Muhterem Aras
Nein, die Zwischenfrage kann jetzt nicht gestellt werden, weil Sie jetzt keine Redezeit mehr haben. (Vereinzelt Heiterkeit) Für die Landesregierung erteile ich Frau Ministerin Walker das Wort. (Abg. Miguel Klauß AfD: Jetzt kommen die Mär- chenschlösser! Grüner Wasserstoff aus was weiß ich wo, aus Namibia!) Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Thekla Walker: Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Gäste! In der Tat befinden wir uns gerade in einer nicht sehr einfachen geopolitischen Lage. Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, von Öl, Gas und auch Kohle – zuletzt noch etwas mehr –, bringt uns in eine Abhängigkeit, die uns gleichermaßen auch internationalen Krisen, wie wir sie derzeit erleben, aussetzt. Im Rahmen dieser internationalen Krisen sind mit diesen Energieträgern Preisschocks verbunden. Das ist natürlich ein sehr großes Problem, eine große Verunsicherung für die Wirtschaft in Deutschland, aber auch in Europa insgesamt. Selbstverständlich bedeutet es auch eine große Unsicherheit für die Bürgerinnen und Bürger, wenn Lieferketten eben nicht mehr funktionieren oder wenn wir diese gar nicht mehr wollen – zu Recht nicht mehr wollen –, um nicht bestimmte Systeme dadurch zu finanzieren. Ich komme gleich darauf, was wir im vergangenen Winter erreichen konnten. Aber nach wie vor ist es so: Wir befinden uns noch immer in einer Abhängigkeit, wenn auch – Gott sei Dank – nicht mehr einseitig. Doch tatsächlich erlebten wir in den letzten Monaten immer wieder: Wenn z. B. plötzlich eine Pipeline havariert – zuletzt die Ostseepipeline; wir haben es gehört –, dann springt die Börse sofort an, und die Preise schnellen nach oben – mit allen Konsequenzen für diejenigen, die auf eine sichere, eine konstante und bezahlbare Energieversorgung angewiesen sind. Vorausgeschickt sei: Der Staat hat jetzt vielfach eingegriffen, damit die Spitzen, die durch diese Schwankungen auf der Basis der Abhängigkeiten immer wieder entstehen, durch Preissenkungen abgefangen werden. Das wird der Staat auf Dauer sicher nicht leisten können. Klar ist: Wir müssen uns aus dieser Abhängigkeit nachhaltig lösen, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Arnulf Frei- herr von Eyb CDU und Dr. Dorothea Kliche-Behnke SPD) Dazu kommt der vernünftige und kluge Ansatz, jetzt auch den Wärmesektor in den Emissionshandel auf europäischer Ebene einzubinden. Das wird einen Wandel auslösen, allein durch (Ministerin Thekla Walker) die Preisbildung. Das ist in Vorbereitung. Für die Bürgerinnen und Bürger beinhaltet das die wichtige Botschaft, dass die Preise in den nächsten Jahren deutlich steigen werden. (Abg. Anton Baron AfD: Aha! So deutlich kann man es den Bürgern nicht sagen!) Es ist, glaube ich, sehr wichtig, mit diesen Fakten umzugehen. Wir wollen das auch, weil wir sehen – wir haben vorhin Beispiele gehört –, wie klimaschädlich Frackinggas ist, wie klimaschädlich fossile Brennstoffe sind. Das haben wir hier schon vielfach diskutiert. Das gehört natürlich auch zu dieser Rechnung. Das heißt, die Bezahlbarkeit und die Effizienz müssen mit unseren Klimaschutzzielen übereinstimmen. Insofern haben wir da eine ganze Menge zu tun. Es gibt aber eben auch – das finde ich wichtig – einige gute Nachrichten, (Zuruf des Abg. Rüdiger Klos AfD) deutschlandweit, aber auch in Baden-Württemberg, im Hinblick auf die Frage, wie wir uns besser auf eine Wärmeversorgung, die nachhaltig und bezahlbar ist, vorbereiten können. Wir haben positive Beispiele auch hier im Land, die zeigen, wie das geht. Darauf möchte ich eingehen. Das Erste – das ist, meine ich, ohne Zweifel von allen so anzuerkennen –: Es war im vergangenen Winter eine wirkliche Kraftanstrengung, sich aus der einseitigen Abhängigkeit von Russland zu lösen und eine Diversifizierung hinzubekommen. Man konnte mehrere Quellen erschließen, die uns mit Gas, mit Öl, zum Teil auch mit Kohle versorgen. Es war wirklich eine große Leistung der Bundesregierung insgesamt – das betone ich noch einmal: insgesamt –, dass man das hinbekommen hat. Natürlich hat auch der zuständige Wirtschaftsminister massiv dazu beigetragen, dass LNG-Terminals und diese Infrastruktur, die wir auch weiterhin brauchen werden, im sogenannten Deutschland-Tempo aufgebaut werden konnten. Ich denke, dabei haben wir auch gezeigt, welche Möglichkeiten wir haben, wenn alle zusammenstehen, wenn alle an einem Strang ziehen und diese Entscheidungen dann auch umsetzen, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der SPD und der FDP/DVP) Ich begrüße sehr, dass ich von der Ministerpräsidentenkonferenz höre, dass wir einige Punkte, die wir im Zuge der schnellen Umsetzung gelernt haben, aber auch Punkte, die auf EU-Ebene ohnehin zur Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf den Weg gebracht worden sind, umsetzen müssen, weil wir dieses Deutschland-Tempo ausweiten wollen und auch ausweiten müssen. Denn wir haben viele Aufgaben in der Infrastruktur zu lösen, die schnell auf den Weg gebracht werden sollen. Wir können nicht bei jedem Vorhaben – Stichwort „not in my backyard“ – eine Pause einlegen, sondern müssen dafür sorgen, dass wirklich alle an einem Strang ziehen und dass wir nicht durch Einzelinteressen, so berechtigt sie sein mögen, ausgebremst werden, meine Damen und Herren. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen) ode – 77. Sitzung – Mittwoch, 8. November 2023 Viele Punkte, die ich gerade genannt habe, haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Gasspeicher jetzt zu über 100 % gefüllt werden konnten. Das heißt, wir sind besser aufgestellt als im letzten Winter. Man muss aber dazusagen: Auch das Sparen hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Das war eine große Gemeinschaftsaufgabe, und zwar von allen Bürgerinnen und Bürgern, von Unternehmen, von Industriebetrieben sowie von Kommunen, die das wirklich unterstützt haben und die im vergangenen Winter dazu aufgerufen haben. Das war eine ganz große Gemeinschaftsleistung, dass man Energie eingespart hat. Das sollten wir im Kern, weil es auch für den Klimaschutz wichtig ist, effizient mit Energie umzugehen, auch beibehalten, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen sowie Abgeordneten der CDU und der SPD) Denn jedes Grad – das wiederhole ich immer wieder gern, weil es einfach wichtig ist –, auf das Sie weniger heizen, senkt den Energieverbrauch um 6 % – 6 %! –, und das ist in diesen Zeiten durchaus von Bedeutung. Wir haben über das Thema Wohnen und darüber gesprochen, wie teuer das ist. 50 % der Betriebskosten von Häusern und Wohnungen werden durch die Wärmeversorgung – warmes Wasser, Wärme im Haus – verursacht. Ich finde daher die Frage, ob man selbst etwas tun kann, nicht trivial. Studien zeigen, dass 90 % aller Haushalte durch Verhaltensänderungen deutlich Energie und damit Kosten sparen können. Natürlich – das darf und muss man auch sagen – sind auch Sanierungen von großer Bedeutung. Allein eine Außendämmung führt zu einer Energieeinsparung von 20 %, und sie amortisiert sich innerhalb von zehn Jahren. Ich weiß, es gab heute viel Kritik an der Wohnungspolitik des Bundes, aber man muss schon sagen: Es gibt im Moment sehr gute Förderbedingungen, sowohl für den Heizungstausch als auch für die Gebäudesanierung. Ich kann nur jedem raten, zu überprüfen, ob es nicht sinnvoll wäre, genau hierin zu investieren, um Energie zu sparen und den Wert des Gebäudes für die kommenden Jahre zu steigern. