Sarah Hagmann
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bei dem Vorschlag der EU, über den wir hier heute sprechen, geht es um ein wichtiges Thema: bessere Bedingungen für Trainees, Praktikantinnen und Praktikanten im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses in der EU. Wer nach Ausbildung, Studium oder Promotion ein solches Praktikum, ein Traineeship, ein Volontariat macht, muss dieses unter fairen Bedingungen absolvieren können, und zwar unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) Der Vorschlag der EU-Kommission enthält zwei wichtige Aspekte. Erstens ist dafür zu sorgen, dass Praktika nicht der Verschleierung von regulären Jobs dienen, indem Praktikanten als günstige Arbeitskräfte genutzt werden. Dazu gehört, dass schon in der Stellenausschreibung Transparenz bezüglich der Lerninhalte, Lernziele und Bedingungen des Praktikums hergestellt wird. Zweitens geht es darum, dass es den Praktikantinnen und Praktikanten ermöglicht wird, gegen Missbrauch und schlechte Arbeitsbedingungen vorzugehen und ihre Rechte durchzusetzen. periode – 97. Sitzung – Mittwoch, 12. Juni 2024 In der EU machen jedes Jahr mehrere Millionen junge Menschen ein Praktikum. Hochwertige Praktika sind für sie eine wertvolle Gelegenheit, um Berufserfahrung zu sammeln, neue Kompetenzen zu erwerben und schließlich einen guten Arbeitsplatz zu finden. Arbeitgebern wiederum bieten sie die Möglichkeit, kluge Köpfe zu finden, auszubilden und dauerhaft einzustellen. Die Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Praktika sind anständige und klare Arbeitsbedingungen sowie angemessene Lerninhalte. Es ist deswegen gut, dass die EU hier tätig wird. (Beifall bei den Grünen) Denn – es ist mir sehr wichtig, dies zu betonen – es geht darüber hinaus um gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den Arbeitgebern. Ausbeutung schadet nicht nur den Praktikantinnen und Praktikanten, sondern auch den Arbeitgebern, die sich an faire Bedingungen halten. Das kann nicht in unserem Interesse sein. (Beifall bei den Grünen) Schließlich wird mit dieser Initiative auch die Arbeitsmobilität in der EU gestärkt. Immer mehr Menschen in der EU wollen ein Praktikum im EU-Ausland machen. Indem Mindeststandards für alle Mitgliedsstaaten geschaffen werden, wird sichergestellt, dass das gleiche Schutzniveau und Transparenz überall gelten. Das ist ein Beitrag zu einer fairen Arbeitskräftemobilität in der EU. Diese Mobilität öffnet nicht nur berufliche Türen, sondern stärkt den europäischen Arbeitsmarkt und lässt Europa zusammenwachsen. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Andreas Deuschle CDU) Für uns steht deswegen fest, dass viel gewonnen ist, wenn es europaweit einheitliche Kriterien für gute Praktika gibt. Da wir es hier mit einer Richtlinie zu tun haben, über die auch auf Bundesebene entschieden wird, gibt es hier für die Nationalstaaten noch Spielraum in der Umsetzung. Dieser Spielraum sollte selbstverständlich dafür genutzt werden, bei der Umsetzung darauf zu achten, dass nicht unnötig administrative, finanzielle oder rechtliche Auflagen für Arbeitgeber entstehen. Für den EU-Vorschlag wurde der bisherige Rahmen umfassend geprüft. Alle Interessenträger wurden einbezogen, mit dabei waren auch Vertreter und Vertreterinnen der Wirtschaft. Im weiteren Verfahren muss sichergestellt werden, dass alle Stimmen gehört werden. Mit einem konstruktiven Einbringen aller Seiten kann am Ende ein gutes Ergebnis für alle dabei herauskommen. Verlieren wir das Ziel nicht aus den Augen. Praktika sind der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und für beide Seiten ein Gewinn. Sie liefern jungen Menschen wertvolle Einblicke in die Praxis und sichern unserer Wirtschaft die so dringend benötigten gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD – Zuruf von den Grünen: Gute Rede!)
