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Dr. Patrick Rapp

20.07.2023 Sitzungen 17/72

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege Reith, Coaching die Zweite. Sie gestatten, dass ich am Beginn die noch offenstehende Frage komplettiere, nämlich die Frage: Was passiert bei den Soloselbstständigen? Wir haben Beratungssprechtage für die freien Berufe, im Rahmen derer auch Soloselbstständige aus den freien Berufen eingebunden sind. Das heißt, ein Großteil der Soloselbstständigen in diesem Bereich ist auch abgedeckt. – Dies zu vorhin. Wie Sie schon angeführt haben, stehen kleine und mittlere Unternehmen aufgrund des sich immer schneller verändernden eriode – 72. Sitzung – Donnerstag, 20. Juli 2023 wirtschaftlichen Umfelds, aber natürlich auch – was Sie angesprochen haben – des globalen Umfelds vor großen Herausforderungen. Hierzu zählen dann natürlich auch die daraus resultierenden notwendigen Innovationen, der digitale Wandel, aber auch der Fachkräftemangel. Die geförderten Beratungen, wie Sie das angesprochen haben, sind natürlich ein Mittel, die Leistungsanpassung und Wettbewerbsfähigkeit von KMUs gezielt zu stärken. Das Förderprogramm „Coaching zur Neuausrichtung von Geschäftsmodellen“ wurde aus den Mitteln der Aufbauhilfe für den Zusammenhalt und die Gebiete Europas – kurz: REACT-EU-Mittel – finanziert. Diese Mittel waren zusätzlich und einmalig zur sonstigen Förderarchitektur zur Verfügung gestellt worden. Das Ziel war, die Krisenbewältigung im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und ihren sozialen Folgen abzumildern und abzufedern, die Betriebe auch zu unterstützen. Außerdem war hinterlegt, eine umwelt- und klimaorientierte digitale und stabile Erholung der Wirtschaft zu unterstützen bzw. deren Bemühungen darin zu unterstützen. Wir haben die dadurch entstehende und einmalige Chance ergriffen, seitens des Landes Baden-Württemberg ein „Coachingprogramm zur Neuausrichtung von Geschäftsmodellen“ aufzulegen, und das in einem Umfang und zu Förderkonditionen, die auch über den Rahmen des klassischen ESF-Förderprogramms hinausgehen. Ich nenne noch das Stichwort „Change Management in den Betrieben“. Sie wissen: Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen gibt es natürlich eine andere Herausforderung als bei den Großbetrieben. Im Ergebnis konnten damit 1 900 kleine und mittlere Unternehmen mit einer Gesamtsumme von über 19 Millionen € gefördert werden. Nach dem Auslaufen dieser Sonderfinanzierung aus den RE-ACT-EU-Mitteln ist eine Wiederauflage des Coachingprogramms in diesem Zusammenhang nicht möglich. Das Angebot eines alternativen Förderprogramms aus den ESF-Plus-Mitteln ist für Baden-Württemberg derzeit nicht finanzierbar, weil die im Hintergrund stehenden Interventionssätze seitens der EU verändert wurden. Aber auch ohne eine Neuauflage des bisherigen Programms steht den baden-württembergischen KMUs weiterhin ein breites Beratungsangebot auf der Landes-, aber auch auf der Bundesebene zur Verfügung, teils mit vergleichbar attraktiven Förderkonditionen. Nach wie vor sind dabei natürlich auch die bezuschussten Beratungsangebote sowohl durch den Bund wie durch das Land hinterlegt. Dies ist zum einen das bewährte Beratungsprogramm Mittelstand. Es handelt sich dabei um ein Kurzberatungsprogramm mit zwei bis vier Beratungstagen. Dieses wendet sich an Industrie, Handwerk, Handel, Hotellerie, Gastronomie, aber auch Dienstleistung und – wie vorhin auch schon angekündigt – an die freien Berufe, sodass wir also tatsächlich die Branchen abgedeckt haben. Auch für erweiterte Beratungsbedarfe gibt es Angebote. Zum einen gibt es im Rahmen der Initiative „Horizont Handwerk“ ein Intensivberatungsangebot mit dem Blick auf die kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks, mit jeweils bis (Staatssekretär Dr. Patrick Rapp) zu zehn bezuschussten Beratungstagen zu den Zukunftsthemen Personal, Strategie, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Im Rahmen des Dialogprojekts „Handel 2030“ haben wir ein vergleichbares Angebot für die Betriebe des Einzelhandels zur Verfügung gestellt. Zudem bieten wir Förderprogramme für spezielle Beratungsthemen, ein Coachingprogramm – das war auch in der ersten Frage angesprochen – oder auch die Beratungsgutscheine Transformation, jetzt mit Blick auf unsere Hauptbranche, nämlich die Transformation in der Automobilwirtschaft. Neben den Förderangeboten auf der Landesebene haben wir – jetzt switche ich zum Bund – auch weiter gehende und parallele bzw. aufbauende Förderangebote des Bundes zur Verfügung, die dann wiederum die Beratungsbedarfe abdecken, die wir im Land so nicht abdecken können oder die übergreifend sind, beispielsweise zu den Digitalisierungsstrategien, zur IT-Sicherheit, zu digitalen Geschäftsprozessen, zur Datenkompetenz und zur digitalen Markterschließung – das Programm hierfür heißt „go-digital“ – mit umfangreichen Beratungselementen. Für die Entwicklung von innovativen Produkten und neuen Verfahren stehen die BMWK-Innovationsgutscheine – Projekt „go-inno“ – zur Verfügung. Zu personalpolitischen und arbeitsorganisatorischen Veränderungsbedarfen – da ist auch wieder das Stichwort „Change Management“ zu nennen – im Zusammenhang mit der digitalen Transformation bietet das INQA-Coaching Unterstützung, das auf den Erfahrungen des Vorgängerprogramms „unternehmensWert:Mensch Plus“, das es bis vor wenigen Jahren gab, aufbaut. Im Januar 2023 hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle das Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ aufgelegt. Angeboten werden Beratungen in allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung, sodass man diesen Bereich auch in der Weiterführung anbieten kann. Nach wie vor gibt es also eine umfassende Programmstruktur, aufeinander aufbauend und gekoppelt, von Bund und Land zusammen, sodass eine zielgerichtete Fortführung des aus RE-ACT-EU-Mitteln gespeisten Programms mit diesem Hintergrund nicht zwingend notwendig ist bzw. eine Dopplung bedeuten würde.

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