen Transfer aus der Wissenschaft. Dank unserer dezentralen Hochschullandschaft haben wir viele kleine Gründungshotspots – von Stuttgart über Ulm bis nach Heidelberg und Karlsruhe. Wir wollen Baden-Württemberg zum Gründerland machen. Die Dezentralität und die Vielfalt machen Kooperationen zwischen den Hochschulen notwendig. Der Vorstoß des Bundeswirtschaftsministeriums mit dem Programm „Startup Factoode – 106. Sitzung – Mittwoch, 23. Oktober 2024 ries“, bei dem einzelne Verbünde als Gründungsleuchttürme massiv gefördert werden, ist genau das, was wir gerade brauchen. Umso erfreulicher ist, dass sich die gründungsstärksten Hochschulen im Land zusammengeschlossen haben, um sich um eine Förderung zum Gründungsleuchtturm zu bewerben – und das unter der Führung von „Gründermotor“ und gemeinsam mit privatwirtschaftlichen Investoren. (Beifall bei den Grünen) Wenn wir auch in Zukunft eine der innovativsten Regionen der Welt sein wollen, dann müssen mittelständische Unternehmen in kleineren Start-up-Hotspots wie Konstanz mutig sein und in die vielversprechenden Gründungsideen investieren. Um dem Innovationsdruck standzuhalten, sind wir auf den Forschungstransfer und vor allem auch auf die Ausgründungen angewiesen. Hier bei uns im Land haben wir die Hochschulen, die schlauen Köpfe, eine starke Wirtschaft und vor allem ein breites Unterstützungsangebot. An vielen Hochschulen wird schon heute erfolgreich Gründungskultur gelebt. Dem Gründungsradar zufolge sind zwei der großen Hochschulen Baden-Württembergs unter den Top Ten und fünf der mittleren Hochschulen unter den Top 15 aller teilnehmenden deutschen Hochschulen. Das Wissenschaftsministerium im Land zeigt mit der Landeshochschulgesetzesnovelle auch: Je mehr Studierende über das Ausgründen wissen, je besser sie für diesen Schritt sensibilisiert sind, wenn sie von Lehrenden unterstützt werden, die sich dieser Aufgabe in Freisemestern widmen können, und je weniger Hürden es gibt, desto erfolgreicher können die Ausgründungen am Ende werden. Das neue Landeshochschulgesetz will Studierende und Forschende dazu ermutigen, und es macht klar: Ausgründen soll auch Spaß machen und einen mutigen Schritt in die Zukunft bedeuten. Ausgründen lohnt sich! (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir konkurrieren nicht mit Sachsen, Hessen, Westfalen, nicht einmal mit Frankreich oder der Schweiz, sondern mit den USA und China. In diesem Wettbewerb können wir nur bestehen, wenn wir Start-ups ernst nehmen, wenn wir Gründungen fördern und wenn die Unternehmen in unserem Land die besten Rahmenbedingungen erhalten. Innovationen made in „THE LÄND“ – darauf kommt es an. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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