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Hans-Peter Hörner

AfD 19.06.2024 Sitzungen 17/98

Vielen Dank. – Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Diese Aktuelle Debatte, eingebracht von der CDU-Fraktion, bietet mal wieder Gelegenheit zum Selbstlob, zu positiver Darstellung und zur Ablenkung von wesentlichen Problemen – auch im Sportgeschehen – aufgrund selbst geschaffener gesellschaftlicher Probleme. Ja, es ist richtig: Der Sport verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, Menschen mit und ohne Behinderungen, Menschen mit verschiedenen sozialen sowie kulturellen Hintergründen. Er schafft Brücken zwischen den Generationen, vermittelt Werte wie Toleranz, Fairness, Solidarität, Teamgeist und dient darüber hinaus auch der Gesundheit. Wichtig: Er fördert auch den Leistungsgedanken und unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung – und das muss das Ziel bleiben. Platzierungen, der Umgang mit Sieg und Niederlage sind ein wesentlicher Teil dieser Persönlichkeitsentwicklungen. So kann es z. B. nicht sein, dass die Bundesjugendspiele allein eine Teilnahme als Ziel haben und die Leistung da wirklich immer mehr zurückgedrängt wird. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) riode – 98. Sitzung – Mittwoch, 19. Juni 2024 Die Sportorganisationen tragen in ihren Vereinen wesentlich zum Gemeinwohl bei. Sie sind Mittlerinnen einer großen Zahl von gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Prozessen. Mit – wie bereits festgestellt – über 4,1 Millionen Mitgliedern in den rund 11 300 Vereinen in Baden-Württemberg kommt die Bedeutung des Sports hier klar zum Ausdruck. Deswegen auch von unserer Fraktion allen Ehrenamtlern im Bereich des Sports Anerkennung, Dank und Wertschätzung. (Beifall bei der AfD) Mit dem Solidarpakt Sport IV, der hier bereits mehrfach genannt wurde, wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Förderung des Vereinssportstättenbaus gelegt. Dieser soll zu einer spürbaren Entlastung der Sportvereine führen. Hunderte von Lehrgängen, Seminaren für Übungsleiter und Vereinsführungskräfte sowie zahlreiche Maßnahmen im Bereich des Leistungssports können somit stattfinden. Aber hier ergibt sich eben auch die Krux: Die Vorschriften für den Sportstättenbau und -ausbau, die Preise für Material und Fachkräfte, die energetischen Vorschriften lassen auch bei einem hohen Anteil – es wurde genannt – von ehrenamtlichen Tätigkeiten eine Zielerreichung kaum noch zu. Das gilt nicht nur für den Sport. Die Gemeinden sind aufgrund ihrer Pflichtaufgaben in anderen Bereichen kaum noch in der Lage, hier finanzielle Grundlagen zu schaffen. Wenn dann im Solidarpakt Sport IV jährlich – jetzt kommt keine mittlere einstellige Zahl – der Betrag von 1,25 Millionen € für die Stärkung der Schwimmfähigkeit von Vorschulund Grundschulkindern in ganz Baden-Württemberg vorgesehen ist, dann ist das – das kosten heute zwei Einfamilienhäuser – nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Was hier für den Breiten- und Freizeitsport gilt, gilt auch für den Leistungssport. Ja, aus ihm gehen viele Vorbilder für Jugendliche und Botschafter für unsere Gemeinden und unser Land hervor. Der Solidarpakt Sport IV fördert den Leistungssport mit 20 Millionen €. Wenn man bedenkt, dass wir eine Bevölkerungsgröße von elf Millionen Einwohnern haben, und dieser dann einen Betrag von 20 Millionen € gegenüberstellen, dann fällt mir hier nur das berühmte Zitat ein: „Eine Kugel Eis pro Kopf, das ist zu wenig.