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD sowie der Abg. Dr. Natalie Pfau-Weller und Tobias Vogt CDU) Das war für mich die zweite positive Botschaft: diese Potenziale wirklich zu nutzen und Förderungen bis zu 70 % in Anspruch zu nehmen. Das ist richtig viel Geld, das Deutschland in die Hand nimmt. Wir sind viel unterwegs, auch im Rahmen von Delegationsreisen. Ich darf Ihnen verraten: Es ist nicht überall in Europa so, dass die Förderungen so ausgestaltet sind, dass wirklich jedem ermöglicht wird, die Energiewende mit umzusetzen. Ich sage das natürlich in dem Bewusstsein, dass die Verunsicherung durch die Debatte in diesem Jahr sehr groß war. Das ist völlig nachvollziehbar. Aber jetzt lohnt es sich wirklich, noch mal nachzuschauen, wie die Bedingungen sind. Man kann selbst auch einiges steuern und damit Kosten sparen. Wir, das Land – das ist eine weitere wichtige Positivbotschaft –, unterstützen die Haushalte auch dabei, weil wir die Wärmeplanung vorantreiben. Die kommunale Wärmeplanung ist die zentrale Voraussetzung dafür, dass wir in Zukunft unsere Klimaziele erreichen, dass wir CO sparen, dass wir aber auch Kosten sparen; denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir (Ministerin Thekla Walker) aus den fossilen Energieträgern aussteigen können und dass man ein Angebot an alle Bürgerinnen und Bürger machen kann. Das gibt Sicherheit für alle Beteiligten. Warum? Weil sie – das ist wirklich besonders bei uns in Baden-Württemberg – schon Ende dieses Jahres in den großen Städten und kreisfreien Städten – das sind 104 – nachschauen können, was in ihrem Quartier für die Wärmeversorgung geplant ist: Wird es Fernwärme geben, wird es andere Möglichkeiten der Wärmeversorgung geben? Also, es gibt eine konkrete Planung der Potenziale und auch der Möglichkeiten, die bei ihnen vor Ort da sind. Dem haben sich auch schon 179 kleinere Kommunen im Land angeschlossen. Wir haben gleich zu Beginn dieser Legislaturperiode die Förderung erweitert. Gerade für die kleineren Kommunen ist es wichtig, dass man das auch im Konvoi machen kann, weil man eben nicht über Planungskapazitäten in dem Umfang verfügt wie die größeren. Aus 132 Kommunen haben sich 30 Konvois gebildet; 47 machen selbst eine Wärmeplanung. Ich denke, das ist eine wirklich gute Orientierung für alle. Übrigens hat sich der Bund beim Wärmeplanungsgesetz auch an uns orientiert. Also, die wesentlichen Eckpfeiler der Wärmeplanung in Baden-Württemberg, bei der wir Vorreiter sind, sind jetzt Blaupause für ganz Deutschland, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen und der Abg. Dr. Natalie Pfau-Weller CDU) Das ist wichtig für alle Entscheidungen, die in den kommenden Jahren folgen müssen. Die Begründung haben wir jetzt vielfach gehört: Sich dieser krisenhaften Welt und den volatilen Märkten nicht mehr aussetzen zu müssen, ist Begründung genug. Jetzt will ich Ihnen auch Beispiele geben, die im Land schon laufen. Denn das ist nicht etwas, was nur in irgendwelchen Papieren steht, sondern das wird bereits umgesetzt. Der Landkreis Lörrach hat als erster Landkreis für alle Städte und Gemeinden eine Wärmeplanung durchgeführt. Dazu gehört jetzt in der Analyse, dass sie natürlich erneuerbare Energien ausbauen wollen. Sie wollen Tiefengeothermie einsetzen, sie werden auch Wärmenetze ausbauen. Also, sie haben einen Plan für alle gemacht, der jetzt umgesetzt wird. Das Gute ist: Es ist auch ein Beispiel für andere. Man hat einen Wärmeverbund gegründet mit verschiedenen