Sarah Schweizer
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute beraten wir Gesetzesänderungen, die unsere wichtigsten Lebensgrundlagen betreffen: unseren Wald und die Wildtiere zu Land und zu Wasser. Ob Schwarzwald, Schwäbischer Wald oder Odenwald, fast 40 % der Fläche Baden-Württembergs sind bewaldet. Aber nur ein gesunder Wald produziert Sauerstoff, schützt unsere Böden vor Austrocknung und Erosion, ermöglicht nachhaltiges Bauen mit Holz und vieles mehr. Deshalb ist es geradezu lebensnotwendig, dass wir unsere Wälder fit für die Zukunft machen. Die gestern veröffentlichte Bundeswaldinventur zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. In Baden-Württemberg werden nachhaltig Fichtenwälder zu klimastabilen Mischwäldern umgebaut. Jedes Jahr wird dabei eine Fläche von rund 6 000 Fußballfeldern umgebaut. Dass das so gut klappt, verdanken wir vor allem den Waldarbeitern, den Försterinnen und Förstern in der Fläche hier im Land. Gut ausgebildet, hoch motiviert und bienenfleißig kümmern sie sich mit viel Leidenschaft um unseren Wald. Dabei müssen wir sie bestmöglich unterstützen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der Grünen) Wir, die CDU-Landtagsfraktion, stehen deshalb an der Seite der 260 000 Waldbesitzer in unserem Land, und wir treiben mit dem vorliegenden Gesetzentwurf nun die Digitalisierung im Forst insgesamt weiter voran. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum Bürokratieabbau. Lassen Sie mich an dieser Stelle eines klarstellen: Waldpolitik ist zuallererst Ländersache und muss dies auch in Zukunft bleiben. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) riode – 104. Sitzung – Mittwoch, 9. Oktober 2024 Unser Wald in Baden-Württemberg mit einem großen Anteil an Mischwald ist ein völlig anderer Wald als in Brandenburg, wo der Kiefernwald fast 70 % ausmacht. Man kann nicht mit einer Schablone über das Land gehen und von oben vorschreiben, wie der Wald zu bewirtschaften ist, sondern muss schauen, welche Maßnahmen vor Ort am besten passen. Eine Novelle des Bundeswaldgesetzes mit einem Mikromanagement bei der Auswahl von Baumarten lehnen wir deshalb ab. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Zum Wald gehört untrennbar unser heimisches Wild. In unserem dicht besiedelten Land finden Wildtiere im Wald oft ihren einzigen Rückzugsort. Wald und Wild – ich denke, das ist klar – gehören zusammen. Dass dies funktioniert, zeigen die Jägerinnen und Jäger jeden Tag hier im Land vor Ort. Deshalb ist es richtig, dass auch das Ziel klimastabiler Wälder in den Gesetzentwurf aufgenommen wird und im Jagd- und Wildtiermanagement eine wichtige Rolle spielen wird. Bei der Liste der bejagbaren Arten tut sich einiges. Wir haben es schon gehört: Es gibt Änderungen bei der Graugans und beim Wildkaninchen. Den nächsten entscheidenden Schritt, Herr Kollege Pix, erwarte ich mir mit der Veröffentlichung des nächsten Wildtierberichts. Der Wildtierbericht ist dann die Basis für die weiteren Maßnahmen im Land. Gerade beim Wolf, bei der Saatkrähe, beim Goldschakal, beim Biber und beim Kormoran müssen wir einen entscheidenden Schritt vorankommen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Bei dem vorliegenden Gesetzentwurf geht es aber nicht nur um die Lebewesen zu Lande, es geht auch um die Tierwelt unter der Wasseroberfläche. Die aus meiner Sicht bedeutendste und zugleich am weitesten reichende Änderung, über die wir heute beraten, kommt ganz unscheinbar daher. Es ist Artikel 1, die Änderung des Fischereigesetzes, und diese umfasst nur ein einziges neues Wort. Denn während bisher die Altersgrenze für den Jugendfischereischein bei zehn Jahren lag, wollen wir ermöglichen, dass künftig schon Siebenjährige die faszinierende Welt unter Wasser richtig erleben und mit allen Sinnen begreifen können. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, die Absenkung des Alters für den Jugendfischereischein ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Ich bin unserem Minister Peter Hauk und unserem Partner von den Grünen unheimlich dankbar, dass wir das heute hier gemeinsam umsetzen können. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Denn nur wer von klein auf einen Bezug zur Natur aufbaut, wer die Tiere bei uns zu Lande, zu Wasser und in der Luft überhaupt kennt, wird die Natur später auch schützen und wird sich für deren Schutz und Erhaltung engagieren. Deshalb ist heute vor allem auch ein sehr guter Tag für den Arten- und den Naturschutz hier bei uns im Land. Ich danke Ihnen. (Beifall bei der CDU)