“ Wenn wir den Spitzensport fördern wollen, dann müssen wir auch den Breitensport unterstützen. Kinder und Jugendliche brauchen Motivation, um Sport zu treiben. Aber leider haben Bewegung und sportliche Betätigung im Alltag vieler Kinder und Jugendlichen – nach oder wegen Corona – keinen großen Stellenwert mehr. Das ist keine Behauptung von uns, das wurde in einer aktuellen Studie der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig festgestellt. Demnach hat die Bewegungsarmut vor allem im frühkindlichen Bereich stark zugenommen. Damit Kinder für den Sport motiviert werden, brauchen sie Vorbilder, und zwar nicht nur Spitzensportler, sondern auch Menschen im familiären und sozialen Umfeld, vor Ort, die anspornen, aufmuntern und bestärken. Es braucht Angebote, die das Selbstbewusstsein der Kinder stärken – in der Familie, in der Schule, in den Sportvereinen; vor allem in den Familien und in den Vereinen. (Hans-Peter Hörner) Gerade aber in den Vereinen besteht immer öfter das grundlegende Problem, dass immer weniger Ehrenamtliche zur Verfügung stehen, um die anstehenden Aufgaben bei der Betreuung von Sportgruppen durch Übungsleiter, in der Organisation des Vereinswesens – wer Kassierer oder Schriftführer ist, weiß, wovon ich rede –, bei der Pflege von Sportstätten zu übernehmen. Ich erlaube mir hier, den Präsidenten des Landessportverbands Baden-Württemberg, Jürgen Scholz, zu zitieren, der in Bezug auf die explodierenden Energiekosten von einer „kalten Pandemie“ redet und fragt, ob wir uns – diese Feststellung ist eigentlich ungeheuerlich – den Sport überhaupt noch finanziell leisten können. Es geht ihm dabei nicht nur um Sportstätten, die im Eigentum der Vereine sind, sondern auch um die, die sich in kommunaler Hand befinden. Er sagte hier wörtlich: Deshalb ist es wichtig, im Schulterschluss mit den kommunalen Trägern, den Sportbünden, Fachverbänden und Vereinen eine Lösung zu finden, damit nicht am Ende die Kinder, die Jugendlichen, die jungen Erwachsenen oder die Senioren keinen Sport mehr treiben können, weil die Sporthalle geschlossen ist. Oder Schwimmen im ungeheizten Bad nur noch mit Neoprenanzug möglich ist. (Abg. Raimund Haser CDU: Na ja!) Wie gesagt, so wörtlich der Präsident des Landessportverbands Baden-Württemberg, Jürgen Scholz. – Aus welchen Gründen natürlich zahlreiche Sporthallen nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck, für die Schulen und die Bevölkerung zur Verfügung stehen, brauche ich hier nicht auszuführen. Lassen Sie mich noch einige Worte von Fritz Sörgel, dem Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, anführen. Er beschreibt, dass der Missbrauch von leistungsfördernden Substanzen – Dopingmitteln – längst nicht mehr nur ein Phänomen des Spitzensports ist. Der Breitensport ist in vielen Bereichen weggekommen von dem, was er einmal war: Sport im Sinne der Volksgesundheit! (Zuruf des Ministers Manfred Lucha – Gegenruf des Abg. Andreas Stoch SPD) Auch ein Sprecher des Fußballverbands äußert hierzu: Ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass es das bei uns nicht gibt. Medikamentenmissbrauch kommt in allen Teilen der Gesellschaft vor, auch im Sport. Eine andere Problematik – wir sehen es heute draußen – sind die Kosten, die verursacht werden. Ich erinnere an den Antrag Drucksache 17/5541, der auch die Kosten des Einsatzes zur Verhinderung von Gewalt im Sport im Jahr 2023 thematisiert. Ich habe vorhin die Zahl 1,25 Millionen € genannt; in der Stellungnahme zu diesem Antrag werden die Kosten zur Eindämmung von Gewalt im Sport allein für die Bereiche Fußball und Eishockey mit 12,5 Millionen € angegeben. Hierfür wurden 24 000 Einsatzkräfte in 170 000 Einsatzstunden eingesetzt. Daraus muss natürlich eine Lösung folgen. Um die gesundheitliche Wirkung des Breiten- und Freizeitsports zu erreichen, müssen weiterhin große Anstrengungen periode – 98. Sitzung – Mittwoch, 19. Juni 2024 – gerade nach der Coronakrise – unternommen werden. Wir alternativen Demokraten werden deshalb in den Haushaltsberatungen entsprechende Anträge einbringen. Nach den Beteuerungen, die wir heute von den anderen Fraktionen gehört haben, hoffen wir auf Zustimmung zu diesen Anträgen. – Die Hoffnung stirbt zuletzt. Beim Sport, vertreten durch Vereine, Verbände und ganz einfach Sporttreibende, werden wir Abgeordneten uns bei den nächsten Wahlen an unseren Taten und nicht an Worten messen lassen müssen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)

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