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Dr. Albrecht Schütte

CDU 20.07.2023 Sitzungen 17/72

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Was bedeutet künstliche Intelligenz für die Hochschule? (Zuruf: Das frage ich mich schon lange!) Zunächst einmal ist es so: Neue Technologien gab es an Hochschulen immer wieder; ich erinnere an Computer, Taschenrechner, Laptops. Jedes Mal war zu klären: Wie geht man denn mit dieser neuen Technologie in der Anwendung und in Prüfungssituationen um? Und jedes Mal gab es Leute, die gesagt haben: Am besten verbieten wir es. (Zuruf des Abg. Raimund Haser CDU) Das wäre bei der künstlichen Intelligenz genauso falsch, wie es damals falsch war. Natürlich müssen die Hochschulen auch weiterhin sicherstellen, dass Prüfungsleistungen von einem Prüfling erbracht werden und dass die Absolventen einer Hochschule tatsächlich einen guten Text, eindrucksvoll und zusammenhängend, schreiben können. Natürlich wird es auch nach wie vor nötig sein, dass Hausaufgaben von denen gemacht werden, deren Name draufsteht. (Dr. Albrecht Schütte) Aber ganz ehrlich, auch heute soll es schon Methoden geben, andere Personen diese Hausaufgaben schreiben zu lassen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Abg. Alexan- der Salomon GRÜNE: Das soll es auch bei Reden ge- ben!) – Das soll es auch bei Reden geben, ja, Herr Salomon. Da war ich dann zu spät dran, musste leider selbst schreiben. Es kommt natürlich darauf an, dass man diese künstliche Intelligenz auch im Rahmen der Hochschule nutzt und im Studium lernt, wie man sie nutzt. Das ist für das Studium selbst notwendig. Ein Beispiel: Wenn Sie mal ChatGPT fragen, wo es die meisten KI-Professoren in Deutschland gibt, ist die Antwort: in Bayern. Wenn Sie dann fragen, wie viele KI-Professoren es ungefähr in Baden-Württemberg gibt, ist die Antwort: Eine genaue Antwort darauf kann ich Ihnen nicht geben; denn es wechselt immer. – Das heißt, die wissen nicht, wie viele es gibt, aber sie wissen, wo es die meisten gibt. Das ist seltsam. Solche Dinge muss man hinterfragen lernen. Dann gibt es natürlich vieles, was man im Studium für das spätere Berufsleben lernt. Wie der Kollege gesagt hat: Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig. Maschinen werden so gesteuert, dass möglichst wenig Rest übrig bleibt, etwa bei holzverarbeitenden Betrieben. Man kann den Aushub von Material und das benötigte Material im Tiefbau in Übereinstimmung bringen durch die Programmierung von neuronalen Netzen. Eine Firma in Dossenheim macht so etwas. Das zukünftige automatische Fahren wird ganz wesentlich auf künstlicher Intelligenz basieren. Und Sie können – das können Sie in einer der neuen entsprechenden Zeitschriften nachlesen – auch Selfies identifizieren mit 100 Probebildern, ob Sie nun glücklich schauen, verärgert, nachdenklich oder neutral. All das muss im Studium gelernt werden, weil man es später anwenden wird, und man braucht auch ein gewisses Verständnis dafür, was passiert. Das ist, als ob Sie mit dem Autopilot fliegen: Irgendwann sollten Sie durch die Wolken auch mal durchschauen, um zu sehen, was denn nun eigentlich dieser Autopilot mit Ihnen macht. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) Natürlich müssen wir auch dahin gehend ausbilden, was denn die wirklichen Grundlagen von künstlicher Intelligenz sind, welche Verfahren es dort gibt und wie die Weiterentwicklung funktioniert. Der Kollege hat es gesagt: Da gibt es viele wunderschöne Studiengänge, Master für dies, Master für das. Dann schauen Sie, welchen Bachelor Sie brauchen, und dann steht da plötzlich: Informatik, Data Science, Elektroingenieurswesen. Wenn Sie dann wieder nachschauen, was dort gemacht wird, landen Sie, so wie immer bei solchen maschinengetriebenen Dingen, zwischen linearer Algebra, Statistik