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Alexander Schoch

GRÜNE 25.10.2023 Sitzungen 17/76

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Alexander Gerst hat 2014 einen bemerkenswerten und vor dem Hintergrund der Klimakrise noch immer aktuellen Satz gesagt. Sie erlauben, dass ich ihn zitiere. Die Raumfahrt ermöglicht uns, die Erde aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie zeigt uns eine felsige Kugel mit einer erschreckend dünnen Atmosphäre, die einmal im Jahr um die Sonne kreist. Dieser kleine ... Punkt ist unser Raumschiff, und wir können uns aussuchen, ob wir nur als Passagier mitfliegen oder als Teil der Mannschaft. Ich bin für die Mannschaft, mit dem klaren Auftrag, unseren blauen Planeten als Lebensraum zu erhalten. (Beifall bei den Grünen) Die von Menschen verursachte Klimakrise wird zur Klimakatastrophe, wenn wir den Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch reduzieren. Schon heute nehmen weltweit extreme Wetterereignisse wie Stürme, Hitze und Dürre stark zu. Auch die Gletscher schmelzen ab, und der Meeresspiegel steigt an. Um die Veränderungen des Klimas auf unserer Erde und die Wirkung von Maßnahmen gegen den Klimawandel vernünftig zu analysieren, kommt der Erdbeobachtung mit Satelliten große Bedeutung zu. Sie sind unverzichtbare Helfer gegen den Klimawandel. Baden-Württemberg gehört zu den bedeutendsten Standorten der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland. Gerade in den Bereichen Satellitenherstellung, Systemanbieter der Komponenten und Ausrüstung ist Baden-Württemberg führend, (Alexander Schoch) wie aus der Stellungnahme der Landesregierung zu unserem Antrag hervorgeht. Daher ist es auch nur konsequent, dass die Landesregierung im Juli den Startschuss für die neue Luft- und Raumfahrtstrategie gegeben hat und dass vor einem Monat der Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress hier in Stuttgart stattgefunden hat. Dies sind gute Botschaften; denn die Luft- und Raumfahrt ist Technologie- und Konjunkturmotor und verbindet fast alle Hochtechnologien des Informationszeitalters, sei es Elektronik, Robotik oder Mess-, Steuerungs-, Werkstoff- und Regeltechnik. Mit der neuen Luft- und Raumfahrtstrategie möchte die Landesregierung den Standort Baden-Württemberg mit seinen 16 000 Beschäftigten in der Luft- und Raumfahrtbranche und mit einem Umsatz von über 5 Milliarden € pro Jahr für die Zukunft sichern, weiterentwickeln und stärken. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass die Unternehmen rund 17,5 % ihres Umsatzes in die Forschung reinvestieren. Die Branche trägt zur Wertschöpfung bei und leistet hinsichtlich der Industrialisierung einen enormen Beitrag. Die globale Umwelt- und Klimaforschung, Digitalisierung und Sicherheit wären ohne Pionierleistung dieser Branche nicht möglich gewesen. Daher muss sie als kritische Infrastruktur angesehen werden. Marktanalysen schätzen, dass sich der globale Raumfahrtmarkt bis 2040 verzehnfachen wird. Der Erfolg der baden-württembergischen Unternehmen ist eng verbunden mit einem großen Anteil von regional angesiedelten Zulieferern, Ausrüstern und IT-Dienstleistern, eingebunden in eine ausgezeichnete Forschungsinfrastruktur. Beispielhaft sei hier die Universität Stuttgart mit der größten Luft- und Raumfahrtfakultät in Europa genannt. Es ist meines Erachtens daher richtig, dass die Landesregierung einen Schwerpunkt z. B. auf den New-Space-Sektor setzt; denn genau hier unterstützt sie die kreativen Start-ups und die starken mittelständischen Betriebe. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Denn die Entwicklungs- und Produktionszyklen in der Raumfahrt werden sich verändern und klimaneutral weiterentwickeln müssen. Gerade für den Klimaschutz können Satelliten und Satellitenkonstellationen zur Erdbeobachtung ein sehr genaues Bild abgeben. Raumfahrttechnologien, insbesondere Satellitendaten, können zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beitragen, die auf Seite 5 in der Stellungnahme der Landesregierung zu unserem Antrag zu lesen sind, und auch das Thema „Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft in der Luftfahrt“ kann hier vorangetrieben werden. Auch die Entwicklung autarker energiesparender Anlagen für die Lebenserhaltung ist ein wichtiger Bereich in der Astronautik. Menschen auf der Raumstation benötigen sauberes Wasser, Nahrung und saubere Luft, die weitgehend aus geschlossenen Kreisläufen gewonnen werden. Diese Anwendungszweige werden auch auf der Erde immer wichtiger, um so eine energieeffiziente lokale Versorgung der Bevölkerung – entriode – 76. Sitzung – Mittwoch, 25. Oktober 2023 weder in Gebäuden oder in Regionen, z. B. nach Naturkatastrophen – zu gewährleisten. Genannt sei aufgrund der Zunahme der Zahl von Katastrophen in den letzten Jahren auch der Katastrophenschutz mit besonderen Daten, z. B. aus dem Weltraum. Bessere Vorhersagen für Unwetter sind zu erwarten, wenn diese Systeme weiter ausgebaut werden. Auch das Thema Sicherheit wird uns in der Zukunft deutlich stärker beschäftigen müssen. Vor dem Hintergrund des aktuellen Nahostkonflikts oder auch des Ukrainekriegs ist dies wichtig und nachhaltig für die Sicherheit von Europa. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Aber auch hinsichtlich des Weltraumschrotts ist es wichtig, entsprechende Daten zu bekommen und Sicherheitskonzepte zu erstellen, weil dieser Weltraumschrott entsprechende Gefahrenpotenziale birgt und z. B. durch die Kreislaufwirtschaft verhindert werden kann, dass weiterer Schrott in das Weltall kommt. Die Stellungnahme zu unserem Antrag gibt einen guten Überblick über die universitären Studienangebote und über die Aktivitäten der wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen. Es freut mich auch, dass sich die Landesregierung mit verschiedenen politischen Initiativen für den Standort Baden-Württemberg einsetzt, um den Luft- und Raumfahrtstandort Baden-Württemberg zu stärken. Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist damit, obwohl eine vergleichsweise kleine Branche, von enormer strategischer Bedeutung für die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Darum ist es richtig, dass die Landesregierung auf die neue Luft- und Raumfahrtstrategie setzt. Investitionen in die Luft- und Raumfahrt sind Investitionen in den Klimaschutz. Danke schön. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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