Arne Braun
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, sehr geehrte Damen und Herren! Lieber Erwin Köhler, danke für die Debatte – aber keine Bange, ich tanze jetzt nicht, auch nicht nachhaltig. (Abg. Anton Baron AfD: Nein, danke!) Haben Sie am vergangenen Sonntag den „Tatort“ gesehen – ich hörte, nicht –, gedreht nach ökologischen Standards von Green Motion? Das Stuttgarter Kammerorchester, das erste klimaneutrale Orchester Deutschlands, der CO -Rechner, der bundesweite Kulturstandard, um Emissionen zu ermitteln – sie alle haben gemeinsam: alle made in Baden-Württemberg. (Abg. Anton Baron AfD: Aha!) Kultureinrichtungen nachhaltiger gestalten – überall arbeiten Kulturschaffende an diesem Thema. (Abg. Anton Baron AfD: Wie viel Umsatz machen die?) eriode – 90. Sitzung – Donnerstag, 7. März 2024 Wie können wir Emissionen verringern? Wo wollen wir ansetzen? Was können wir umsetzen? Die hier schon zitierte Arbeitsgruppe „Green Culture“ hat genau diese Fragen diskutiert, und seit der Antragstellung haben wir viele wichtige Schritte geschafft. Mit dem bundesweit einheitlichen Bilanzierungsstandard für den Kulturbereich gibt es jetzt den CO -Rechner, mit dem alle ihre Emissionen erfassen können. Das Projekt haben wir vonseiten des Landes mit initiiert und vorangebracht und haben dafür gesorgt, dass es schnell umgesetzt wird. Die Bilanzen zeigen, wo wie viel emittiert wird und wo mit welchen Maßnahmen die größte Wirkung erzielt wird. Und es ist kein Bürokratiemonster – das kann ich an dieser Stelle sagen –, es ist tatsächlich eine einfache Excel-Datei, die genau diese Bilanz errechnet – für jeden machbar. Uns ist es nämlich wichtig, den Zugang so einfach wie möglich zu halten. Egal, ob es das kommunale Theater ist oder die Landesbibliothek – den CO -Rechner können sich alle herunterladen und dann direkt ins Tun kommen. Green Motion steht für die nachhaltige Produktion von Filmen. Hier ist die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mit Green Shooting vorangegangen, und jetzt haben wir bundesweit einheitliche Standards; in ganz Deutschland werden die Emissionen bei Filmproduktionen reduziert. Das zeigt: Überzeugende Konzepte aus Baden-Württemberg werden im ganzen Land übernommen. Das ist ein Erfolg. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU – Abg. Anton Baron AfD: Wie viel Umsatz?) Beim Kulturdialog „POPLÄND“ – einige Kolleginnen und Kollegen waren da – bearbeiten wir seit fast einem Jahr die großen Themen rund um Popmusik. Nachhaltigkeit ist dabei immer präsent. Hier geht es um die ganz praktische Umsetzung: Kann ich bei einem Festival komplett auf Mehrweggeschirr wechseln, und, wenn ja, was kostet es? Wie wird mein Gebäude beheizt? Wie kann ich meinen Verbrauch verringern? Welchen Einfluss haben wir auf die Anreise der Besucherinnen und Besucher? Hier diskutieren alle Player: im Bereich Popmusik, Clubbetreiberinnen und -betreiber, Festivalmacherinnen und -macher, Künstlerinnen, Künstler, soziokulturelle Zentren, Theater. Dieser Diskurs ist wichtig, weil er uns weiterbringt und wir voneinander lernen. Kunst und Kultur sind wichtiger denn je für unsere Gesellschaft, die so unter Stress steht. Aktuelle Themen werden mit Kunst und Kultur behandelt, diskutiert und verarbeitet, und zwar vor, auf und hinter der Bühne. So auch das Thema Klimaschutz, wie es beispielsweise das Stück „Ökozid“ im Schauspielhaus oder die Ausstellung „1,5 Grad“ im vergangenen Jahr in der Kunsthalle Mannheim zeigen. Diese Signal- und Vorbildwirkung von Kunst und Kultur spielt gerade bei so umfassenden Themen wie dem Kampf gegen die Erderwärmung eine wichtige Rolle. Wir, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, befassen uns nicht nur mit den Herausforderungen, sondern wir schaffen auch Lösungen. Wir schaffen Strukturen. Seit 2021 haben wir Green Culture strukturell und personell fest in unserer Kunstabteilung verankert; denn nur so können wir das Thema langfristig voranbringen. (Staatssekretär Arne Braun) Wir schaffen Austausch und Vernetzung, und wir informieren. Wir stehen durch die Arbeitsgruppe „Green Culture“ direkt mit den Einrichtungen in unserem Land im Austausch. Hier erörtern wir mit den Kultureinrichtungen im Land Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten. Auch hier ist uns der Dialog wichtig, denn nur so können wir passgenaue Lösungen entwickeln. Wir schaffen Handlungsempfehlungen. Mit dem Leitfaden „Green Culture“ unterstützen wir Kultureinrichtungen dabei, ihre CO -Emissionen zu mindern. Da geht es von der Mobilität – das Thema wurde hier ja schon ein paarmal genannt – über den Abfall bis hin zur Wärmeerzeugung. Wir schaffen die Grundlagen. Wie schon erwähnt, der CO - Rechner ist der beste Beweis dafür. Das kann sich sehen lassen, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Dr. Reinhard Löffler CDU: Sehr gut!) Jetzt zählt es. Jetzt müssen wir das Thema langfristig in den Kultureinrichtungen verankern. Wir wollen, dass die staatlichen Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg ab 2025 ihre CO -Emissionen bilanzieren. Damit sind wir Vorreiter. Wir analysieren den Istzustand, stecken klare Ziele, und dann setzen wir gezielte Maßnahmen um. So schaffen wir es gemeinsam, Emissionen zu mindern sowie Kunst und Kultur zukunftssicher aufzustellen. Herr Brauer, eines bleibt klar: Es wird keine Beschränkungen geben. Die Kunst ist frei. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
