Sarah Schweizer
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Gewässer und mit eriode – 71. Sitzung – Mittwoch, 19. Juli 2023 ihnen die hier heimischen Fische stehen unter Druck. Zwei Drittel der hier lebenden Fische gelten als gefährdete Arten. Nur rund 10 % unserer Flüsse sind in einem guten ökologischen Zustand. Das ist dramatisch. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Der fortschreitende Klimawandel strapaziert den Lebensraum Wasser durch anhaltend hohe Temperaturen und Trockenheit. Auch die ohnehin sehr in Bedrängnis geratenen Bestände von Felchen, Barsch und Äsche bekommen Fressfeinde und Nahrungswettbewerber, die zu einer weiteren dramatischen Verschlechterung der Populationen führen. Besonders drastisch ist dies beim Blaufelchen zu sehen. Das ist der Speisefisch aus dem Bodensee schlechthin. Sind vor 20 Jahren den Bodenseefischern noch 800 t Felchen in die Netze gegangen, waren es im letzten Jahr noch 21 t. Von 800 t auf 21 t, das ist ein Rückgang um 97 %. Es ist deshalb auch völlig richtig, dass wir eine dreijährige Schonzeit für die Felchen im Bodensee in Kraft gesetzt haben und in dieser Zeit auch keine Felchen gefangen werden dürfen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU – Vereinzelt Bei- fall bei den Grünen) Aber eines ist doch auch klar: Es sind in erster Linie nicht die Fischer, die für die Rückgänge der Felchen verantwortlich sind. Vielmehr sind neben dem Klimawandel die invasiven Arten wie der Stichling und auch der hohe Fraßdruck des Kormorans schuld an dieser Misere. (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei der SPD – Abg. Klaus Burger CDU: So ist es! Genau!) Die Population des Kormorans ist in Baden-Württemberg vor allem auch am Bodensee in den letzten Jahren explodiert. Im Jahr 2012 waren es 335 Brutpaare. Die Population hat sich in den letzten zehn Jahren auf mehr als 1 200 Brutpaare fast vervierfacht. Logischerweise steigt damit auch die Fischentnahme über den Kormoran von Jahr zu Jahr, während die Fangerträge der Berufsfischer von Jahr zu Jahr zurückgehen. Das gehört auch zur Wahrheit, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU) Vor 20 Jahren war das Verhältnis vom Kormoranfraß zum Fang der Berufsfischer 1 : 10. Heute entnimmt der Kormoran schätzungsweise sogar ein Mehrfaches dessen, was unsere Berufsfischer entnehmen. Das Verhältnis hat sich fast umgedreht. Mehr Kormorane, weniger Fische – so einfach ist das. Wenn wir aber weiterhin die Berufsfischerei am Bodensee erhalten und den Fisch als hochwertiges regionales Lebensmittel haben wollen, können wir das nicht einfach so weiterlaufen lassen. Das ist mir ein wichtiges Anliegen, das ist unserer Fraktion ein wichtiges Anliegen. (Beifall bei der CDU) Wenn ein geschütztes Tier zu einem Problemtier wird, hilft es nicht, auf Brüssel zu verweisen, sondern dann müssen wir handeln und konkrete Ergebnisse liefern. Dazu gehört am Bo- (Sarah Schweizer) densee ein länderübergreifendes einheitliches Vorgehen aller beteiligten Länder, also Deutschland, Österreich und der Schweiz. (Abg. Reinhold Pix GRÜNE: Und Bayern!) Es kann doch nicht sein, dass die Kormorane in Österreich vergrämt werden – ich glaube, Bayern gehört auch zu Deutschland, aber das können wir noch einmal prüfen – und sich dann am deutschen Ufer völlig unbehelligt niederlassen und ausbreiten. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP – Abg. Raimund Haser CDU: Sehr gut!) Es ist deshalb richtig, dass wir im Land einen Dialogprozess zum Thema „Kormoran und Fisch“ angestoßen haben. Dieser steht kurz vor dem Abschluss und sieht ein grenzübergreifendes Management zum Kormoran vor. (Beifall bei der CDU und der Abg. Ayla Cataltepe GRÜNE) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn es den Anglern und den Fischern einigermaßen gut geht, dann geht es auch den Fischen gut. Fischer sind Naturschützer der ersten Stunde. Kein anderer kümmert sich mit so großem Einsatz und Engagement um eine artenreiche Tierwelt unter Wasser und die Herstellung eines guten ökologischen Zustands unserer Gewässer. (Beifall bei der CDU und der Abg. Ayla Cataltepe GRÜNE) Die Fischer und die Angler sind aus diesem Grund unsere Partner, unsere engsten Verbündeten beim Erhalt der Fischbestände. Ich möchte deshalb den Fischern und den Anglern im Land herzlich für ihr großes Engagement danken. Vielen herzlichen Dank und Petri Heil! (Beifall bei der CDU – Vereinzelt Beifall bei den Grünen – Zuruf von der CDU: Gut gemacht!)
