Norbert Knopf
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! „Time is brain – Zeit ist Gehirn“, lautet eine wichtige Erkenntnis in der Schlaganfallforschung. Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Baden-Württemberg. Hier kommt es auf jede Minute an. Denn je weniger Zeit zwischen den ersten Schlaganfallsymptomen und der Behandlung im Rahmen einer mobilen Stroke Unit vergeht, desto größer ist die Chance, dass die Folgen gering bleiben oder der Patient sich sogar sanft wieder erholt. Am Beispiel Schlaganfall wird deutlich, welche Leistungen unsere gegenwärtige Krankenhausstruktur und deren vorgelagerte Notfallrettung erbringen müssen. Die Versorgung muss schnell, gut und hochklassig sein. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen und des Abg. Dr. Michael Preusch CDU) Denn im Rahmen der Daseinsvorsorge haben wir, das Land Baden-Württemberg, den Sicherstellungsauftrag für die stationäre Krankenhausversorgung. Das spiegelt sich im Krankenhausplan 2010 wider, in den alle für eine bedarfsgerechte Versorgung notwendigen und geeigneten Krankenhäuser aufgenommen werden. Es geht hier um eine Rahmenplanung, die den Krankenhäusern und Krankenkassen Gestaltungsspielraum ermöglicht und bewusst darauf verzichtet, den Versorgungsauftrag von Krankenhäusern im Detail zu regeln. An dieser Stelle möchte ich zwei wesentliche Faktoren benennen, die unsere Krankenhauslandschaft wesentlich prägen: Qualität und medizinischer Fortschritt. Qualität benötigt gewisse Fallzahlen. Ich rede hier konkret von einer bestimmten Menge an medizinischen Eingriffen, damit das behandelnde Personal eine Routine gerade für komplexe Eingriffe entwiiode – 82. Sitzung – Mittwoch, 13. Dezember 2023 ckelt. Es entspricht der Logik der Sache, dass eine solche Menge an bestimmten Zentren gebündelt wird. Damit komme ich zum nächsten Punkt, dem medizinischen Fortschritt. Um diese Versorgung rund um das Spitzenpersonal herum aufrechtzuerhalten, brauchen wir medizinische Spitzenausrüstung. Dies bedeutet aber auch, dass wir sowohl Personal als auch Ausrüstung vorhalten müssen. Ein kleines Krankenhaus mit wenigen Fällen kann das schlicht nicht leisten, und Ärzte können auch nicht ständig zwischen den Krankenhäusern pendeln. Hier gilt es vielmehr die Existenz von Krankenhäusern im ländlichen Raum zu sichern, indem diese sich spezialisieren. Wir brauchen vor allem auf dem Land fachspezifische Standorte, die auch Kooperationen mit überregionaler Nachfrage abdecken. Konkret meine ich eine Fachklinik für Neurologie, die gleichzeitig auch die stationäre Grundversorgung in der Region übernehmen kann. Es gilt gerade im ländlichen Raum die Synergieeffekte zu nutzen. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Die Frage ist also: Wie bekommen wir mit diesen beiden teuren Faktoren, also Spitzenpersonal und Spitzenausrüstung, eine bestmögliche Versorgung im ländlichen Raum zustande? Ich sage Ihnen, an welchen Stellschrauben wir hier drehen müssen. Es geht um eine Verlegung der Diagnostik in die Notfallrettung. Das passiert beim Thema Schlaganfall mit den mobilen Stroke Units bereits. Liebe AfD, Sie möchten eine Krankenhauslandschaft aus lauter kleinen „Schwarzwaldkliniken“ mit einem Professor Brinkmann an der Spitze, der die gesamte Versorgungsbandbreite abdeckt, (Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE: Nicht Brinkmann, Gedeon! – Vereinzelt Heiterkeit) vom Schlaganfall bis zur komplexen Stammzellentransplantation, aber mit dem Equipment aus den Achtzigerjahren. (Abg. Rüdiger Klos AfD: Was für ein Quatsch!) – Natürlich, das ist Ihr Quatsch. (Abg. Rüdiger Klos AfD: Das ist Ihr Quatsch!) Doch die „Schwarzwaldklinik“ ist genauso wenig ein Maximalversorger, wie Klausjürgen Wussow ein Professor für Humanmedizin war. (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Dr. Michael Preusch CDU und Andreas Kenner SPD) Mit moderner Daseinsvorsorge hat das nicht viel zu tun. Vielmehr ist es Ihre nostalgische Fantasie von einer hochmodernen Krankenhausstruktur, die ich als gewissenhafter Gesundheitspolitiker nicht nur mit einem Kreidestrich durchstreiche, sondern mit dem Schwamm des medizinischen Fortschritts von Ihrer Tafel wischen muss. Die Weiterentwicklung eines bedarfsgerechten Krankenhausplans im Land wird in der sektorenübergreifenden Versorgung liegen. Es geht um eine engere Verzahnung von stationärer (Norbert Knopf) und ambulanter Versorgung, damit auch weiterhin eine angemessene Grundversorgung in ländlichen Gebieten auf höchstem Niveau gewährleistet ist. Es geht nicht um Nostalgie, sondern der Krankenhausplan muss Qualität und medizinischen Fortschritt abbilden. Das tut er bereits, weswegen wir den vorliegenden Antrag ablehnen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)