Energiewirtschaftsunternehmen, die sonst nicht zusammenarbeiten, wie die badenova oder die Stadtwerke. Die sitzen jetzt an einem Tisch und loten gemeinsam aus: Wie können wir das hier bei uns im Landkreis vollständig ausrollen und alle beteiligen? Dieses kooperative Modell ist aus meiner Sicht vorbildlich, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen und der SPD) Wenn Sie jetzt sagen: „Na ja, Lörrach ist ein großer Landkreis, da hat eben der Landkreis alles unterstützt und hat seine Kapazitäten bereitgestellt, was ja in kleineren Städten nicht geht“, möchte ich Ihnen ein weiteres Beispiel nennen: Die jüngste Stadt in Baden-Württemberg – Tamm, 13 000 Einwohner – hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 ihre Wärmeversorgung klimaneutral sicherzustellen. Der erste Plan, den sie sich für die Wärmeplanung überlegt und vorgelegt haben, erschien im Herbst 2021. Der erste Spatenstich zur Umsetzung erfolgte fünf Monate später. Jetzt wird in Tamm Fernwärme verlegt. iode – 77. Sitzung – Mittwoch, 8. November 2023 Über 70 % der Haushalte haben sich dafür entschieden. Das ist eine echte Erfolgsstory aus Baden-Württemberg. Das Rezept – das sage ich Ihnen – ist, dass in Tamm alle dahinterstehen. Alle stehen dahinter. (Beifall bei den Grünen) Alle haben sich zusammengesetzt, haben entschieden: Wir wollen in diese Richtung gehen. Dann ist es durchaus möglich, auch schneller voranzukommen, als es zum Teil kolportiert wird. Also, wenn wir uns jetzt diese verschiedenen Faktoren, die uns derzeit beschäftigen, anschauen, was lernen wir daraus? Wie müssen wir eigentlich weiter vorgehen? Jetzt habe ich Beispiele der Wärmeplanung in baden-württembergischen Landkreisen, Städten oder sogar kleinsten Städten genannt. In der letzten Woche waren wir in Dänemark. Mit Dänemark haben wir einen europäischen Nachbarn, der sich als ganzer Staat bereits vor langer Zeit entschieden hat, die Wärme- und Energieversorgung auf neue Füße zu stellen. Manche von Ihnen, manche von uns erinnern sich daran, dass 1973 die Ölkrise hohe Wellen geschlagen hat. Gerade in der letzten Energiekrise, die wir diesen Winter hatten, hat sich mancher daran zurückerinnert. Ein autofreier Sonntag wäre keine schlechte Idee gewesen. Damals hat man es gemacht. Wir sind relativ schnell wieder zurückgekehrt zur Gas- und Ölversorgung. Dänemark hat damals entschieden: Wir wollen uns unabhängig machen. (Beifall bei den Grünen) Dänemark wollte sich unabhängig machen, und im Gegensatz zu uns, die wir im Kern zu 85 % von fossilen Energieträgern abhängig sind, liegt in Dänemark in der Wärmeversorgung der Gasanteil jetzt nur noch bei 15 %, der Ölanteil bei 8 %, und es wird ganz wenig Kohle genutzt. Drei Viertel der Däninnen und Dänen haben Fernwärme. Was auch noch sehr lobens- und erwähnenswert ist – weil ich auch über das Sparen gesprochen habe –: In Dänemark ist es selbstverständlich, dass jeder Haushalt ständig abrufen kann, wann der günstigste Strom, wann die günstigste Energie zur Verfügung steht. Auch dieses Element ist aus meiner Sicht extrem wichtig; für Däninnen und Dänen ist es ganz normal, dass man immer wieder schaut: Wann kann ich besonders günstige Energie verbrauchen? Es hilft bei allen großen Fragen wie Netzausbau, Infrastruktur, aber auch Produktion von Energie, dass im Prinzip alle gemeinsam die Effizienz immer im Kopf, immer im Handy haben und sehen können: Wo stehen wir gerade? (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Es ist klar, dass man bei dieser neuen Energieversorgung, die man dort sehr gut betrachten kann, auch auf Diversifizierung setzt. Wir haben gerade davon gesprochen, dass Diversifizierung auch