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Dr. Patrick Rapp

20.07.2023 Sitzungen 17/72

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Kollege Reith, vielleicht ein paar Worte als Vorspann, als große Klammer. Zunächst einmal ist natürlich klar, dass die Weiterbildung in den Zeiten, in denen das Wissen immer kürzere Halbwertszeiten hat, unerlässlich ist. Die Landesregierung hat deshalb – Sie haben es angesprochen – bereits im Jahr 2021 die gemeinsame Weiterbildungsoffensive des Wissenschafts-, des Wirtschafts- und des Kultusministeriums auf den Weg gebracht. Insgesamt stehen hier 40 Millionen € zur Verfügung. Das Coaching-Programm „Personalentwicklung und Weiterbildungsberatung“ ist eine von mehreren Maßnahmen des Wirtschaftsministeriums im Rahmen dieser gemeinsamen Offensive – egal, ob es jetzt um die Anwendung von KI oder um die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten in den Unternehmen geht. All das ist nicht denkbar – das übrigens auch mit Blick auf die Transformation im Energiebereich und all das, was vor uns steht – ohne eine ausreichende Qualifikation der Beschäftigten, ohne die sogenannten Future Skills. Bisher geht es bei dem Thema Fachkräftesicherung oft um die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Aber klar ist: Mit zunehmender Enge auf dem Fachkräftemarkt geht es auch darum, die vorhandenen Arbeitskräfte weiterzuqualifizieren und damit noch einmal einen Pool zu heben. Die Weiterbildungslandschaft ist vielfältig, bietet ein reichhaltiges Angebot. Das heißt, das, was wir aus den vergangenen Jahren haben, haben wir passgenauer ausgestaltet. Insofern ist es vielleicht für die Betriebe zum einen schwierig, zum anderen aber auch wichtig zu wissen, dass es diese Differenzierung gibt, und darauf zu schauen, welche Fortbildung für welche Gruppe der Beschäftigten sinnvoll ist. Große Unternehmen – ich denke, darin besteht auch Einigkeit – können sich eine systematische Personalentwicklung im Regelfall leisten. Da brauchen wir nicht zu helfen. Aber insbesondere die kleinen und die mittleren Unternehmen im Land Baden-Württemberg brauchen entsprechende Unterstützung, weil ihnen allzu oft die personellen Ressourcen fehlen, um sich systematisch mit dem Thema Weiterbildung zu beschäftigen. Genau deshalb – ich denke, darin sind wir uns auch einig – haben diese Betriebe den höchsten Bedarf, diese Unterstützung auch zu bekommen, wenn es um die Qualifizierung von Beschäftigten geht. Mit dem Coaching-Programm „Personalentwicklung und Weiterbildungsberatung“ setzen wir an dieser Stelle an. Mit dem Programm wird die Erarbeitung eines detaillierten Personalentwicklungskonzepts in KMU-Betrieben gefördert. Dieses Konzept wird von zertifizierter externer Beratung in intensivem Austausch mit dem jeweiligen KMU passgenau entwickelt und orientiert sich damit eng an der Strategie und den Zielen eines Unternehmens. Dabei wollen wir es aber nicht belassen. Dieses Konzept liegt nicht nur in der Schublade, sondern daraus sollen konkrete (Staatssekretär Dr. Patrick Rapp) Weiterbildungsmaßnahmen entstehen. Daher werden für die Beschäftigten konkrete, individuelle Weiterbildungsmaßnahmen samt der potenziellen Fördermöglichkeiten aufgezeigt, um die Umsetzung der Personalentwicklungskonzepte usw. so einfach wie möglich zu gestalten. Jetzt ins Detail, zu Ihren Fragen: Beim Coaching-Programm „Personalentwicklung und Weiterbildungsberatung“ stehen die bereits Beschäftigten eines Betriebs im Fokus. Es geht also nicht um die Weiterentwicklung einer Einzelperson, die im Rahmen eines Coachings in eine neue Aufgabenstellung überführt und begleitet werden soll, sondern es geht darum, dass mehrere Personen mit unterschiedlichen persönlichen Hintergründen von individuell passenden Personalmaßnahmen profitieren können, um die Future Skills im Betrieb insgesamt zu verankern. Ich will diesen anderen Blickwinkel noch anders formulieren: Es geht also weg von der Einzelförderung und hin zur Fitness der Organisation. Die KMUs stehen angesichts dieser komplexen Aufgaben bei der Personalentwicklung im besonderen Fokus. Bei den Soloselbstständigen, die diese Gruppenorganisation im Regelfall nicht haben, ist natürlich dieses Programm obsolet, und sie stehen auch nicht konkret vor diesen Herausforderungen. Auch ist es sinnvoll, das Programm auf Unternehmen zu begrenzen, die vor dem 1. Januar gegründet wurden. Grund hierfür ist, dass gerade Unternehmen in der Startphase meist einen anderen Beratungsbedarf aufweisen, als den frischen Personalstamm in die Weiterqualifizierung zu bringen. Das heißt, wir gehen mit diesen Programmen weit über den Fokus eines klassischen Entwicklungsprogramms oder Coachingprogramms im Personalwesen hinaus. Für diese Unternehmen – auch das haben wir natürlich auf dem Schirm – gibt es bereits andere, etablierte Förderprogramme, die diesen Prozess abdecken. Ich beginne mit der Gründungsförderung. Es gibt die EXI-Gründungsgutscheine. Es gibt Sprechtage für Gründungen in den freien Berufen. Bei der Beratung im Bereich „Horizont Handwerk“ gibt es bereits umgesetzte oder etablierte Maßnahmen, um diese Gruppe speziell begleiten und beraten zu können. Das heißt, auch in diesem Feld haben wir bereits gut funktionierende und etablierte, von den Verbänden getragene Entwicklungsprogramme. Die Personalentwicklung und Weiterbildungsberatung ist passgenau auf die Bedarfe der KMUs zugeschnitten. Die Erweiterungen, die in den Fragen von Ihnen aufgeworfen sind, wären vor dem Hintergrund der Splittung natürlich wenig zielführend, wenn es darum geht, die entsprechende tatsächliche Breite abzubilden.

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