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Manuel Hailfinger

CDU 16.05.2024 Sitzungen 17/96

Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, wir alle stehen gemeinsam hier gegen Einsamkeit in unserer Bevölkerung. Wir alle kämpfen dagegen. Dafür sage ich euch allen schon einmal herzlichen Dank. Es ist ein wichtiger Ansatzpunkt, dass wir hier als Parlament wirklich geschlossen stehen. Die Landesregierung unternimmt aus meiner Sicht in diesem Bereich aber auch schon relativ viel. Auch dafür hier von mir einen herzlichen Dank an Minister Lucha und die gesamte Landesregierung. Wir nehmen viel Geld in die Hand, wir schauen genau mit hin, wo Bedarf ist. Im Antrag sind Millionensummen genannt. Da muss man sagen: Das ist eine großartige Leistung, die man immer weiter ausbauen kann und muss. Aber – das ist, denke ich, gerade auch schon angeklungen –: Das allein wird nicht reichen. Was wir wirklich brauchen, ist die gesamtgesellschaftliche Debatte über das Thema. Wir müssen das Thema auch in den Fokus dieser ganzen Gesellschaft rücken, damit es mal bewusst wird. Ich meine tatsächlich auch, dass wir uns in einer Tabuzone bewegen und vielleicht auch schon vor der Coronapandemie bewegt haben, dass das Thema ganz vielen Menschen gar nicht so bewusst geworden ist und dadurch jetzt auch der Eindruck entsteht, dass es vielleicht ad hoc durch die Coronapandemie mit ausgelöst worden sein könnte, was ich tatsächlich nicht glaube. Vielmehr war das Thema immer mit da, in allen gesellschaftlichen Schichten und in allen Altersklassen. Auch das ist ja tatsächlich gerade schon angeklungen, dass es ein großer Irrtum ist, zu glauben, dass es nur bei alten Menschen so war. Ich hatte erst gestern die Möglichkeit – wie andere hier auch –, mit dem Landesseniorenrat zu sprechen, der auch gesagt hat, das sei nicht nur das Problem von alten Menschen, sondern wirklich von der gesamten Gesellschaft. Die Gesellschaft hat sich in den letzten 100 Jahren, was das Alter anbelangt, natürlich auch verändert. Während es vor 100 Jahren vielleicht noch 25 Menschen gab, die über 100 Jahre alt waren, sind es heute halt schon 25 000. So gilt auch: Je älter jemand wird, umso höher ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen, die vorher um einen herum waren, irgendwann wegsterben. Das ist ein großes Problem. Die Menschen vereinsamen dann im Stillen, ohne dass man es in der Gesellschaft eigentlich richtig wahrnimmt. Auch hier stellt sich die Frage: Wer von den Abgeordneten kennt viele Menschen, die vielleicht einsam sind? Wenn man sich das selbst mal fragt, stellt man wahrscheinlich fest, dass (Manuel Hailfinger) man gar nicht so viele kennt, die einsam sind. Da müssen wir es, denke ich, wirklich schaffen, hinzuschauen, da noch ein Stück weit besser zu werden, das als gesamte Gesellschaft zu erkennen, auch heute vielleicht die Botschaft hier aus dem Parlament zu senden: Schauen Sie alle mit hin, wo die Menschen in Ihrem Umfeld eventuell einsam sind, und schreiten Sie ein. Schauen Sie danach, dass die Menschen dann nicht mehr einsam sind. (Beifall bei der CDU) Wenn wir uns dann die unterschiedlichen Bereiche anschauen, müssen wir natürlich auch überlegen, wie wir in den einzelnen Bereichen der Sache begegnen können. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen hat das in seiner Enquetekommission schon sehr genau, auch im Detail getan, hat da schon vieles erarbeitet. Ich kann mir vorstellen, dass wir – wir brauchen jetzt nicht unbedingt eine Enquetekommission – miteinander überlegen, wo hier die Ansatzpunkte sein könnten, um am Ende auch zu zielführenden Lösungen zu kommen. Wie erreiche ich jetzt tatsächlich die Menschen am Ende des Tages? Man muss da ja in jeder Altersklasse, in jeder gesellschaftlichen Gruppe ganz anders herangehen. Wo genau hole ich denn die Menschen ab? Junge Menschen eventuell über die Schule, weil sie noch dort sind. Aber je nach Altersklasse wird das wahrscheinlich immer schwieriger. Wo nehme ich Bezug zu diesen Menschen, die wahrscheinlich sowieso schon irgendwo leben, wo wir sie gar nicht mehr erreichen? Das ist wirklich eine spannende Aufgabe, die wir nur gemeinsam lösen können. Ich habe aber auch eines gelernt – ich habe mich die letzten Tage ausführlich mit dem Thema beschäftigt –: Auch Arbeit ist eine Form, mit der Einsamkeit beseitigt werden kann. Viele Menschen hatten früher viele Kolleginnen und Kollegen. Das ist heute oft nicht mehr so. Homeoffice hat da viel verändert, aber auch das Bürgergeld; das will ich am Ende hier auch nicht verschweigen. (Zuruf: Sehr gut!) Gerade Menschen, die im Bürgergeldbezug sind, sind sehr oft einsam. (Abg. Dr. Dorothea Kliche-Behnke SPD: War es vor- her anders, oder wie?) Und vielleicht würde es da am Ende des Tages nicht schaden, wenn die wieder arbeiten gingen. (Beifall bei der CDU) Damit hätten wir gleich zwei Probleme erledigt. Vielen lieben Dank. (Beifall bei der CDU)

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