beim Bezug von Gas wichtig ist. Es ist aber auch bei der Energie- und Wärmeversorgung vor Ort in der Kommune wichtig, dass man auf mehrere Pfeiler setzt. So steigt man jetzt z. B. im großen Hafen Esbjerg in Dänemark aus dem letzten Kohlekraftwerk aus. Wie machen sie (Ministerin Thekla Walker) es? Mit der größten Meerwasserwärmepumpe – übrigens geliefert mit deutscher Technologie von MAN; das stellt auch eine gute Möglichkeit dar, Technologien aus Deutschland zu exportieren –, aber auch mit Abwärme aus Abfallverbrennung, Biomassekraftwerk usw. usf. Es gibt dann quasi eine Kombination, die dafür sorgt, dass man immer flexibel und resilient, je nachdem, was aus diesen verschiedenen Quellen zur Verfügung steht, kostengünstige Energie beziehen kann. Ich finde, das ist auch ein unglaublich innovatives Konzept. Wenn man es sich anschaut: Die Meerwasserwärmepumpe ist erst in diesem Jahr angeschlossen worden. Das ist ein hervorragendes Beispiel. Man muss natürlich immer schauen, dass man gute Beispiele in diesem Bereich kopiert. Ich möchte aber noch auf etwas anderes hinaus: Seit 1973 ist viel Zeit vergangen. In Dänemark gibt es oft auch Minderheitenregierungen. In Dänemark ist aber klar: „Wir verständigen uns auf lange Linien der Politik. Davon weichen wir nicht ab.“ Es gibt Kernpunkte wie z. B. den Ausstieg aus den fossilen Energien und eine neue Wärmeversorgung. Das haben alle demokratischen Parteien gemeinsam vereinbart. Daran hält man sich. Das ist ein Erfolgsrezept; denn das gibt Planungssicherheit für die Wirtschaft, für die Bürgerinnen und Bürger. Wenn dann wirklich einmal alle an einem Strang ziehen und nicht ständig gegeneinander kämpfen, erreicht man auch etwas, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen – Abg. Anton Baron AfD: Man sieht es!) In Baden-Württemberg haben wir auch etwas vorzuweisen. Wie gesagt, die Wärmeplanung ist gut. Es gibt schon Beispiele, die zeigen, wie man etwas umsetzen kann. Wir haben aber auch tolle, innovative technologische Großprojekte wie die größte Flusswärmepumpe in Mannheim, am Rhein. Das ist ein ganz hervorragendes Projekt. In Heidelberg ist der Großwärmespeicher gerade in den letzten Zügen der Fertigstellung. Dieser funktioniert wie eine große Thermoskanne. Da wird mit einem neuen Konzept Energie gespeichert. Ich war am Montag – Frau Kollegin Dr. Pfau-Weller war auch dabei – beim Fuel Switch in Altbach/Deizisau. Da wird das Kraftwerk umgestellt, Wasserstoff-ready gemacht. Erst gibt es den Betrieb mit Gas, aber dann natürlich mit Wasserstoff. Hier gibt es also einiges, was innovativ und gut auf dem Weg ist. Wir setzen auch in Baden-Württemberg bei der Wärme, schon bevor der Bund über das GEG diskutiert hat, auf verschiedene innovative, aber effiziente Technologien. Die Technologien müssen effizient sein; das ist wichtig. Es ist egal, ob es Flusswärmepumpen sind, Wärmepumpen in Häusern, Pellets, Abwärme, Geothermie oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, bei denen man unterschiedliche Energieträger einspeisen kann. Es sind ganz verschiedene Technologien möglich. Das heißt: Wir sind technologieoffen. Aber wir sind nicht beliebig; denn am Ende muss es sich rechnen, und es muss nachhaltig sein, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wasserstoff ist ohne Zweifel ein wichtiger Baustein in dieser ganzen Energiewende. Ich habe mich massiv dafür eingesetzt, ode – 77. Sitzung – Mittwoch, 8. November 2023 dass wir im Bundesrat dafür sorgen, dass die Genehmigung von Elektrolyseuren deutlich erleichtert wird, dass kleinere überhaupt nicht genehmigt werden müssen und größere erst ab einer Leistung von 130 MW. Auch das