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Dr. Rainer Balzer

AfD 21.12.2023 Sitzungen 17/84

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Diese Werbekampagne der Landesregierung und des Kultusministeriums ist die Krönung, denn sie ist ein Beispiel par excellence für die Vorstellungen und Einstellungen der Grünen zum Beruf des Lehrers. Ehemals durchaus angesehen in der Bevölkerung und begehrt bei jungen Menschen – denken Sie an die Achtziger- und Neunzigerjahre –, war ein Lehrer traditionell eine Institution, eine Autorität mit allen positiven Bedeutungen wie: Erklärer, Wegweiser, Helfer, Ratgeber und Vorbild. (Dr. Rainer Balzer) Doch dieses positive Berufsbild wurde von Ihnen schleichend zerstört. Für Sie ist ein Lehrer jemand, der einfach nur da ist, ein Aufpasser, ein Betreuer. Und Sie wissen ja, was in den nächsten Reformpapieren drinsteht und in der letzten Reform bei Einführung der Kompetenzen schon Raum gewonnen hat. Das war der Begriff „Lernbegleiter“. Insofern spricht der von Ihnen verbrochene Kampagnenspruch „Gelandet und gar keinen Bock auf Arbeit morgen?“ – allein schon das Wort „Bock“ – „Hurraaa! Mach was dir Spaß macht und werde Lehrer...“ Bände über Sie. Das spricht Bände über Sie selbst und Ihr Berufsverständnis. Was haben Sie generell für ein Berufsethos? Ihre Versuche, dies als Fauxpas oder als nicht so ernst gemeint stehen zu lassen – außerdem habe man ja viele Betrachter, die das Plakat gesehen haben, und viele Bewerber erreichen können –, sind einfach nur dünn und armselig. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, die Empörung über dieses Plakat ist nachvollziehbar, das wurde schon ausführlich dargestellt. Den Äußerungen der Verbände und der Lehrkräfte selbst ist aus meiner Sicht nur voll und ganz zuzustimmen. Lassen Sie uns zurückkehren zur Position des Lehrerberufs heute und zu seinem tiefen Fall – oder besser gesagt: zu seiner gewollten Degradierung. Vielleicht mag das für den einen oder anderen übertrieben klingen, aber Tatsache ist: Wir bewegen uns vom klassischen Lehrer weg, der klassische Klassen und das Lernen unterrichtet, das Können und das Lernen. Die Methode des individualisierten Lernens gilt inzwischen als Königsweg zum pädagogischen Glück, obwohl das Gegenteil belegt ist. Von dieser Lernmethode profitieren in erster Linie die leistungsstarken Schüler, denn die können sich selbst organisieren und können sich auch disziplinieren. Sie wissen auch, dass sie in einer sinnvollen Zeit vor einem Test oder einer Arbeit, einer Klausur mit dem Vorbereiten dafür anfangen müssen. Der Nestor der Didaktik, Hermann Giesecke, warnte schon vor Jahren vor der Illusion, lernschwache Kinder könnten von diesen Unterrichtsmethoden der heterogenen Lerngruppen profitieren. Ich zitiere: Nahezu alles, was die moderne Schulpädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt die Kinder aus bildungsfernem Milieu. ... Gerade das sozial benachteiligte Kind bedarf, um sich aus diesem Status zu befreien, eines geradezu altmodischen, direkt angeleiteten, aber auch geduldigen und ermutigenden Unterrichts. Das ist genau das Gegenteil von dem, was derzeit gepredigt wird. (Beifall bei der AfD) Die individualisierten Lernmethoden, die starke Heterogenität in den Klassen beschädigen eine wichtige, die wichtigste Kommunikationsform, das Gespräch. Jeder Mensch, der halbwegs Erfahrung in diesem Themenfeld hat, weiß, dass dies die effektivste Sozialform im Unterricht ist – allen modernen Methoden zum Trotz. Das Gespräch ist das Wichtigste. ode – 84. Sitzung – Donnerstag, 21. Dezember 2023 Aber was interessieren Sie empirische oder wissenschaftliche Erkenntnisse? So müssen wir eben zusehen – hoffentlich nicht mehr allzu lange –, wie die Lehrkräfte durch Sie ihr Dasein als sogenannte Lernbegleiter – oder noch besser: Animateure – fristen. Aus dieser Perspektive heraus ist diese Kampagne sogar verständlich. Denn ein Animateur oder ein Begleiter braucht nicht kompetent, schon gar nicht fachlich kompetent und auch nicht den berühmten Schritt – oder zwei Schritte – weiter als ein sehr guter Schüler sein. Und er braucht auch nicht pädagogisch versiert zu sein. Deswegen passt natürlich „Kein Bock auf Arbeit“ tatsächlich. Damit kann man auch durchaus die geeignete Zielgruppe erreichen, wenn man denn diese wünscht. Mit dieser Kampagne haben Sie, liebe Landesregierung, deshalb mit Bravour gezeigt, dass Sie nicht geeignet sind, dieses Ministerium und dieses Land zu regieren. (Beifall bei der AfD)

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