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Dr. Albrecht Schütte

CDU 10.07.2024 Sitzungen 17/100

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es macht den Menschen aus, dass er versucht, die Dinge um sich herum zu verstehen, dass er fragt, was die Welt im Innersten zusammenhält, und dass er sich überlegt, was diese leuchtenden Punkte nachts am Himmel wohl sind. Es macht ihn aus, dass er diese Dinge für sich nutzt und damit sein Leben verbessert. So haben unsere Vorfahren lange, bevor sie verstanden haben, was Feuer genau ist, es genutzt, um wilde Tiere zu vertreiben, mehr Wärme zu haben und die Verdauung zu erleichtern. Mit dieser Neugierde, mit diesem Willen zu Innovation und der Bereitschaft, ein Risiko einzugehen, sind wir dahin gekommen, wo wir heute sind. Wir können sehr viele Menschen ernähren. Wir haben Geißeln der Menschheit, schwierigste Krankheiten, schlimmste Seuchen bekämpfen können. Nur deshalb, nur weil wir als Menschen so sind, können wir heute überhaupt eine Debatte führen. Das gilt ganz besonders für unser Bundesland. Wir haben in der Relation noch weniger Rohstoffe als das rohstoffarme Deutschland insgesamt und sind trotzdem vorn dabei. Wir haben die höchste Dichte an Universitäten, wir haben viel Grundlagenforschung, und wir haben Menschen, die hier vielleicht noch mehr als anderswo getüftelt haben, die Probleme wie das des fehlenden Hafers für Pferde mit dem Fahrrad oder das der fehlenden Kraft für den Transport mit dem Auto gelöst haben. Entsprechendes gilt übrigens auch für unsere Flüsse. Dass sie keine Farben mehr haben, sondern höchstens noch Sedimente mit sich führen, wurde nicht durch Verzicht erreicht, sondern durch Innovation, Forschung und Entwicklung. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Wie selbstverständlich laufen bei den allermeisten Sachen auch Rechner mit. Ob wir über Satellit mit Amerika telefonieren, gerade eine Gentherapie entwickeln oder an dem Höchstleistungsrechner in Stuttgart während meiner Rede schier unvorstellbare ca. 1021 Operationen laufen, immer ist Rechnen dabei – für unseren Wohlstand, für unsere Entwicklung. Mit diesem Rechner in Stuttgart lösen wir Probleme, die man sonst nicht lösen könnte: weniger Turbulenzen an Flugzeugtragflächen – was sehr viel CO spart –, die Verteilung der Betten während Corona oder die Regionalisierung der Auswirkungen des Klimaeffekts. Davon profitieren wir in Baden-Württemberg ganz erheblich. Vier von fünf Firmen, die diesen Rechner mitnutzen, kommen aus unserem Land. Allein die Universität Stuttgart nutzt 29 % der Rechenkapazität. Wir lösen Probleme, wir arbeiten an Dingen, was andere Standorte so nicht tun. Es kommen Forscherinnen und Forscher zu uns, die sonst an keinen anderen Ort gehen würden. riode – 100. Sitzung – Mittwoch, 10. Juli 2024 (Beifall bei der CDU und den Grünen sowie Abge- ordneten der FDP/DVP) Gestern Abend habe ich einen ehemaligen Kollegen getroffen, der mir erzählt hat, wie das abgegangen ist. Lothar Späth war in Nordamerika, hat das Ding gesehen, hat mal einen Vertrag unterschrieben, ist zurückgekommen und hat seiner Fraktion und dem Landtag erklärt, dass sie den nun auch unterschreiben, genehmigen müssen. Deshalb kam der erste Höchstleistungsrechner außerhalb von Nordamerika nach Baden-Württemberg, und deshalb haben wir heute einen der drei Standorte in Deutschland und profitieren. Das ist Innovation in Baden-Württemberg. Das wollen wir seitens der CDU: ein Risiko eingehen, etwas Cooles kaufen und dann in Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft langfristig davon profitieren. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Jetzt kommen wir zu neuen Arten des Computings. Da gibt es Quantencomputer, die einfach anders rechnen. Auch der Höchstleistungsrechner hat einen Speicher, viele, viele Sachen. Das wird in den Prozessorkern, Rechenkern transportiert, dort gerechnet und das Ergebnis zurücktransportiert. Der Quantencomputer überlagert quantenmechanische Zustände. Aber zehn Minuten sind zu wenig, um es hier zu erklären. Ich habe dafür drei Semester gebraucht. (Heiterkeit des Abg. Michael Joukov GRÜNE) Jedenfalls können wir damit Dinge lösen, die wir sonst nicht lösen könnten. Heute können wir Molekülstrukturen simulieren und damit in der Arzneimittelforschung Dinge klären, die wir sonst gar nicht klären könnten. Das heißt, wir können Dinge entwickeln, wir können Krankheiten besiegen, weil wir zunächst einmal diese Technologie haben. Jetzt kommt es darauf an, dass wir in Baden-Württemberg auch den nächsten Sprung nutzen, dass wir dabei sind, wenn uns Quantencomputing zusammen mit anderen Rechnern in einem Hybridmodell noch weiter voranbringt. Das haben wir getan, indem wir nicht nur die vielen Zentren wie Stuttgart in den Blick nehmen, sondern gerade in Ehningen mit den nächsten 20 Millionen € dafür gesorgt haben, dass dort auch weiterhin der leistungsfähigste Quantencomputer überhaupt außerhalb von Nordamerika steht. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Für diese Arbeit danke ich natürlich dem Wirtschaftsministerium mit Ministerin Hoffmeister-Kraut und Staatssekretär Rapp, dem MWK, dem Finanzministerium auf Arbeitsebene, und ich danke besonders auch dem Kollegen Peter Seimer von der Fraktion GRÜNE. Es war ein harter Kampf, dafür zu sorgen, dass wir hier in die Zukunft investieren und 20 Millionen € zur Verfügung stellen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Dann gibt es die Frage, wie der Quantencomputer aussieht: Das kann eine Ionenfalle sein, das können Rydberg-Atome sein. Wir wissen es nicht, aber wir wissen eines: dass es sehr kalt sein wird, minus 273,15 Grad Celsius. Das heißt, all die (Dr. Albrecht Schütte) Firmen, die Technologien herstellen, damit ich Quantensensorik bei dieser Temperatur machen kann, werden zukünftig davon profitieren. Deshalb ist Ehningen so wichtig, ist unsere Forschungsanstrengung so wichtig. Unser Mittelstand kann Quantencomputer schon einmal ausprobieren, und in den Forschungseinrichtungen entwickeln wir Dinge, die wir zukünftig weltweit verkaufen und vermarkten können. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Dann gehe ich noch kurz auf etwas anderes ein. Es gibt Neuromorphic Computing: Man versucht, etwas wie das menschliche Hirn zu machen. Wäre ich ein Computer, könnte ich hier die Entwicklung der gesamten Menschheit locker vorspulen, allerdings würde mein Hirn verglühen. Deshalb macht der Mensch das anders, er vergisst auch mal etwas, aber er sorgt mit den Kohlenstoffen im Kopf dafür, dass er komplexe Sachzusammenhänge sehr schnell bearbeiten kann. (Zurufe von der CDU: Manche! – Heiterkeit) – Der Kollege sagt: „Manche“. Auch manche Computer gehen kaputt; lassen wir das mal. (Heiterkeit) Auch dort ist Baden-Württemberg mit dem Europäischen Institut für Neuromorphic Computing in Heidelberg europaweit führend. Das müssen wir bleiben. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Das gilt auch für die künstliche Intelligenz. Mit dem Cyber Valley in Tübingen der letzten Jahre und Jahrzehnte, dem Zentrum für Artificial Intelligence in Heilbronn verbinden wir die Forschung, verbinden wir die Firmen und sorgen wir dafür, dass Menschen auf der ganzen Welt wissen: Wenn ich etwas zu KI machen will, dann komme ich nach Baden-Württemberg. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP – Zuruf von der CDU: Bravo!) Da danke ich natürlich neben der Landesregierung, neben der EU und Deutschland, die viel dafür zahlen, den Stiftungen wie der Hector Stiftung oder der Schwarz Stiftung. Diejenigen, die die Stiftungen gegründet haben, haben hart dafür gearbeitet, dass es Wohlstand in unserem Land gibt. Das war keine Viertagewoche, die die Gründer von SAP oder Herr Schwarz gearbeitet haben. (Beifall bei der CDU und des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP – Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Mit den Mitteln, die für sie persönlich dabei entstanden sind, helfen sie uns, dass wir auch zukünftig eine positive Entwicklung haben. Deshalb können wir sehr stolz darauf sein, und deshalb müssen wir diese Menschen fördern, mit ihnen zusammenarbeiten und dafür sorgen, dass wir auch zukünftig deutschland- und europaweit vorn sind. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) periode – 100. Sitzung – Mittwoch, 10. Juli 2024 Hierzu noch eine Bemerkung. Wir haben oft die Diskussion: Das Zentrum in Heilbronn nutzt in der Gesundheitswirtschaft auch die Rhein-Neckar-Region usw. – Als ob das zwei weit entfernte Orte wären! Wir haben die Diskussion, als wäre es von Stuttgart nach Heilbronn eine Weltreise oder von Heidelberg nach Heilbronn mindestens so weit wie in fünf entfernte Länder. Fahren Sie mal in München von Neuperlach nach Unterföhring, und schauen Sie, wie lange Sie brauchen. Da brauchen Sie genauso lange – das ist sehr zufällig e i n e Stadt. Fahren Sie mal in Berlin von der einen auf die andere Seite, oder versuchen Sie einmal, im Stau von Los Angeles von einem zum anderen Punkt zu kommen. Wir müssen endlich unser ganzes Land betrachten als das, was es ist: ein Zentrum in diesen Dingen, ein Cluster. Wir können weltweit stolz sein. Kommen Sie nach Baden-Württemberg! Man kann sagen: Come to Baden-Württemberg! Es spielt hinterher keine Rolle, wie der Oberbürgermeister heißt und wo da genau die Grenze ist. Die Forschung ist überall bei uns super. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Weil das so ist und weil wir mit Forschung und mit Innovation die Grundlage für unser Land legen, werden wir von der CDU-Fraktion in Zeiten schwieriger Kassenlage nicht als Erstes die Zukunft vom Plan streichen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Es kann nicht sein, dass wir zunächst mal bei unseren Hochschulen kürzen, Forschungseinrichtungen schließen, Forschungszuschüsse reduzieren wollen, nur deshalb, weil es in der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen wird oder weil es erst wirkt, wenn wir hier nicht mehr im Parlament sind. Manchmal habe ich das Gefühl: Wir sind wie eine Aktiengesellschaft, schauen auf das nächste Quartal, auf die nächste Instagram-Schlagzeile und vergessen darüber, dass wir die Grundlagen legen für die Menschen, die in zehn Jahren hier sind. (Beifall bei der CDU, Abgeordneten der Grünen und der SPD sowie des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Deshalb danke ich der CDU-Fraktion und ihrem Fraktionsvorsitzenden Manuel Hagel, dass wir heute diese Debatte als klares Bekenntnis führen. Wir haben den Mut, die Zukunft zu gestalten, und wir, die CDU, werden weiterhin für Innovation eintreten. (Beifall bei der CDU und des Abg. Andreas Schwarz GRÜNE – Abg. Manuel Hagel CDU: Da könnte man noch ewig zuhören!)

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