und Programmierung. Das heißt, wir brauchen Leute, die das studieren und die das wirklich verstehen. (Abg. Manuel Hagel CDU: Ja!) riode – 72. Sitzung – Donnerstag, 20. Juli 2023 Deshalb muss unser Bildungssystem Freude an Mathematik vermitteln. Es muss Freude daran vermitteln, etwas zu programmieren, und es muss Freude daran vermitteln, etwas Schwieriges zu durchdenken, auch wenn es dauert, wenn es Anstrengung erfordert. (Beifall bei der CDU) Ich kann eines sagen: Der Lohn, ein gelöstes Problem, macht es das wert. (Beifall bei der CDU) Da mache ich mir schon gewisse Sorgen. Wenn ich bei einer befreundeten amerikanischen Familie die Sechstklässerin frage, was ihr Lieblingsfach ist, ist die klare Antwort: Mathe! (Zuruf: Oh!) Die Frage ist, ob eine solche Antwort bei einer deutschen Familie auch so häufig käme. Dann wird aber auch die Frage sein, wer zukünftig diese KI entwickelt. Wir wollen nicht, dass wir nur die Nutzer von chinesischen und amerikanischen Produkten sind. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen – Abg. Manuel Hagel CDU: Genau!) Deshalb gilt auch: Es gibt Menschen im Erststudium, aber es gibt auch Menschen, die im Beruf sind, die jetzt KI brauchen. Daher ist es der CDU-Fraktion ein ganz wichtiges Anliegen, dass wir auch die Weiterbildung in KI sicherstellen, dass wir die Weiterbildung in diesen Fächern auch an baden-württembergischen Universitäten sicherstellen. Ich möchte nicht, dass meine Bekannten an der Universität des Saarlands studieren – und zwar nicht, weil ich etwas gegen die Universität des Saarlands hätte, sondern weil das Ganze eine baden-württembergische Universität umsetzen sollte. (Beifall bei der CDU und des Abg. Andreas Schwarz GRÜNE) Wir – die Landesregierung, aber vor allem auch wir im Parlament – haben in den letzten Jahren mit dem Cyber Valley einen wirklichen Leuchtturm für künstliche Intelligenz geschaffen. Die Universitäten Tübingen und Stuttgart – die Universität Stuttgart hat gerade fünf neue Professuren ausgewiesen – haben hier mit Landesmitteln einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht. Aufgrund der Landesmittel kamen Stifter dazu, kamen Firmen dazu, das Ganze hat sich vernetzt, und wir haben hier heute eines der Ökosysteme, bei dem weltweit die Leute sagen: Künstliche Intelligenz, das ist doch da im Süden Deutschlands, bei Tübingen und Stuttgart. Wir haben das – da danke ich allen Parlamentariern als Haushaltsgesetzgeber – vor allem auch für weitere Technologien wie Lebenswissenschaften, Quantentechnologie und Mobilität gemacht. Überall erfordert so etwas Anstrengung. Ich habe vorhin davon gesprochen: Etwas zu verstehen ist einem nicht gottgegeben. Die wenigsten können ein mathematisches Buch so schnell lesen und verstehen wie den SPIEGEL. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass dies zumindest für durchschnittlich begabte Menschen wie mich deutlich länger dauert. (Abg. Christian Gehring CDU: Unterstellung!) (Dr. Albrecht Schütte) Das andere ist, dass wir Mittel brauchen. Mein Fraktionsvorsitzender sagt, ich solle nicht immer so viele Mittel versprechen. (Abg. Manuel Hagel CDU: Wir würden es zumindest gern vorher wissen!) Wir haben uns darauf geeinigt: Ich sage, was wir wollen, und die künstliche Intelligenz berechnet die Kosten. Dann kommt es nicht von mir. (Vereinzelt Heiterkeit) Aber wichtig ist, dass wir in diese Zukunft investieren. Ich zitiere noch mal – ich habe das schon mal getan – Christian VIII. von Dänemark: „Arm sind wir sowieso.“ Das trifft bezüglich zurückgehender Steuereinnahmen vielleicht noch nicht für uns zu. Aber weniger Geld haben wir sowieso. Wenn wir jetzt noch bei Bildung und Forschung sparen, dann können wir gleich aufhören, ein Staat zu sein. Deshalb wollen wir hier einen der Schwerpunkte setzen. