Dr. Marilena Geugjes
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! Das neue Schuljahr hat vor Kurzem begonnen, und wir freuen uns über 15 000 neue Schülerinnen und Schüler an den Schulen in unserem Land. Neue Schülerinnen und Schüler benötigen Lehrkräfte. Wir sind dank der konstant hohen Zahl an Einstellungen von Lehrkräften in der guten Position, die Lehrkräfteversorgung in Baden-Württemberg zu sichern. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Um dies zahlentechnisch einmal einzuordnen: Zum Stichtag 27. August konnten wir für das Schuljahr 2024/2025 4 405 von 4 655 offenen Stellen besetzen. Somit erreichen wir in fast allen Bereichen einen guten Versorgungsgrad. Dieser Erfolg basiert auf der wichtigen bildungspolitischen Arbeit dieser Koalition. Der starke Ausbau von Lehramtsstudienplätzen, der Direkteinstieg aus der Wirtschaft in die beruflichen Schulen und das gesamte Maßnahmenpaket gegen den Lehrermangel sind Beispiele für wirkmächtige bildungspolitische Maßnahmen. Dessen ungeachtet gibt es einen Bereich, der tendenziell angespannter ist, und das ist der MINT-Bereich. Diese Herausforderung erkennen wir selbstverständlich an, und wir stellen uns ihr. Ganz konkret bemühen wir uns hier umso mehr um den Direkteinstieg von Lehrkräften. Dieser Direkteinstieg ist ein kontinuierlicher Erfolg, wodurch auch in diesem Jahr noch einmal ein Plus von 33 % verzeichnet werden konnte – die Zahl der Lehrkräfte stieg von 300 auf 400. Diesen Direkteinstieg haben wir sukzessive für alle Schularten geöffnet, und wir nutzen die Möglichkeit hier explizit auch für den MINT-Bereich. Jetzt fordert die AfD einen Strauß von nicht sonderlich hilfreichen Maßnahmen und vergisst dabei, über ein ganz zentrales Thema im MINT-Bereich zu sprechen. Lassen Sie uns über Gleichstellung sprechen. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Jonas Weber SPD) Frauen sind im MINT-Bereich stark unterrepräsentiert. Deshalb setzen wir uns bereits seit 2010 auf Landesebene mit „Frauen in MINT-Berufen“ für mehr Frauen im MINT-Bereich ein. Und die Zahl der erwerbstätigen Frauen in MINT-Berufen ist im Zeitraum von 2012 bis 2022 um knapp 50 % gestiegen. Wenn wir nämlich über den Tellerrand hinausschauen, stellen wir fest, dass diese Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Berufen gar nicht sein müsste. Außerhalb von Deutschland ist das Bild nämlich sehr viel diverser, und Frauen sind dort wesentlich stärker vertreten. Wenn wir dies erreichen wollen, ist das patriarchale Frauenbild der AfD selbstverständlich Gift. Wer weiter „Frauen an den Herd“ fordert, wird die Herausforderungen unserer Zeit nie lösen können. Und wer Frauen hinter dem Herd versteckt, de – 103. Sitzung – Mittwoch, 25. September 2024 kann auch ihr Arbeitnehmerinnenpotenzial nicht heben, auch nicht im MINT-Bereich. (Beifall bei den Grünen) Aber lassen Sie mich gern zurück zur Sache kommen. Wir arbeiten daran – auch mit innovativen Ansätzen –, neue Zielgruppen für das Lehramt zu erschließen. Ein Beispiel dafür ist der Modellversuch des dualen Lehramtsstudiums, den wir gerade an drei Standorten mit 60 Studienplätzen in lehramtsbezogenen Masterstudiengängen starten. Mit diesem Versuch wollen wir Theorie und Praxis besser verzahnen, indem wir den Masterstudiengang mit dem Referendariat verschränken. Dadurch wird die Ausbildungszeit verkürzt, und vor allem schaffen wir eine finanzielle Vergütung bereits während des Studiums. Diese Verschränkung ermöglicht die Bezahlung und wird die Option für viele Studierende sicherlich noch attraktiver machen. Außerdem legen wir auch mit diesem Modellversuch einen expliziten Fokus auf den MINT-Bereich. Denn diese Studiengänge richten sich an die Fächer Informatik, Physik, Mathematik und Elektrotechnik. Zielgruppe sind Studierende mit einem Bachelorabschluss im MINT-Bereich. Lassen Sie mich zusammenfassen: Die Unterrichtsversorgung in Baden-Württemberg ist gut, wir arbeiten mit innovativen Ansätzen daran, die Lücke im MINT-Bereich zu schließen. Und diese Investition in den Bildungsbereich wird den Lehrkräften von heute und morgen gerecht, sichert damit die Bildung der Kinder in unserem Land und unsere Zukunft. Den AfD-Antrag lehnen wir ab. Danke schön. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
