Nadyne Saint-Cast
Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Damen und Herren auf der Tribüne, liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Ziel ist, allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft gute Bildungschancen zu eröffnen. Das ist, wie Sie das zu Recht beschrieben haben, für die Kinder, für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und vor allem für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes wichtig. Hier spielt natürlich eine ganztägige Bildung und Betreuung eine ganz zentrale Rolle. – Liebe Kollegin Steinhülb-Joos, da sind wir uns absolut einig; denn wir wissen aus Ländern und Regionen, in denen ganztägige Bildung flächendeckend angeboten wird, dass dort Kinder unabhängig von ihrer Herkunft einfach deutlich besser gefördert werden können. (Beifall bei den Grünen) Das ist auch absolut klar; denn wenn die Kids mit professioneller Hilfe Hausaufgaben in der Schule machen können, wenn sie ein gemeinsames, gesundes Mittagessen bekommen, (Nadyne Saint-Cast) wenn Sport, aber auch musische Angebote sinnvoll über den Tag verteilt werden können, dann können einfach alle Kinder deutlich besser gefördert werden. Die ganztägige Bildung und Betreuung – Sie haben es zu Recht gesagt – spielt natürlich auch für die Eltern eine zentrale Rolle, um Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können. Viele Eltern wollen das, und – ja, so ehrlich müssen wir sein – viele Familien sind auch darauf angewiesen, dass beide Eltern arbeiten. Aber auch insbesondere die Mütter wünschen sich, früher und mehr erwerbstätig sein zu können, und wenn wir auf die Bildungsabschlüsse der Frauen schauen, ist das absolut nachvollziehbar. Und nicht zuletzt ist die Wirtschaft in unserem Land dringend auf die Fachkräfteressource der Mütter angewiesen. Deswegen ist für uns Grüne ganz klar: Wir wollen und werden die frühkindliche Bildung und die ganztägige Bildung in den Grundschulen weiter ausbauen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Frau Steinhülb-Joos, ich habe mich schon ein bisschen gewundert und mich gefragt, ob Sie die Stellungnahme zu Ihrem Antrag überhaupt gelesen haben; denn dort ist ganz klar aufgeführt: Wir haben erstens die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren von 24 % im Jahr 2015 auf heute über 31 % erhöht. (Abg. Katrin Steinhülb-Joos SPD: Was hat das mit dem Ganztag zu tun?) – Dazu komme ich noch. – Wir haben zweitens die Betreuung von Kindern über drei Jahren auf über 90 % landesweit ausgebaut. Ein besonderer Erfolg ist, dass wir nicht nur den Ausbau, sondern vor allem auch die Qualität, vor allem den Fachkräfte-Kind-Schlüssel, in den Kitas verbessern konnten. Baden-Württemberg spielt dort auch bundesweit in der Spitzengruppe mit. Gerade wenn wir über Bildungsgerechtigkeit sprechen, kommt es auf den Anfang und auf eine gute Arbeit in unseren Kitas an, und deswegen ist das absolut ein Schritt in die richtige Richtung. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Dr. Alexander Becker CDU – Zuruf der Abg. Katrin Steinhülb-Joos SPD) Aber auch bei den Grundschulen kommen wir beim Ganztag voran. 2014 haben wir die Ganztagsgrundschulen im Schulgesetz verankert. Mit dem Qualitätsrahmen Ganztag haben wir konkretisiert, wie wir uns guten rhythmisierten Ganztag vorstellen. Damit haben wir den Grundschulen im Land die Möglichkeit gegeben, Unterricht, Hausaufgabenzeit, aber auch Sport und Musik sinnvoll über den Tag zu verteilen und zu verschränken. Somit werden unsere Grundschulen als Lernund Lebensort gestärkt, wo sich alle Kinder sozusagen optimal entfalten können. Wir kommen voran. Wie Sie da von einem Rückschritt sprechen können, ist wirklich interessant. (Zuruf der Abg. Katrin Steinhülb-Joos SPD) riode – 98. Sitzung – Mittwoch, 19. Juni 2024 Denn heute sind ein Drittel der Grundschulen in Baden-Württemberg – das sehen Sie in der Stellungnahme zu Ihrem Antrag – Ganztagsgrundschulen nach Schulgesetz. Die Hälfte der Grundschulkinder werden heute im Nachmittag betreut, und die Anzahl der Grundschullehrkräfte, die im Ganztag arbeiten, haben wir in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Das ist wirklich ein Erfolg. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Deshalb sind die Städte und Gemeinden auch so begeistert!) – Ja, wir unterstützen Kommunen als wichtige Bildungspartner bei ihren Aufgaben: Für die kommunale Nachmittagsbetreuung haben wir die Mittel – das sehen Sie auch in der Stellungnahme – in den letzten zehn Jahren von 55 Millionen € auf 133 Millionen € erhöht. Das macht sich bemerkbar. Wir haben eine Dynamik in den Kommunen. Immer mehr Kommunen machen sich auf den Weg, ihre Grundschulen mit einer Nachmittagsbetreuung auszustatten, und auch immer mehr Grundschulen machen sich auf den Weg hin zu Ganztagsgrundschulen. Wenn wir von Bildungsgerechtigkeit sprechen, ist klar, dass unser großes Bildungspaket – „SprachFit“, sozialindexbasierte Ressourcensteuerung, multiprofessionelle Teams haben wir in den Grundschulen in dem Doppelhaushalt verankert – (Abg. Dr. Stefan Fulst-Blei SPD: Aber wie viel? Un- ter 1 % der Grundschulen!) absolut wichtige Bausteine hin zu Bildungsgerechtigkeit enthält. Dass wir da auf dem richtigen Weg sind, zeigt nicht zuletzt der Bundesbildungsbericht, der diese Woche in Berlin vorgestellt wurde, dass wir nämlich mit einer ...