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen – Abg. Manuel Hagel CDU: „Und dafür müssen wir auch Geld ausgeben“! So läuft das bei uns!) Denn wir wollen auch, dass die Generationen nach uns Wohlstand und Lebensqualität haben. Unsere Infrastruktur, unsere Kindergärten, unsere Krankenhäuser – all das erfordert Geld und Wohlstand. (Abg. Manuel Hagel CDU: Keine Summen!) – Keine Summen. Ich weiß, ich habe es verstanden. (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Kein Schwimm- badförderprogramm, Herr Kollege!) – Sie wollen mich nur unterbrechen, damit ich die Redezeit überschreite. (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Alles gut! Fahren Sie fort, Herr Kollege! – Zuruf: So sind die Koalitions- partner!) – Genau. So sind die Koalitionspartner. (Abg. Manuel Hagel CDU: Nicht stören lassen! – Zu- ruf von der CDU: Mach einfach weiter!) – Genau. – Jetzt kommen wir zum Thema zurück. Es geht darum, dass wir mit die Ersten sind, die schwer zu behandelnde Krankheiten erkennen und rechtzeitig mit der Therapie beginnen können. Dafür müssen wir die künstliche Intelligenz ausbauen. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen) Es geht darum, dass wir Naturkatastrophen, wenn vielleicht auch nicht verhindern, so doch früher vorhersagen können und uns so darauf einstellen und Schäden und Verluste von Menschenleben minimieren. Das wollen wir. (Beifall bei der CDU) eriode – 72. Sitzung – Donnerstag, 20. Juli 2023 Deshalb dürfen wir nicht stehen bleiben. In Tübingen und Stuttgart muss weiter in diesen Bereich investiert werden. Die Landesregierung hat ebenso in den Innovation Park Artificial Intelligence, Ipai, in Heilbronn investiert. Dort entsteht das größte Ökosystem für künstliche Intelligenz in Europa. Es geht darum, dass sich dort Firmen, Start-ups, die Hochschule Heilbronn – ich möchte jetzt nicht über die TUM-Professuren dort reden –, Menschen aus ganz vielen Bereichen vernetzen, zusammenarbeiten und die künstliche Intelligenz weiterentwickeln und Experten oder junge und motivierte Menschen aus anderen Regionen anziehen, die dann nach Baden-Württemberg kommen und hier mit uns an der Zukunft arbeiten. Deswegen wollen wir sowohl in Heilbronn als auch in Tübingen und Stuttgart vertieft in diesen Bereich investieren. Wir wollen aber vor allem die Anstrengungen in ganz Baden-Württemberg intensivieren. In Freiburg gibt es Künstliche-Intelligenz-Programme, die Lebenswissenschaften sind ganz stark im Rhein-Neckar-Raum, in Ulm und Karlsruhe ist der Bereich Mobilität stark. All das wollen wir vernetzen, sodass wir diejenigen sind, die künstliche Intelligenz verstehen und vorantreiben. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) KI wird unsere Zukunft ganz wesentlich prägen. Man kann sich immer über alles moralisch entrüsten, was angeblich gut oder schlecht ist. Es empfiehlt sich aber, die Dinge zunächst zu verstehen, bevor man sie moralisch beurteilt. Deshalb brauchen wir Leute, die diese Fachgebiete verstehen, und dann überlegen wir uns, was moralisch gut oder schlecht ist und wie wir damit umgehen, worüber wir nicht forschen wollen und woran wir weiterarbeiten wollen. (Beifall bei der CDU und den Grünen) In diesem Sinn bin ich mir sicher: Unsere Hochschulen werden problemlos mit den Herausforderungen der KI im Alltag der Lehre umgehen können. Wir haben junge, motivierte Menschen, wir haben Hochschulen, die ein tolles Bildungsangebot haben, und wir werden daran arbeiten, dass wir diejenigen sind, die künstliche Intelligenz mitprägen. Das sichert unseren Wohlstand, sichert uns Einfluss auf die weitere Entwicklung und ermöglicht uns all die vielen Dinge, die nachher den Menschen ganz konkret nützen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und den Grünen – Abg. Rai- mund Haser CDU: Sehr gut!)

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