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Muhterem Aras

13.12.2023 Sitzungen 17/82

Herr Abg. Dr. Kern, Frau Ministerin Schopper hat das Wort. (Beifall) Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Ich will zurückkommen auf das, was uns die PISA-Studie und die IQB-Studie mitgeben. Es wurden – auch in der PI-SA-Studie – die gleichen Kohorten von Kindern und Jugendlichen getestet: die Jahrgangsstufen 4 und 9. Wir haben – das muss man leider immer wieder sagen – nach wie vor Kollateralschäden, in unserem Land und national. Es gibt mehr Lücken, weil wir durch Corona lange Schulschließungen hatten. Das haut bei den Kindern – das merkt man – nach wie vor rein. Es ist aber auch so, dass, während wir im ersten Lockdown bei der Digitalisierung noch nicht sehr gut aufgestellt waren, wir im zweiten Lockdown bei der Ausstattung schon deutlich besser geworden sind. Wir müssen – da bin ich sehr dankbar, auch für das, was Sandra Boser macht – die Digitalisierung pädagogisch imprägnieren. Im letzten Schulgesetz haben wir da Meilensteine und wegweisende Beschlüsse gefasst; dafür danke ich diesem Hohen Haus. Aber es ist notwendig, dass wir darüber noch hinausgehen. Wir sehen natürlich, dass wir sowohl in Deutsch als auch in dem für die PISA-Studie getesteten Bereich Mathematik Einbußen am Gymnasium haben. Deswegen ist auch das eine Hausaufgabe, die wir in die Ausarbeitung für G 8 und G 9 in der Zukunft mitnehmen. Es ist absolut wichtig, dass wir das, was sich in allen Schularten entsprechend widerspiegelt, mit auf unsere Hausaufgabenzettel nehmen. Ich sage es einmal so: Beim grundsätzlichen Bereich und bei der frühkindlichen Bildung – ich danke Volker Schebesta, der sich dieses Themengebiets und dieses Bereichs massiv annimmt – erarbeiten wir ein gemeinsames Konzept und sind bei der Entwicklung in den letzten Zügen, damit wir genau dort ansetzen, wo es nötig ist – das braucht ein Einwanderungsland –, damit die Integration und die Abkopplung des Bildungserfolgs von der Herkunft endlich gelingen. Das ist der Punkt. Das ist das Ziel, das wir in unserem Land haben. (Beifall bei den Grünen und der CDU) Wir brauchen diese jungen Menschen auch zukünftig; das Themenfeld „Fachkräftemangel und aktuelle demografische Entwicklung“ schließt sich da eng an. Die jungen Menschen, die heute aus der Ukraine oder aus anderen Ländern kommen, aber auch die, die schon lange hier in Deutschland ihre Heimat haben, müssen wir gut ausbilden und genau die Defizite, de – 82. Sitzung – Mittwoch, 13. Dezember 2023 die es wegen des Migrationsanteils von 49 % an den Schulen bei den vierten Klassen gibt – bei den neunten Klassen liegen wir mit 45 % darunter –, entsprechend anpacken. Die frühkindliche Bildung und die Grundschule sind dafür der Schlüssel. Das ist unser Ansporn: dass wir hier die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Bildungsbiografie schaffen. Wir nehmen das konkret in Angriff. Innerhalb der frühkindlichen Bildung machen wir in den Kitas die entsprechenden Testungen bei den Viereinhalbjährigen, die Schuleingangsuntersuchungen. Die Schuleingangsuntersuchung ist ja bei uns verbindlich. Wenn wir dort getestet haben, sehen wir, ob wir nachbessern müssen, ob es einen zusätzlichen Förderbedarf gibt. Wir werden für die Kinder, die noch nicht schulfähig sind, auch entsprechende Einrichtungen schaffen. Ich denke, dass wir das dann in der Grundschule fortsetzen müssen. Wir sind – genau so, wie es Andreas Sturm gesagt hat – dort dabei, dass wir mit Lernausgangslagenuntersuchungen, Lernstand 2, Lernstand 3, Lernstand 4 – – Wir haben den Kompass 4 eingerichtet, um noch einmal eine bessere Möglichkeit der Analyse zu haben, wo welches Kind am besten aufgehoben ist. Aber wir gehen dann weiter: Lernstand 5. Wir haben Lernstand 8. Auch da werden wir überlegen, ob wir in den weiteren Schuljahren von eins bis acht dort noch einmal die Lernstände erheben. Hier haben wir Angebote, die vom ZSL gemacht werden, als starke Basis. Hier haben wir schon seit Jahren systematisch – das war noch vor IQB 4 – eine starke Basis eingerichtet, um die Lehrkräfte entsprechend fortzubilden und sie auf den Stand zu bringen, weil wir die notwendigen Basiskompetenzen brauchen. Wir haben das BiSS-Lesetraining eingeführt. Das hilft sowohl den guten Schülerinnen und Schülern als auch den schwachen. Das ist der Punkt, wo wir einfach schauen müssen, dass wir mit dem, was auf das Gleis gesetzt wurde – – Wir sind die erste Landesregierung, die den Sozialindex ausgearbeitet hat. Das muss man sagen. Den hat es vorher noch nicht gegeben. (Zuruf des Abg. Andreas Stoch SPD) – Nein, wir wissen bei allen Schulen, wo der Sozialindex ist. (Abg. Andreas Stoch SPD: An wie vielen Schulen?) Wir haben jetzt die sozialindexbasierte Ressourcenzuweisung – erst einmal in einem kleinen Modellprojekt; da gebe ich Ihnen völlig recht. Auch bei multiprofessionellen Teams haben wir entsprechende Zuweisungen gemacht. Das Programm „Lernen mit Rückenwind“ – das wissen Sie sehr genau – hat im Grunde genau den