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Muhterem Aras

19.07.2023 Sitzungen 17/71

Für die Landesregierung erteile ich das Wort Frau Ministerin Schopper. Ministerin für Kultus, Jugend und Sport Theresa Schopper: Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich will einmal damit einsteigen, dass wir momentan im Bildungsbereich vor wirklich großen und herausfordernden Aufgaben stehen, die uns nicht nur Sorgen machen, sondern bei denen wir schauen müssen, wie wir die Zukunft der Kinder in unserem Land im Bildungsbereich hier in Baden-Württemberg – aber nicht nur hier, sondern insgesamt – auf den Weg bringen. Ich sage es einmal so: Einerseits ist es der Lehrermangel, der nicht nur bei uns im Land herrscht. Das wissen Sie sehr genau. Wir wissen es von der Kanadareise, wir wissen es aus der Schweiz, die immer als gelobtes Land gilt. Wir wissen es aus anderen Bundesländern. Da sind wir zum Teil sogar besser. Aber es tröstet ja nicht, wenn der Mangel bei uns im Vergleich zu anderen Ländern vielleicht kleiner ist. Wir wissen – da gebe ich Ihnen auch recht –: Die Bremsspuren nach Covid sind bei den Kindern noch deutlich größer als allgemein; wir stehen bei den Kindern vor immensen Herausforderungen im sozial-emotionalen Bereich. Wir wissen auch, dass der Ukrainekrieg – das ist hier noch gar nicht genannt worden – für uns die Herausforderung bringt, 18 000 neue Schülerinnen und Schüler im nächsten Grundschuljahr zusätzlich beschulen zu müssen, was summa summarum eine Größenordnung von 650 neuen Klassen ausmacht. Auch das müssen wir schultern. Wir wollen ja den Kindern insgesamt, nicht nur den Ukraineflüchtlingen, sondern – die Krisenherde etwa in Afghanistan und Syrien sind deswegen ja nicht kleiner geworden – allen Kindern die Möglichkeit bieten, in die Schule gut aufgenommen und gut integriert zu werden. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Dr. Alexander Becker CDU) Größte Sorgenfalten macht mir tatsächlich die Frage: Wie können wir unsere Grundschulen stärken? Das ist meine allergrößte Sorge. (Beifall bei den Grünen und der CDU – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Sehr gut!) Sie waren ja auch beim Philologenverband und wissen, was ich dort gesagt habe. Es war aber nur eine ausgewählte Schar von Abgeordneten, die dabei waren. Insofern will ich es hier gern noch einmal vertiefen: Es ist nicht hinnehmbar, dass wir 20 % der Kinder unter dem Mindeststandard haben. Es ist auch nicht hinnehmbar, dass wir weitere 20 % Kinder haben, die kaum an den Regelstandard reichen. Diese 40 % der Kinder stellen für uns einen bildungspolitischen Auftrag dar, dem wir nachgehen müssen, und zwar mit allem Nachdruck. Dort, im Vorfeld, an der Schnittstelle von Kita und Schule, müssen (Ministerin Theresa Schopper) wir mit einer verbindlichen Schuleignungsuntersuchung, mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um die Vorläuferqualifikationen zu vermitteln, den Kindern eine gute Ausgangsbasis schaffen. Das hat für mich Priorität. Denn ansonsten wird es nicht nur wirtschaftlich schwierig, wenn 40 % der Kinder hier weitergetragen werden. Da wird vielleicht schon noch ein Teil herüberrutschen. Aber der Großteil läuft Gefahr, funktionale Analphabeten zu werden. Das dürfen wir nicht zulassen. Da brauchen wir die Unterstützung aller. (Beifall bei den Grünen und der CDU – Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Mit dieser Begründung las- sen Sie die anderen Themen links liegen? – Gegenrufe von den Grünen: Nein! – Weitere Zurufe – Unruhe) – Herr Kern, nur die Ruhe.

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