Klaus Hoher
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Der Rückgang des Fischbestands in Baden-Württemberg ist dramatisch. Wir weisen die Regierung schon lange darauf hin, dass der Fischbestand zurückgeht, vor allem am Bodensee. Wir fragen die Regierung schon lange, was sie dagegen tun möchte. Wir bekommen immer die gleiche Antwort: „Wir studieren.“ Also, wir machen Studien – okay. Man kann sehr viele Studien machen, man kann aber irgendwelche Studienergebnisse auch mal annehmen und sie umsetzen. Man hat z. B. irgendwann einmal festgestellt: Wenn man die Setzlinge der Felchen zu klein aussetzt, dann werden sie gefressen – okay. Ich persönlich bin der Meinung, dass man die Setzlinge vor dem Aussetzen größer werden lassen sollte, damit sie nicht mehr gefressen werden. Dann hätten wir ein Problem weniger. Seit Jahren reklamieren wir, dass Sie etwas tun sollen. Und seit Jahren bekommen wir immer nur die gleiche Antwort: eriode – 71. Sitzung – Mittwoch, 19. Juli 2023 „Wir forschen daran.“ Uns ist auch klar, dass Forschung wichtig ist. Uns ist klar, dass man das machen muss. Wir müssen aber auch mal irgendetwas umsetzen und dürfen nicht nur abwarten. (Beifall bei der FDP/DVP) Es gibt das gute Sprichwort: Es ist fünf vor zwölf. Für die 64 Berufsfischer am Bodensee hat es schon zwölf Uhr geschlagen. Die haben wahrscheinlich keine Perspektive mehr, wenn es jetzt heißt, sie dürfen drei Jahre lang keine Felchen mehr fangen. Sie haben – wie es Sarah Schweizer schön gesagt hat – nur noch 21 t Felchen herausgefischt. Das ist eh schon nicht mehr wirtschaftlich. Aber jetzt sollen sie auf Barsche gehen. Okay, dann können wir ja eine Studie machen, wie es denn mit dem Barschbestand in Zukunft aussieht. Denn ich glaube nicht, dass die Fischer die Ursache sind. Ich komme vom schönen Bodensee. Deswegen nehme ich den Bodensee natürlich immer ein bisschen in den Fokus. Sarah Schweizer hat schön gesagt, es gibt bloß 1 200 Kormoran-Brutpaare. Aber sie kann uns gern einmal besuchen. Wir haben 6 000 Kormorane. Der See ist schwarz. Da ist richtig Betrieb. Wenn man also von einer Entnahme von 500 g Fisch pro Kormoran am Tag ausgeht, dann kommt man auf 3 t Fische, die dort vom Kormoran pro Tag herausgeholt werden. Das ist also nicht ein Teil, sondern sie fischen doppelt so viel Fische aus dem See wie unsere Berufsfischer. Das wären Nahrungsmittel für den Menschen. (Abg. Sarah Schweizer CDU: Das habe ich gesagt!) Herr Storz hat gerade gesagt, dass es dort auch Schwund aufgrund von Verletzungen gibt. Das ist das Problem, nicht nur die 3 t, die die Kormorane herausholen. Es gibt vielfach Fische, die durch Attacken der Kormorane verletzt werden. Sie verenden ganz einfach im Wasser oder haben Schäden, Wirbelschäden usw. Am Ende ist das unverkaufbare Ware. Wir müssen einmal den Fokus darauf legen, was das Hauptproblem ist. Das ist bei uns am See im Augenblick absolut der Kormoran. Man kann lange überlegen, dass man ein Management macht. Aber wir müssen jetzt etwas tun, dürfen nicht nur immer davon reden. Wie gesagt, es hat zwölf Uhr geschlagen. Das bedeutet, dass man jetzt auf jeden Fall länderübergreifend handeln muss. Man redet von einem Kormoranmanagement. Das sollte man jetzt aber bitte schnell einführen. So wie ich die Redner verstanden habe, sind die sich alle einig. Dann müssten wir ja auch eine Mehrheit bekommen. Ich kann das nur unterstützen – unsere Fraktion wird das natürlich unterstützen –, dass man da etwas tut. Wir haben vorhin vom Nährstoffgehalt gesprochen. Herr Storz hat es erwähnt. Da ist schon viel früher etwas dramatisch Schlechtes passiert. Man hat den Bodensee als Alpensee deklariert. Ein Alpensee darf nur einen Phosphatgehalt von 6 mg pro Kubikmeter Wasser haben. Ein solch geringer Phosphatgehalt ist für fast alle Fische sehr schwierig. (Zuruf des Abg. Raimund Haser CDU) Deswegen verstehe ich nicht, warum man solch einen See als Alpensee deklariert. Das ginge maximal als Voralpensee, wür- (Klaus Hoher) de auch von der Geografie her gut passen. Danach dürfte der See 19 mg Phosphat pro Kubikmeter Wasser haben. Das würde dem Wasser nicht schaden. Das ist auch nicht zu vergleichen mit den Achtzigerjahren, als es ganz schlimm war. 19 mg Phosphat pro Kubikmeter Wasser würden den Bodensee nicht verunreinigen, aber es gäbe darin einfach mehr Leben. (Beifall bei der FDP/DVP) Ich würde mich freuen, wenn sich dieses Hohe Haus dafür einsetzen würde, dass wir ein Überleben der Bodenseefischer gewährleisten können. Denn es kann nicht sein, dass das Land vor dem Kormoran resigniert und einen Berufsstand, der wahrscheinlich einer der ältesten Berufsstände ist, nicht mehr möchte. Egal, welche Zuschüsse man jetzt gewährt: Es bringt einfach nichts, wenn man das Problem nicht an der Wurzel packt. Man kann neue Netze kaufen, aber wenn kein Fisch darin ist, nützt das auch nichts. Wir haben ja alle schon gehört: Die Quagga-Muschel ist ein großes Problem, der Stichlingsbefall ist ein großes Problem.
