landtag-bw.de ↗

Frank Bonath

FDP 12.10.2023 Sitzungen 17/75

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Kürzlich wurde die Studie „Sektorziele 2030 und klimaneutrales Baden-Württemberg 2040“ veröffentlicht. Diese Studie zeigt deutlich, dass das Ziel, in Baden-Württemberg 2040 klimaneutral zu sein, freundlich gesagt schwer und realistisch gesagt eigentlich nicht zu erreichen ist. Wir haben ein Bundesziel bis 2045 und ein Europaziel bis 2050. Das heißt, wir müssen es spätestens bis 2050 geschafft haben, auch in Baden-Württemberg klimaneutral zu sein. Darum ist es uns wichtig, dass wir alle Technologien nutzen, die helfen, dieses Ziel zu erreichen. Wir bringen heute deshalb zum wiederholten Mal das Thema CCU/S ein, also das Thema, CO aus der Atmosphäre herauszufiltern und langfristig zu speichern oder zu nutzen. (Beifall bei der FDP/DVP und des Abg. Gernot Gru- ber SPD) Für Japan gilt CCU/S als Gamechanger, und Japan möchte dieses Verfahren auch in der Energiewirtschaft, im Energiesektor einsetzen. Beim Besuch des Umweltausschusses in Brüssel bei der EU-Kommission hat sich dann herausgestellt, dass auch alle Länder in der EU außer Deutschland und Österreich diese Technologie zur Erreichung ihrer Ziele einsetzen; nur wir sehen das kritisch. Diese Technologie funktioniert. Die Abscheidung gelingt, und sowohl der Transport von CO als auch das Verpressen in der Nordsee erfolgen bereits. Alles, was wir hier fordern, funktioniert also schon. Die stoffliche Verwertung und stoffliche Nutzung im Kreislauf funktionieren ebenfalls. Der Clou dieser Technologie ist jedoch, dass wir CO aus der Atmosphäre entfernen und damit mehr CO aus der Atmosphäre nehmen können, als wir in die Atmosphäre geben. Das ist das Besondere an dieser Technologie, die auch für den Industriestandort Baden-Württemberg zum Gamechanger werden kann. (Beifall bei der FDP/DVP) Wir fordern Sie auf, für den Einsatz dieser Technologie offen zu sein. Seien Sie nicht nur für die Restemissionen bzw. die unvermeidbaren Restemissionen im Zementwerk offen, sondern seien Sie für alle Anwendungen offen, die sich die Industrie ausdenkt. Baden-Württemberg ist das Land der Tüftler, und am Karlsruher Institut für Technologie wurde kürzlich ein Gerät mit der Bezeichnung „CO -Staubsauger“ vorgestellt. Um CO aus 2 2 der Luft abzuscheiden, muss sehr viel Luft bewegt werden; (Frank Bonath) man braucht ungefähr 2 500 Teilchen, um ein Teilchen CO herauszufiltern. Sehr viel Luft wird in Lüftungs- und Klimaanlagen bewegt, und das KIT hat jetzt ein Gerät entwickelt, das in Klimaanlagen eingebaut werden kann, um aus der Luft, die darin sowieso umgewälzt wird, CO herauszufiltern. Wenn man das zu Ende denkt: Wenn man ein solches Gerät auf großen Gebäuden und auf Industrieanlagen installieren würde, dann ergäbe das ein Potenzial von 17 Millionen t CO bzw. ließen sich auf diesem Weg 2 % unserer Emissionen herausfiltern. Es gibt also viele Anwendungen, und in Zukunft wird es noch mehr Anwendungen geben. Es geht aber nicht nur darum, das CO abzuscheiden und CO herauszunehmen. Vielmehr muss 2 2 das CO , wenn das gemacht worden ist, auch transportiert werden. Wenn wir das langfristig, dauerhaft z. B. in der Nordsee einlagern wollen, dann brauchen wir Infrastruktur. Wir kennen das Thema Infrastruktur von fehlenden Stromnetzen, von fehlenden Übertragungsleitungen, von einem fehlenden Wasserstoffnetz. Jetzt darf es uns beim Thema CO nicht wieder passieren, dass wir in Baden-Württemberg keine Infrastruktur haben, um das CO abzutransportieren. Deshalb fordern wir im Beschlussteil unseres Antrags auch, dieses Thema jetzt anzugehen und nicht auf den Bund zu warten, nicht auf das grüne Bundeswirtschaftsministerium zu warten, sondern hier in Vorleistung zu gehen. (Beifall bei der FDP/DVP) Mit dem Thema CO wird man in Zukunft Geld verdienen. Die CO -Wirtschaft wird weltweit ein Business Case werden. Weltweit gibt es sehr viele Entwicklungen – auch bei uns in Baden-Württemberg, aber vor allem in Asien –, und auch wir in Baden-Württemberg werden davon profitieren, und unsere Industrie wird da auch mitgehen. Ich möchte aber nicht wie jetzt bei vielen Unternehmensbesuchen in wenigen Jahren Unternehmen besuchen, die mir dann sagen: „CO abscheiden können wir schon. Aber was machen wir mit dem CO ? Wir bekommen es nicht wegtransportiert.“ Darum ist es jetzt wichtig, unserem Antrag heute zuzustimmen, um die Chance zu erhöhen, die Klimaneutralitätsziele in Baden-Württemberg zumindest bis 2050 zu erreichen. Vielen Dank. (Beifall bei der FDP/DVP)

Alle Reden von Frank Bonath Protokoll ↗