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Alena Fink-Trauschel

FDP 06.03.2024 Sitzungen 17/89

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Unser Hochschulsystem wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten grundlegend umgebaut, modernisiert, internationalisiert und insgesamt schlichtweg weiterentwickelt. Die Modularisierung schafft Flexibilität innerhalb eines Studiums oder beim Wechsel von Studiengängen und Studienorten. Welch krassen Gegensatz dazu liefert die berufliche Fort- und Weiterbildung! Die Strukturen dort wurden schlichtweg nicht an die heutigen Bedürfnisse angepasst. (Beifall des Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP) Es ist leider eher traurig, ja. Heute kann man sich durchaus berechtigt die Frage stellen, ob es nicht sogar einfacher, jedenfalls aber unkomplizierter ist, neben der Arbeit einen berufsbegleitenden Bachelor oder Master zu absolvieren als eine berufliche Fort- oder Weiterbildung, also etwa einen Meister oder Fachwirt. Dabei ist unsere Wirtschaft und Gesellschaft fundamental darauf angewiesen, dass wir über herausragend ausgebildete Fachkräfte verfügen. Anders lassen sich Wohlstand und Lebenschancen in einem ressourcenarmen Hochlohnland nicht sichern. Dies wiegt umso schwerer, als es insbesondere die Merkel-Regierung verpasst hat, Deutschland auf die Herausforderungen und Megatrends des 21. Jahrhunderts angemessen vorzubereiten. Ob Digitalisierung, Straßen, Brücken, Schiene, Energieversorgung – in jedem Politikfeld sind die Versäumnisse offensichtlich. (Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP) Ob demografischer Wandel, KI-Revolution oder Klimawandel – auf nichts wurden wir adäquat vorbereitet, doch für alles brauchen wir herausragende Fachkräfte. Moderne durchlässige Strukturen bei Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung sind ein Standortfaktor, der maßgeblich zu der Frage beiträgt, ob junge Menschen mit Potenzial zu uns kommen und bei uns bleiben wollen, und auch, ob Unternehmen hier gegründet werden, hier bleiben und im Idealfall hier expandieren. eriode – 89. Sitzung – Mittwoch, 6. März 2024 Wir brauchen eine Exzellenzinitiative Berufliche Bildung auch im Land. Die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger macht der Landesregierung im Bund vor, wie genau das geht. Bessere Förderung individueller Chancen mit Aufstiegsstipendien und Begabtenförderung auch in der beruflichen Bildung, Stärkung der Berufsorientierung auch an Gymnasien, Impulse für innovative und exzellente Berufsbildungsangebote, Förderung von exzellentem Ausbildungs- und Prüfpersonal, Erleichterung von digitaler Kommunikation und Abbau von Digitalisierungshemmnissen, Maßnahmen zur Stärkung der internationalen Sichtbarkeit und Mobilität – all das wären die Hausaufgaben für die Landesregierung. Bei alldem kommt viel zu wenig oder schlichtweg nichts. (Beifall bei der FDP/DVP) Das schlägt sich auch in den Vereinbarungen der Länder mit dem Bund zur beruflichen Ausbildung nieder. In Baden-Württembergs Vereinbarung ist im Gegensatz zu anderen Bundesländern das Thema Fort- und Weiterbildung nicht adressiert. Unsere Erwartungshaltung wäre hier ein ganzheitliches Konzept, das nicht im Silodenken zwischen Kultusministerium, Wissenschaftsministerium und Wirtschaftsministerium zerrieben wird. Ein positiver Schritt in diese Richtung – das muss man auch einmal anerkennen – ist sicher die Initiative „THE CHÄNCE“. Über den Namen und die damit einhergehende Sprachverhunzung kann man sicherlich streiten. Anzuerkennen ist aber der Impuls. Gleichzeitig möchte ich hier kritisch anmerken, dass die Funktionsweise der Website doch etwas zu wünschen übrig lässt. Ich habe auf mehreren Geräten die Funktionsweise ausprobiert, unten auf das Feld „Jetzt beraten lassen“ geklickt. Da öffnet sich dann ein Reiter mit „Berufliche Weiterbildung“, „Weiterbildung an Hochschulen“ und „Weiterbildung übergreifend“. Es wäre ja eine Idee, dass das in der Befragung erfragt wird – aber geschenkt. Bei mir hat jedenfalls auf mehreren Geräten nicht funktioniert, von diesem Feld mit Klick auf eine der Optionen irgendwohin zu kommen. Dann bleibt einfach nur festzuhalten: Gut gemeint ist halt nicht gut gemacht. (Beifall bei der FDP/DVP)

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