Dr. Markus Rösler
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über Phalacrocorax carbo – so ist der lateinische Name dieser Vogelart, die manche Gemüter, insbesondere am Bodensee, heftig erhitzt. Der lateinische Name leitet sich übrigens aus dem Griechischen ab: Phalacro bedeutet kahlköpfig, corax ist der Rabe, und der Artname carbo steht für die Kohle und die überwiegend schwarze Färbung seines Gefieders. Insofern müsste das ja eine Vogelart sein, (Abg. Anton Baron AfD: Hauptsache weg!) die den Kollegen von der CDU besonders gut gefällt. (Vereinzelt Lachen) Vielleicht sollten wir uns aber beim Umgang mit diesem kahlköpfigen schwarzen Raben einmal etwas näher mit dem Naturverständnis beschäftigen. Ich komme darauf später noch zurück. Die Brutpopulation des Kormorans hat in Baden-Württemberg in den letzten 30 Jahren sehr dynamisch zugenommen, (Dr. Markus Rösler) von null Paaren vor 30 Jahren auf jetzt ca. 1 800 Brutpaare, davon 1 200 am Bodensee. Bundesweit allerdings gibt es 24 000 Brutpaare; wir haben bei uns im Augenblick also 7 bis 8 % der deutschlandweiten Brutpopulationen. Zeitgleich – das muss man auch dazusagen – werden bei 1 800 Brutpaaren etwa 2 000 Kormorane pro Jahr schon abgeschossen; das sind also doch relativ viele. Da stellen sich für uns einige Fragen. Erstens: Welche Auswirkungen haben Eingriffe in die Kormoranpopulation und in deren Verbreitung? Es muss uns klar sein: Eingriffe in große Kolonien können eine Zersplitterung der Population und damit gegebenenfalls statt einer Reduktion der Population eine weitere Ausdehnung der Bestände nach sich ziehen. Zweitens: In welchem Umfang gibt es Folgewirkungen der Kormoranzunahme auf gefährdete Fischarten? (Zuruf des Abg. Klaus Hoher FDP/DVP) Die entscheidenden Ursachen, lieber Kollege Hoher, für die Entwicklungen bei den gefährdeten Fischarten wie der Äsche liegen in der Gewässerqualität, in der Wassertemperatur, im Grad der Naturnähe von Laichbereichen. Es gibt deutschlandund sogar europaweit kein einziges Beispiel dafür, dass eine heimische Tierart eine andere heimische Tierart ausgerottet hat. Drittens: Es ist davon auszugehen, dass der Kormoranbestand aufgrund der deutlich zurückgehenden Fischbestände im Bodensee künftig, mittelfristig abnehmen wird. (Abg. Hans-Peter Storz SPD: Nein, er wird zuneh- men!) – Wenn die Fischbestände – – Das ist ein Problem, das ja direkt mit der Bodensee-Wasserversorgung zusammenhängt als Trinkwasserversorgung für viele Menschen hier im Land, die darauf Wert legen, dass die Nährstoffmenge auch weiter zurückgeht, dass der Bodensee so wird, wie er früher einmal war, nämlich oligotroph. Das bedeutet, dass dies schlecht für die Fischerei ist, und es bedeutet auch, dass es schlecht für viele Fischarten ist und dass die Zahl der Fische stark zurückgeht. (Glocke des Präsidenten)
