Hans-Peter Hörner
Nein. Also, dann sage ich es nicht. – Also, wir haben viele Einrichtungen, in denen sich diese Fachkräfte wirklich anstrengen, in denen sie machen und tun. Ich habe selbst zwei Töchter, die Erzieherinnen sind, und ich bewundere sie – nicht nur meine Töchter, sondern auch ihre Kolleginnen –, wie sie tatsächlich in den Schulen, in den Kitas ihre Arbeit verrichten. Sie kommen oft auf dem Zahnfleisch daher. Aber was sagt der Verband Kitafachkräfte Baden-Württemberg, erst vor wenigen Tagen, am 24. Juni 2023, veröffentlicht? Ich zitiere: Die krassen Folgen spüren Schüler*innen, die Bildungsbeschäftigten in Kita & Schule, die Eltern und die gesamte Gesellschaft. ... statt die Überbelegung der Gruppen zurückzufahren, werden die Maßnahmen bis ... 2025 verlängert. Sinngemäß heißt es weiter: Die getroffenen Maßnahmen werden zu einer weiteren Fachkräftemangelsituation führen und die Kitas zum Kollabieren bringen. – Wörtlich weiter: Wir sind entsetzt, dass die Notlösungen nun über Jahre verstetigt werden sollen, und sehen diese Entscheidung, die sich völlig jeglicher Logik und Empfehlungen entzieht, sehr kritisch. So viel vom Kitafachverband. Bedenklich ist auch die Stellungnahme des Ministeriums, die Zahl der Bewerbungen auf Bachelorstudiengänge mit kindheitsbezogener Ausbildung sei – auch dies ein Fakt – rückläufig. Der Rückgang von 2014/2015 auf 2019/2020 betrug mehr als 50 % – mehr als die Hälfte. (Hans-Peter Hörner) Die Zahl der Bewerber für schulische Bildungswege wird statistisch nicht erfasst – vollkommen unverständlich. Wir haben eine geringe Zunahme – auch ein Fakt – von nur etwa 6 % von 2016/2017 auf 2020/2021 in den Berufsfachschulen für Kinderpflege – vollkommen unsäglich. Die Abnahme der Ausbildungszahlen beträgt bei der Fachschule im BK für Sozialpädagogik im Teilzeitbereich etwa 10 % und im Vollzeitbereich etwa 15 %. Das sind immerhin etwa 943 Stellen absolut. In der PiA, also in der praxisintegrierten Ausbildung, gibt es zwar eine Zunahme, aber – auch das verwundert mich – im öffentlichen Bereich sind es nur etwa 50 %. Warum schaffen die Privaten tatsächlich eine Zunahme von 100 %? Bedauerlich ist auch, dass für 2021/2022 noch immer keine Zahlen für den Bereich der sozialpädagogischen Assistenz erhoben sind. – Alles Fakten. PiA heißt nun mal nicht: „Prompt in Arbeit“. Aber warum wurden diese Maßnahmen getroffen? Sicher, eine Hilfe für die Auszubildenden, um die Anzahl von Kitafachkräften zu erhöhen – die ja bekanntlich niemand, auch nicht im 13. Jahr der Regierungsverantwortung, wo man diese Probleme vor sich herträgt, herbeizaubern kann. Ob damit die Attraktivität der Ausbildung erhöht wird? – Das bleibt zu hoffen. Eine lange Kette von gesellschaftlichen Fehlentscheidungen führte dazu, dass aktuell das Motto nur noch lautet: Hauptsache, es ist jemand da, der die Kinder beaufsichtigt. Von Qualität der Betreuung, Bildung und Förderung ist nur im Nebensatz die Rede. Als Erinnerung noch eine rhetorische Frage: Es soll ja noch ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung verwirklicht werden. Wünscht sich hier tatsächlich die Mehrheit der Eltern eine verbindliche Möglichkeit? Was ist unser Vorschlag? Das ist zum einen unser „Guter Schulstart“-Gesetz, das den Kindern noch am Ende des Kindergartens einen guten Start ins Leben ermöglicht. Ich möchte auch auf unsere Initiative von 2017, „Fit4Return“, verweisen; diese möchte ich hier nun nicht nochmals ausführen. Was fordern wir zusätzlich? Wir fordern für die im Bundestag für Herbst vorgesehene Abstimmung ein positives Votum zu einem Sondervermögen Bildung; das dürfen ruhig 100 Milliarden € sein. Wir fordern eine Ausbildungsoffensive für Fachkräfte im Schul- und Kitabereich, und zwar nicht nur in Berlin und Bremen, wo dies im Moment der Fall ist, sondern auch hier in Baden-Württemberg. Auch erinnern wir an den Koalitionsvertrag der Ampel: Ein Bildungsgipfel mit der Zivilgesellschaft muss unbedingt sein. Zudem brauchen wir unbedingt eine tatsächliche Wertschätzung für alle Kitafachkräfte, und zwar nicht nur mit Worten; es geht vielmehr um eine Ausbildung mit diesen Leuten – auch in Taten. Lassen Sie mich trotz der Überziehung meiner Redezeit noch eines sagen: Gestern hat der Staatssekretär sein Entsetzen bei diesem Thema zum Ausdruck gebracht. Hier fiel u. a. auch das Wort „Kitagebühren“. Warum haben wir in Baden-Württemberg noch immer Kitagebühren? Ich kenne einige junge Frauen – ich habe sie genannt –, die kleine Kinder haben und iode – 69. Sitzung – Donnerstag, 29. Juni 2023 die mitarbeiten, um der Familie etwas zu ermöglichen – in Steuerklasse V. Sie zahlen Kitagebühren. (Lachen der Abg. Petra Krebs GRÜNE) Fragen Sie die mal, was da übrig bleibt. – Sie lachen jetzt, Frau Krebs. Ich wundere mich. – Schauen Sie mal in solche Familien rein, wo ein Hauptverdiener da ist – ob der männlich oder weiblich ist, sei dahingestellt. Da muss eine Mutter, die mit zwei oder drei Kindern tatsächlich noch arbeitet, von den paar Groschen, die sie in Steuerklasse V verdient, dann noch Kitagebühren bezahlen. Ich bedanke mich recht herzlich. (Beifall bei der AfD)
