Sandra Boser
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Nachdem wir das Thema bereits letzte Woche im Ausschuss debattiert haben, habe ich mich schon gefragt, warum die FDP/DVP das heute kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt hat. Eines weiß ich jetzt: Sie kennen die Kampagne nicht. Kein Einziger von Ihnen kennt die Kampagne außerhalb des einen Plakats, das im August zu Recht für Aufregung gesorgt hat. Ich will aber auch noch mal sagen: Das war im August letzten Jahres. Die Ministerin hat sich danach sofort – – (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Letzten Jah- res?) – Dieses Jahres. Was habe ich gesagt? Sorry. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Das ist ein Unterschied!) Trotzdem: Das war im August. Die Ministerin hat sich danach sofort entschuldigt. Herr Kollege Kern, die Reaktion erfolgte innerhalb von sieben Tagen. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Wow!) (Staatssekretärin Sandra Boser) – Ja gut, das Plakat musste ja neu gedruckt werden. Ich weiß nicht, wie Sie das schneller hätten machen wollen. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Abhängen geht schneller!) Herr Kollege Kern, das Plakat wurde neu gedruckt. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Da gibt es noch ei- ne andere Reaktion!) Wir haben uns entschuldigt. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Entschuldigt?) Mir als Frau eines Lehrers muss man nicht unterstellen, dass ich keinen Respekt gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern in diesem Land habe. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir wissen sehr wohl, was die Lehrkräfte in unserem Land leisten. Ich habe nochmals die Kampagne mitgebracht, weil sie anscheinend auch in anderen Reihen nicht bekannt ist. Wir sind hier momentan im zweiten Flight, wie man das in der Werbebranche nennt. Diese Plakate sind jetzt unterwegs. (Die Rednerin hält Unterlagen hoch.) Das eine Plakat, das damals skandalisiert wurde – ich sage ja: zu Recht –, ist nicht mehr im Umlauf. Vielmehr sind neue Plakate im Umlauf. Diese Kampagne wirkt. Sie ist erfolgreich. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der CDU – Abg. Anton Baron AfD: Oje!) Warum ist sie erfolgreich? Wir haben mittlerweile – ich werde nochmals durchgehen, lieber Kollege Fulst-Blei, wie sich die Zahlen entwickelt haben – über 90 000 Besuche auf der Landingpage. Der erste Schritt ist also: Die Leute sehen die Kampagne, sie schauen sich auf „lehrer-in-bw.de“ an, was sie da werden können. Davon haben sich etwa 50 000 durch den Quick Check durchgeklickt. Sie können dort über einen Quick Check schauen: Welche Möglichkeiten für den Direkt- oder Seiteneinstieg bestehen für mich? Das größte Interesse besteht beim Direkteinstieg. Von Mitte Juli bis Anfang September haben sich etwa 27 000 Personen hier informiert, welche Möglichkeiten für sie bestehen. Nennen Sie mir nur eine andere Berufsgruppe, bei der so ein großes Interesse in kürzester Zeit generiert werden konnte. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Für den Direkteinstieg – ich gehe noch weiter; wir sind noch nicht am Ende – haben sich letztendlich 400 Personen registriert, (Abg. Gabriele Rolland SPD: Da habe ich mich auch registriert!) bei denen jetzt geprüft wird, welche Möglichkeiten für sie bestehen. Den größten Zuwachs hatten wir bei den Registrierungen von Vertretungslehrkräften. Da haben sich 700 Personen zusätzlich registriert. Das sind doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. de – 84. Sitzung – Donnerstag, 21. Dezember 2023 (Zuruf der Abg. Gabriele Rolland SPD) Wenn Sie jetzt noch mal die Zahl von 40 nehmen, die ja groß in der „Bild“-Zeitung stand, Herr Kollege Kern: Diese 40 Personen, die in den Direkteinstieg gegangen sind, haben sich im ländlichen Raum beworben. Sie wissen, dass wir den Direkteinstieg sehr dosiert angehen, weil auch dort Kritik zu diesem Direkteinstieg von den Verbänden der Lehrkräfte kommt. Das heißt, das ist ein sehr enges Auswahlverfahren. Diese Personen werden vor allem im ländlichen Raum in Mangelberufen, also in Mangelfächern eingesetzt. Diese 40 Personen sind ein absoluter Erfolg für uns, für das Land und für die Bildungschancen der Kinder in unserem Land. Zum Schluss – ich will das Ganze heute Abend auch nicht verlängern –: (Abg. Andreas Stoch SPD: Guter Ansatz! Sehr gut!) Wir sehen natürlich, dass wir noch mehr Effekte brauchen. Diese Kampagne hat sich für uns aber schon jetzt gelohnt. Wir gehen davon aus, dass die Effekte vor allem im kommenden Schuljahr nochmals zunehmen. Daneben – das hat die Kollegin Nadyne Saint-Cast ausgeführt – ist die Werbekampagne ein Baustein, um zusätzliche Lehrkräfte in Baden-Württemberg zu generieren. Viele andere Maßnahmen wirken nebenher. Aber diese Kampagne ist für uns ein Erfolg. Wir sehen, dass wir damit neue Menschen für diesen schönen Beruf erreichen konnten. Zum Schluss wünsche ich Ihnen allen erholsame, schöne Feiertage. Kommen Sie gut ins neue Jahr. Wir sehen uns gesund 2024. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
