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Dr. Markus Rösler

GRÜNE 31.01.2024 Sitzungen 17/86

Im Grundsatz, aber ich stimme Ihnen nicht bei allen Folgerungen zu. Wenn beispielsweise der Kormoranbestand am Bodensee zurückgehen wird – in diesen hohen Beständen wird er nicht weiter am Bodeneriode – 86. Sitzung – Mittwoch, 31. Januar 2024 see bleiben, wenn der Fischbestand im Bodensee massiv zurückgeht, übrigens auch aufgrund von Gewässererwärmung –, dann wird das dazu führen, dass die Kolonien, die es im Hinterland schon gibt, mit den anderen Kolonien am Bodensee im Austausch stehen und konkurrieren werden. Dann ist da eine Begrenzung, weil es auch an den anderen Seen nur eine begrenzte Zahl von Fischen gibt. Ich gebe Ihnen recht: Alles wird umso komplizierter, je genauer man es anschaut. Insofern ist eine vertiefte – – (Abg. Raimund Haser CDU: Deshalb plädieren wir für eine einfache Lösung!) – Aber einfache Antworten, Herr Kollege Haser, Schwarz-Weiß, bringen uns auch in anderer Hinsicht meist nicht weiter. (Abg. Raimund Haser CDU: Ich habe „Lösungen“ gesagt, nicht „Antworten“!) – An Lösungen sind wir gemeinsam interessiert. Deswegen haben wir einen gemeinsamen Antrag eingebracht. (Abg. Raimund Haser CDU: Wir wollen es nicht komplizierter machen, als es ohnehin schon ist!) – Nein, nein. Ich lege Wert darauf – das gilt generell –: Wenn ich etwas genauer anschaue, wird es komplizierter. (Abg. Raimund Haser CDU: Es ist nicht kompliziert! – Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Die Frage der Ökologie des Kormorans im Hinterland, an den Seen, und am Bodensee hat der Kollege Storz zu Recht angesprochen. Das hat aber nichts damit zu tun, ob und wie wir am Bodensee direkt agieren, was der Aufhänger des Antrags der FDP/DVP heute ist. Wir werden als zentrales Anliegen die Bodensee-Wasserversorgung unterstützen müssen, damit weiterhin sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Das ist eine zentrale Lebensgrundlage für uns im Land. Das kollidiert mit den Bemühungen zur Unterstützung der Fischerei. Nicht zuletzt stellt sich auch eine ethische Frage mit Blick auf den Tierschutz: Wie rechtfertigen wir denn den Abschuss tausender Vögel, wenn damit zumindest bisher nichts erreicht wurde? Wir müssen uns diese Frage in aller Ernsthaftigkeit stellen. Die Tausende abgeschossenen Vögel werden entsorgt. Für sie gibt es im Gegensatz zum Biber, lieber Klaus Burger – ist er da oder ist er nicht da? –, keine sinnvolle Verwertung als Fastenspeise oder außerhalb der Fastenzeit, (Abg. Sarah Schweizer CDU: Schmeckt super, Kor- moran!) weil Kormorane als reine Fischfresser unserem menschlichen Gaumen, liebe Frau Kollegin Schweizer, partout nicht entsprechen. (Abg. Andreas Deuschle CDU: Lecker, lecker, le- cker!) Weit über die Frage hinaus, wie wir mit dem Kormoran am Bodensee und im Land insgesamt umgehen, stellt sich in die- (Dr. Markus Rösler) sem Zusammenhang nicht nur für mich, sondern sicherlich auch für Sie die grundsätzliche ethische Frage: Was für ein Naturverständnis haben wir? Ich rege eine Anhörung im Landtag an, die sich mit Umweltethik, dem Verhältnis von Mensch und Natur beschäftigt. Die Frage ist: Mit welchem Recht, mit welcher Begründung wollen wir regulieren? (Abg. Anton Baron AfD: Was ist mit den Fischern?) Die Internationale Bodensee-Konferenz hat sich mit vielen dieser Fragen beschäftigt. Das Umweltministerium und das Landwirtschaftsministerium arbeiten gut zusammen. Es wird zeitnah einen Kormoranmanagementplan geben. Daran haben auch wir, die Regierungsfraktionen, die Grünen und die CDU, gemeinsam großes Interesse. (Beifall der Abg. Sarah Schweizer CDU) Wir haben in beiden Ministerien gute Fachleute, die sich sowohl für Ökologie und Gewässerreinhaltung als auch für den Fischartenschutz und die Fischerei einsetzen. Ich habe Vertrauen in die Ministerien, in Thekla Walker und Peter Hauk, dass wir hier eine gute Lösung finden. Wir schätzen die Arbeit unserer Fischer am Bodensee und danken ihnen für ihre Arbeit ebenso wie auch den Naturschützern am Bodensee. Beide leisten richtige und wichtige Arbeit. Wir werden sie weiter unterstützen. (Zuruf des Abg. Anton Baron AfD) Wir sollten sie – um zum Schluss zu kommen –, wie generell in der Gesellschaft, kommunikativ positiv begleiten, sodass die Kooperation von Fischerei und Naturschutz im Vordergrund steht. Ich sage weiterhin: Nicht nur hier in Baden-Württemberg, sondern deutschlandweit sollte man weder von einer Hetzjagd gegen den Kormoran sprechen noch davon, dass Kormorane Unterwasserterroristen seien. Zum FDP/DVP-Antrag: Wir lehnen ihn ab, denn wir haben seitens der Grünen und der CDU einen eigenen Antrag eingebracht. Es freut uns, dass die Zusage für eine Unterstützung dieses Antrags von der FDP/DVP gerade schon formuliert wurde. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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