Nadyne Saint-Cast
Vielen Dank. – Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe mir zum Ende dieses Jahres doch eine ein bisschen gehaltvollere politische Bildungsdebatte gewünscht. Nun sei es so. Wir sprechen über den gewichtigen Antrag der Kolleginnen und Kollegen der FDP/DVP. Für uns Grüne ist ganz klar: Wir haben die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen in unserem Land im Blick. Ganz klar ist auch, dass natürlich ausreichend viele Lehr- und Fachkräfte an unseren Schulen hierbei ganz zentral sind. (Zuruf des Abg. Stephen Brauer FDP/DVP) Unser Ziel ist, dass wir auch zukünftig die Lehrkräfteversorgung sicherstellen und dass wir sie verbessern. (Zuruf von der FDP/DVP: Doch nicht so!) Deswegen haben wir gemeinsam mit dem Kultus- und dem Wissenschaftsministerium eine umfassende Fachkräftegewinnungsstrategie auf den Weg gebracht, um mehr Menschen, um mehr Köpfe für unsere Schulen zu gewinnen. Diese Fachkräftestrategie beinhaltet u. a. Folgendes: Erstens: Wir haben die Zahl der Studienplätze im Grundschullehramt um 400 erhöht und in der Sonderpädagogik um 175. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Gabriele Rolland SPD: Das hat aber lange ge- dauert!) Das sind ganz zentrale Schritte; denn es ist ganz klar, dass natürlich das grundständige Lehramtsstudium auch zukünftig die Hauptsäule sein wird, um ausreichend viele Fach- und Lehrkräfte für unsere Schulen zu gewinnen. Zweitens: Wir haben den Seiten- und Direkteinstieg ausgeweitet. Das heißt, Personen, die kein Lehramtsstudium absolviert haben, können seit diesem Schuljahr an den Grundschulen, aber auch den Schulen der Sekundarstufe I direkt und quer einsteigen. Ganz wichtig ist, dass dieser Direkt- und Quereinstieg auch durch eine berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung begleitet wird. Das ist auch weiterhin ein ganz, ganz wichtiger Schritt; denn wir brauchen mehr Köpfe an unseren Schulen, und dafür brauchen wir eben auch diesen neuen Weg des Seiten- und Direkteinstiegs. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Drittens: Wir haben die multiprofessionellen Teams an den Grundschulen gestartet. Wir hatten das heute Morgen ja auch schon in der Debatte. Durch das Programm „Lernen mit Rückenwind“ haben wir dieses Instrument auch noch einmal substanziell gefüllt. Wir haben 16 000 zusätzliche multiprofessionelle Fachkräfte an unsere Schulen gebracht, und obwohl der (Nadyne Saint-Cast) Bund – herzlichen Gruß an die Bundesbildungsministerin, lieber Kollege Kern – dieses Programm eingestellt hat, haben wir dieses Programm mit einem Volumen von 75 Millionen € im Landeshaushalt weitergeführt. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Denn für uns ist klar, dass wir diese zusätzlichen Fach- und Unterstützungskräfte an den Schulen auch zukünftig halten wollen. Wir schaffen es nur gemeinsam mit einer Multiprofessionalität an unseren Schulen. Und ja, last, but not least haben wir auch eine Werbekampagne gestartet, die sowohl die Plakate – sieben Stück an der Zahl – als auch Onlineformate beinhaltet. Ich kann nur sagen: In Zeiten von Arbeits- und Fachkräftemangel, in denen der Wettbewerb um die guten Köpfe in unserem Land immer härter wird, wäre es doch absurd, wenn wir die Hände in den Schoß legen und warten, bis die Menschen zu uns kommen. (Abg. Sascha Binder SPD: Man sollte aber auch nicht die vorhandenen Fachkräfte vor den Kopf stoßen!) Es ist heutzutage selbstverständlich, dass gute Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber natürlich Werbung machen, sich als Arbeitgeber darstellen und auch Werbung für die Berufe machen, sowohl öffentliche als auch private Arbeitgeber. (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Werbung für den Arbeitgeber!) Deswegen ist es richtig, dass wir auch Werbung für einen der schönsten Berufe, den es überhaupt gibt, nämlich den Lehrerberuf, machen. Ich glaube, Sie als Partei, die durchaus PR-affin ist, wissen sicher auch, dass Werbekampagnen nur dann gut sind, wenn sie auch Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und ja, der Wurm muss dem Fisch schmecken. Er schmeckt ihm auch. Denn die Werbekampagne wirkt und kommt bei der Zielgruppe an. Das zeigt sich daran, dass kurz nach dem Start der Werbekampagne die Aufrufe auf den Websites „lieber-lehramt.de“, „LEHRER-ONLINE-BW.de“ massiv angestiegen sind. (Abg. Dr. Hans-Ulrich Rülke FDP/DVP: Zum Shit- storm, ja!) Die Bewerberhotline Baden-Württemberg hat uns vermeldet, dass kurz nach Start der Kampagne die Quer- und Direkteinstiegsanfragen tatsächlich auf Grundlage dieser Kampagne angestiegen sind und wir auch zusätzliche Vertretungslehrkräfte auf der Basis dieser Kampagne gewinnen können.
