Katrin Steinhülb-Joos
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! In ihrem Antrag zeigt die AfD einmal mehr: Sie lebt im Gestern und nicht im Heute. Sie hat nicht verstanden, dass sich die Welt und die an uns gestellten Anforderungen verändern. (Zuruf des Abg. Dr. Rainer Balzer AfD) Erst recht hat sie nicht verstanden, was es heißt, gute und faire Bildungspolitik, und zwar für alle Kinder und Jugendlichen, zu gestalten. Denn gerade die Kinder und Jugendlichen stehen bei Ihnen nie im Mittelpunkt – doch genau dort gehören sie hin. (Beifall bei der SPD) Mit Ihrem Antrag stellen Sie die Kompetenzorientierung in den Bildungsplänen infrage. Damit begeben Sie sich auf einen komplett falschen Weg. Warum ist die Kompetenzorientierung so wichtig und richtig? Es geht nicht nur darum, am Ende des Tages das Wissen herunterzurasseln, sondern es geht darum, zu wissen, warum etwas so ist, wie es ist. Es geht darum, das Wissen auf andere Situationen und Sachverhalte übertragen zu können, sodass man sich mit entsprechend angepassten Bildungsangeboten verbessern kann und individuell weiß, wie man im Lernprozess steht, um dann ein anderes Level erreichen zu können. (Abg. Daniel Lindenschmid AfD: Glauben Sie das wirklich? – Gegenrufe von der AfD, u. a.: Ja, das glaubt sie!) Die fachlichen Kompetenzen sind nach wie vor vorhanden und werden geprüft. Neben dem Basiswissen sind natürlich übergeordnete Kompetenzen im Fach Mathematik vorhanden und notwendig. Dazu gehören – es wurde teilweise schon aufgezählt – das Argumentieren und Beweisen genauso wie das Erkennen und Erläutern mathematischer Zusammenhänge, das Lösen von Problemen, das Modellieren, der Umgang mit symbolischen, formalen und technischen Elementen der Mathematik und natürlich auch heuristische Betrachtungen. Die Kompetenzorientierung ist zweifelsohne wichtig, weil wir heute mehr denn je Problemlösungskompetenz benötigen und weil kein Fach losgelöst vom Rest der Welt betrachtet werden kann. Die Schülerinnen und Schüler in unserem Land müssen in die Lage versetzt werden, selbstverantwortlich und mündig zu handeln, Sachverhalte zu durchdringen, zu hinterfragen, zu überprüfen und zu bewerten, gerade auch, um solche reißerischen Aussagen und Videos wie von Ihnen differenziert betrachten zu können. (Beifall bei der SPD – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Sie führen in der Begründung Ihres Antrags die mathematischen und naturwissenschaftlichen Studiengänge an. Fragen Sie doch einmal vor Ort nach, wie bedeutsam die Problemlösungskompetenz in jedem naturwissenschaftlichen Studiengang ist. Die Antwort, die Sie erhalten werden, wird nicht in Ihr veraltetes Konzept passen. Nicht nur an den Universitäten könnte man nachfragen, sondern auch in den Schulen. Ich habe das in der Vorbereitung dieser Debatte getan. Sie auch? (Zurufe von der AfD: Ja! – Gegenruf: Sehr unglaub- würdig, was Sie da sagen!) (Katrin Steinhülb-Joos) Von den Schulen erhalte ich die Rückmeldung, dass die Anforderungen im Fach Mathematik im Vergleich zu früher gestiegen sind. (Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Natürlich muss man im Blick haben, dass das Pensum in Mathe bewältigbar ist und Mathe in der Oberstufe als Basisfach, Leistungsfach oder Vertiefungsfach gern gewählt und besucht wird. Die Fragen, denen wir uns hier jedoch stellen müssen – das ist hier heute auch schon mehrfach angeklungen –, sind: Was machen wir mit unseren MINT-Fächern? Wie können wir unsere MINT-Fächer für die Jugendlichen in unserem Land stärken und insbesondere für die Schülerinnen attraktiv machen? Das G 9 bietet hier für das Gymnasium eine ganz große Chance. Ich hoffe, dass uns die Landesregierung im Laufe der Debatte zur Schulgesetzänderung Antworten darauf geben kann, wie die MINT-Fächer in Zukunft gestärkt werden, und vor allem, wie wir wieder mehr Lehramtsstudierende für diese Fächer – und zwar für alle Schularten – gewinnen können. (Abg. Anton Baron AfD: Studenten!) Ein ganz entscheidender Punkt ergibt sich für mich noch aus der Stellungnahme zum Antrag auf Seite 7. Ich zitiere: Die Prüfungsaufgaben in den schriftlichen Abiturfächern in Baden-Württemberg werden von hoch qualifizierten Lehrkräften erstellt, die über eine langjährige Unterrichtserfahrung in der Kursstufe verfügen und eine hohe fachliche Expertise bei der Erstellung von Prüfungsaufgaben besitzen. Wir glauben an die Expertise der Lehrkräfte. Wir glauben auch an die Expertise der Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler. Wir glauben, dass es richtig ist, gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz einen bundesweiten Aufgabenpool bereitzustellen.