Effekt, dass wir – – 15 000 Leute oder Institutionen haben sich bei uns gemeldet, davon 9 000 Studierende, die bei uns an den Schulen entsprechend mithelfen. Wir haben die Zahl der pädagogischen Assistentinnen/pädagogischen Assistenten verdoppelt, wir haben ein Freiwilliges Soziales Jahr an den Schulen eingerichtet. Die Stellen sind alle besetzt. Es ist also nicht so, dass wir hier nur unter dem Tisch herumkriechen müssten. Davon ist überhaupt nicht die (Ministerin Theresa Schopper) Rede. Auch im Haushalt haben wir wirklich gut abgeschnitten. Natürlich, die Opposition muss immer mehr fordern, aber es ist so. Da ist es durchaus nicht so, dass der Schluck aus der Pulle bei uns kam, weil man wie kurz vor dem Verdursten in der Wüste gewesen wäre. (Heiterkeit des Abg. Andreas Schwarz GRÜNE) Also, da müssen Sie schon noch die Kirche im Dorf lassen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir werden das auch weiter ausbauen. Beim Startchancen-Programm des Bundes sind wir in den letzten Zügen. Auch davon wird Baden-Württemberg profitieren. Das geht alles nach dem Sozialindex an die Schulen. Wir sind da auf dem richtigen Weg, (Zuruf von den Grünen: Und Inklusion!) und wir werden das entsprechend weiter vorantreiben. Ich muss jetzt einfach noch einmal sagen: Schule allein wird es nicht richten können. Ich will Ihnen Zahlen dazu in Erinnerung rufen, was Kinder im Alter von eins bis sechs an Wörtern hören. Kinder aus bildungsaffinen Haushalten hören 45 Millionen Wörter. Sie hören sie, sie kennen sie noch nicht. Aber sie hören sie. Das ist natürlich immens wichtig für das, was Sprachbildung, Sprachentwicklung betrifft. Kinder aus Familien, die weniger bildungsaffin sind, hören 15 Millionen Wörter. Diesen Gap von 30 Millionen Wörtern werden wir allein an der Schule nicht schließen können. Wir arbeiten auch daran. Wir machen das mit der Elternstiftung, dass wir Familien über niedrigschwellige Angebote, über mehrsprachige Flyer, aber auch mit Onlineveranstaltungen das Schulsystem bei uns erklären. Wir müssen die Leute da noch einmal ganz anders mitnehmen, wir müssen aber auch die Eltern noch einmal entsprechend fordern und ihnen deutlich machen, was sie tun können. Das ist z. B. das Vorlesen, das ist, dass man im entsprechenden familiären Umfeld miteinander spricht. Das ist, denke ich, durchaus notwendig. Denn Schule allein – – Selbst wenn wir den gesamten Landeshaushalt in den Schulbereich fließen lassen würden, würden wir es allein mit Schule nicht schaffen, die Defizite zu beheben. Das ist für mich keine Ausrede, sondern es ist ein Encouragement der Eltern – die wir an dieser Stelle verstärkt brauchen, um erfolgreich zu sein. Ich will das Thema nicht am Migrationshintergrund festmachen – das ist mir noch einmal immens wichtig. Die PISA-Ergebnisse zeigen nämlich: Kinder aus der ersten Einwanderergeneration haben häufig große Schwierigkeiten, in der Schule entsprechend zu reüssieren. Das ist für uns ein Auftrag, die vielen Deutschkurse – VKL/VABO – noch einmal daraufhin anzuschauen, was hier nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ nachzubessern ist. Stellen Sie sich vor, Sie ziehen in ein Land, in dem Arabisch gesprochen wird, oder Sie wandern in ein asiatisches Land aus – es ist bestimmt nicht ganz einfach, dort sofort die Sprachkompetenzen zu erwerben, um zu reüssieren. Wie wir aber sehen, schneiden Kinder aus der zweiten Generation, die hier geboren sind, wenn ihre Eltern bildungsaffin sind, bei PISA genauso gut ab wie die deutschsprachigen Kinder, die hier geiode – 82. Sitzung – Mittwoch, 13. Dezember 2023 boren sind und deren Eltern Deutsche sind. Das Zerrbild, es liege nur am Migrationshintergrund – schöne Grüße an die rechte Seite hier –, (Zuruf des Abg. Hans-Peter Hörner AfD) ist nicht die Lösung, ist nicht der Schlüssel zum Erfolg. Wir stehen vor einer großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, und wir brauchen Lösungen gerade im Sinne der Kinder. Denn wir können es uns nicht leisten, faktisch 30 % der Schulabgängerinnen und Schulabgänger als funktionale Analphabeten aus den Schulen zu entlassen. Diese Kinder brauchen eine Perspektive – eine Perspektive, um in unserem Land zu arbeiten, um teilhaben zu können an unserer demokratischen Gesellschaft. Auch das müssen wir unseren Schulen noch mit auf den Weg geben. Das ist die eine Seite. Wir brauchen diese jungen Menschen aber auch als Fachkräfte für die Wirtschaft, und wir brauchen Verbesserungen ganz wesentlich deshalb, damit die Kinder selbst eine Perspektive haben. Ich danke Ihnen für das Angebot. Wir werden diesbezüglich auf Sie zukommen, und wir werden sicherlich gemeinsam an Lösungen arbeiten. Allerdings darf man meines Erachtens nun nicht so tun, als wäre hier alles in einem verheerenden Zustand; diesem Eindruck muss entgegengetreten werden. Im Sinne der Kinder und Jugendlichen liegt hier unsere Verantwortung, und wir sind auf einem guten Weg. Danke schön. (Beifall bei den Grünen und der CDU)

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