soll natürlich vieles hier im Land, was wir uns vorgenommen haben, vereinfachen. Wasserstoff muss aber – ganz klar – nach Baden-Württemberg importiert werden. Da sind wir dran. Es ist keine triviale Aufgabe, das aus allen Himmelsrichtungen zu organisieren. Ich bin sicher: Wir werden das schaffen; wir werden das hinbekommen. Grüner Wasserstoff wird im Energiesystem auf jeden Fall eine große Rolle spielen; dass er das aber in einzelnen Wohnhäusern tun wird, möchte ich hingegen bezweifeln. Manche suggerieren ja, man bräuchte im Keller nur den Gasschalter auf Wasserstoff umzulegen, und dann liefe das. Man muss schon daran erinnern: Die Industrie – das haben wir zuletzt wieder festgestellt – hat einen sehr hohen Bedarf an Wasserstoff für die Produktion, und sie hat keine Alternative. Gerade für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist für mich oberstes Gebot, dass Wirtschaft und Industrie den Wasserstoff, den sie wirklich dringend brauchen, in einer ausreichenden und bezahlbaren Menge erhalten, meine Damen und Herren. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Strategisch ist es natürlich wichtig, dass man dort Speichermöglichkeiten errichtet, wo sie geologisch sinnvoll sind. Herr Bonath, Sie haben den Porenspeicher erwähnt. Dieser eignet sich einfach nicht, um dauerhaft Wasserstoff zu speichern. Das ist nicht die richtige Speichergeologie. Man muss schauen, wo das Sinn macht. Ein solcher Speicher muss nicht zwangsläufig in Baden-Württemberg sein, sondern muss strategisch so liegen, dass Süddeutschland einen guten Anschluss findet. Das ist eigentlich das Gebot. Daher, denke ich, sollte man das nicht als ein Beispiel herausgreifen, um zu demonstrieren, wir hätten da überhaupt nichts zu bieten; im Gegenteil: Wir arbeiten sehr intensiv daran. Insgesamt, finde ich, gibt es viele gute Nachrichten. Man kann hier in Baden-Württemberg echt etwas auf die Beine stellen. Wir können zuversichtlich auf die kommenden Winter blicken. (Zuruf des Abg. Dr. Uwe Hellstern AfD) Klar ist aber auch – das möchte ich am Schluss noch einmal sagen, weil ich hier Dänemark so prominent dargestellt habe –: Wir werden am meisten erreichen, wenn wir uns wirklich übergreifend und bis zur kommunalen Ebene darauf einigen, was wirklich notwendig ist – und wovon wir dann auch nicht mehr abweichen. Thema Atomenergie – ich glaube, das muss man einfach sagen –: Es ist entschieden. Es ist schon lange entschieden. Es ist mehrfach entschieden. Man muss jetzt nicht unbedingt noch einmal eine Geisterdebatte führen. Wir haben so viele – – (Beifall bei den Grünen und der SPD) (Ministerin Thekla Walker) Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich fand es grundsätzlich richtig, dass man die Laufzeit um drei Monate verlängert hat, dass man geschaut hat: Macht das Sinn, ist es notwendig? Aber langfristig ist es nicht effizient. Man ist weiter importabhängig. Atomenergie hat außerdem sehr hohe volkswirtschaftliche Folgekosten. Ich kann ja in Baden-Württemberg nicht mal den freigemessenen Bauschutt aus einem stillgelegten Atomkraftwerk irgendwo unterbringen, weil sich die Landkreise dagegen wehren. So ist die Lage. Deswegen muss man da, glaube ich, ein bisschen vorsichtig sein. Aber ich bin jetzt auch nicht traurig darüber, dass wir das nicht reaktivieren können; wir haben so viele andere, neue, innovative Technologien. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, das im Land weiter auszubauen. Dann werden wir das auch so gut hinbekommen wie Dänemark; da bin ich sicher. (Abg. Anton Baron AfD: Seit wann sind Windräder innovativ?) Danke schön. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU)
