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Muhterem Aras

11.10.2023 Sitzungen 17/74

Es waren so viele Fragen, und es war so spannend, dass es einen extra Applaus gibt. – Für die Landesregierung erteile ich das Wort Frau Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut. Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Tat, der Fachkräftemangel ist eines der Topthemen, ein Thema, das die Wirtschaft in ihrem Wachstum massiv beeinträchtigt und das auch uns, die Landesregierung, und vor allem die Landesverwaltung in besonderer Weise herausfordert. Das betrifft die Situation der Kolleginnen und Kollegen in den Ministerien; es geht aber auch um die Kleinkindbetreuung und um viele andere Bereiche, etwa in der Pflege. Auch wir müssen also mit den derzeitigen Herausforderungen kämpfen. Wir befinden uns inmitten des demografischen Wandels. Die Demografie verknappt das Fachkräfteangebot, und durch die Veränderungen, die Strukturveränderungen, die Transformation, ändert sich gleichzeitig auch die Nachfrage nach Fachkräften, und zwar mit enormer Dynamik. Es geht also um den demografischen Wandel, um die Transformation und um die große Aufgabe, dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen – Stichwort Dekarbonisierung. Das sind Veränderungsprozesse, die bezüglich von Angebot und Nachfrage zu großen Veränderungen führen. In erster Linie – das ist keine Frage – ist die Fachkräftesicherung Aufgabe der Unternehmen an sich. Wir seitens der Politik müssen aber in unterstützender Weise einen Rahmen bilden, und zwar so, dass dies auch bei den aktuellen Herausforderungen greift. Ein Kernbereich, für den wir selbst Verantwortung tragen und bei dem wir direkt Einfluss nehmen können, ist natürlich die berufliche Bildung. Unser berufliches Bildungssystem leistet einen entscheidenden Beitrag zur Fachkräftesicherung. Das Ausbildungsjahr hat gerade erst begonnen; deshalb bitte ich alle, zu werben: Es sind noch immer offene Ausbildungsstellen ausgeschrieben, und die Unternehmen sind bereit, auch jetzt noch junge Menschen in eine Ausbildung aufzunehmen. An alle, die heute hier sind: Bitte werben Sie im Freundesund Bekanntenkreis! Denn eine berufliche Ausbildung ermöglicht den jungen Menschen exzellente Perspektiven für ein erfolgreiches Erwerbsleben. Qualifizierung schützt auch vor Arbeitslosigkeit, und sie schafft die Perspektive, im Berufsleben höhere Einkommen erzielen zu können. Dies ist von unendlich großem Wert, und das müssen wir den jungen Menschen und deren Eltern auch immer wieder vermitteln. Zum Zweiten ist für die Betriebe die Ausbildung im eigenen Unternehmen natürlich eine Chance, den Fachkräftenachwuchs auf die aktuellen Bedarfe – diese unterliegen ja auch weiterhin einer steten Veränderung – auszurichten und dadurch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, die ihrerseits eine möglichst hohe Wertschöpfung für das Unternehmen generieren. Was die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung betrifft, müssen wir dies noch viel stärker nach außen tragen. Wir haben jetzt die AzubiCardBW eingeführt; diese AzubiCardBW ist eine einheitliche Ausweiskarte für Auszubildende. Wir wollen den jungen Menschen, ähnlich wie (Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut) beim Studentenausweis, damit das Gefühl vermitteln: Wenn ich die AzubiCardBW vorlege, dann werde ich in Kunst und Kultur, aber auch in anderen Bereichen Vergünstigungen bekommen und werde entsprechende Angebote nutzen können. Insofern konnte nun auch in diesem Bereich eine Gleichwertigkeit erreicht werden. Die Pandemie hat zu einem herben Einschnitt geführt. Winfried Mack hat ja auch auf das Problem hingewiesen, in ausreichender Zahl junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu gewinnen. Wir haben gemeinsam mit den Verbänden und den Betrieben – es wurde ja gefragt, was wir getan haben – in dieser Zeit, in der die Berufsorientierung in den Schulen nicht in gewohnter Art und Weise gelebt werden konnte und auch die digitalen Angebote sich als nicht besonders erfolgreich erwiesen haben – es fehlten die persönlichen Kontakte; das war eine Lektion, die wir gelernt haben; gut, das lag nicht in unserem Einflussbereich; die Begegnungen wurden nun einmal reduziert, und deswegen hatten wir gar keine andere Wahl –, die – Sie erinnern sich – Praktikumswochen auf den Weg gebracht, „5 Tage, 5 Betriebe“, und diese Praktikumswochen werden auch jetzt wieder angeboten, und zwar um die Herbstferien herum. Dadurch können die Schülerinnen und Schüler Kontakt zu Unternehmen bekommen; sie können in allen Bereichen in direkten Bezug treten und erleben und erfahren: Was bedeutet es, in einer Schreinerei zu arbeiten, in einem metallverarbeitenden Betrieb oder auch bei einem Architekten oder einem Steuerberater? Wir haben da das Handwerk an unserer Seite, das da wirklich interessante Angebote macht, und zwar in einem breiten Spektrum über alle Branchen. Wir freuen uns, denn wir haben im laufenden Ausbildungsjahr tatsächlich eine Trendwende erreicht: Wir haben mehr bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Bewerber; wir haben eine nach wie vor hohe Zahl von Ausbildungsstellen, und es wurden jetzt auch mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das freut uns natürlich in besonderer Weise. Zum Zeitpunkt des Ausbildungsstarts gab es ein Plus von 6,6 % bei den IHK-Berufen und ein Plus von 2,7 % im Handwerk. Wir sind uns natürlich dessen bewusst – manche sprechen ja schon vom „Kampf um Talente“ –, dass wir auch mit anderen Bereichen, mit anderen Möglichkeiten konkurrieren. Aber ich bin überzeugt: Wir haben ein durchlässiges System, und wenn jemand in eine berufliche Ausbildung geht, dann stehen ihm im Grunde alle Türen offen, um sich auch danach weiterzubilden und weiterzuqualifizieren, egal, in welchem Bereich. Winfried Mack hat noch gefragt, was die Landesregierung macht, um eine Erhöhung des Fachkräfteangebots zu unterstützen, um hier auch zu begleiten. Wir setzen ganz stark auf Berufsorientierung, wir setzen ganz stark auf Aus- und Weiterbildung. Wir haben vielfältige Angebote, um die Frauenerwerbstätigkeit zu steigern. Wir haben vielfältige Angebote, um auch Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen. Ein ganz wichtiger Bereich sind natürlich auch internationale Fachkräfte. Auch da sind wir aktiv, sodass wir zumindest einen Teil dazu beitragen, die Unternehmen in unserem Land zu unterstützen, wenngleich uns dieser limitierende Faktor, der demografische Wandel, noch viele Jahre beschäftigen wird. Das wissen wir auch. Aber wir versuchen, über diese Maßnahmen die Betriebe und alle Institutionen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen, zu unterstützen. ode – 74. Sitzung – Mittwoch, 11. Oktober 2023

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