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Andreas Stoch

SPD 29.06.2023 Sitzungen 17/69

Extrem gut!) (Dorothea Wehinger) – Ja, aber so schwarz, wie Sie es jetzt darstellen, ist es wirklich nicht. (Abg. Andreas Stoch SPD: Nein, grün-schwarz!) Ich bin in vielen Kindergärten im Land unterwegs, und es gibt nach wie vor ausgezeichnete Kindergärten; kommen Sie mal nach Singen. In meiner Gemeinde z. B. sind alle Stellen besetzt und sind alle Kinder untergebracht. Damit will ich einleitend eigentlich nur sagen: Nur schwarz ist es wirklich nicht. Vielmehr gibt es so gute Kindergärten, die einfach vollauf zufrieden sind. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Daniel Born SPD – Abg. Daniel Born SPD: Wissen Sie was, da gebe ich Ihnen sogar recht! Ich habe auch nicht nur schwarz gemeint!) Ich habe auch Dinge anzumahnen, aber jetzt fange ich an. Die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen ist eine der wichtigsten und anspruchsvollsten Tätigkeiten unserer Gesellschaft. Die Fachkräfte in den Kitas spielen eine entscheidende Rolle bei der Bildung und Betreuung der jüngsten Generation. Sie prägen nämlich die Entwicklung der Kinder in unserem Land und legen den Grundstein für ihr weiteres Leben. Denn Bildung ist das Tor zur Welt. Um sicherzustellen, dass die Kinder in unserem Land auch weiterhin bestmöglich gefördert und betreut werden, brauchen wir neue, innovative Strukturen in den Kitas mit einem unterschiedlichen Fachkräftepool. Aktuell fehlen aber laut Bertelsmann Stiftung – Herr Born, ich habe diese Zahl – rund 17 000 Fachkräfte in den Kitas. Sie haben da von 8 000 gesprochen. (Abg. Daniel Born SPD: 16 800!) – Ah, dann stimmen ja meine 17 000. An einer Abhilfe müssen wir allerdings zusammen mit großem Nachdruck arbeiten. Nur dann, wenn wir den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers attraktiver und wertschätzender gestalten – da möchte ich „wertschätzend“ unterstreichen –, können wir mehr junge Menschen dazu ermutigen, sich auf diesen Weg zu machen. Wir müssen deshalb das generelle Bewusstsein für die Bedeutung der frühkindlichen Bildung weiter stärken und auch den Kitaberuf als erstrebenswerte Karriereoption präsentieren. Dazu gehört neben der Attraktivität des Berufs – das kann ich aus eigener Erfahrung als ehemalige Kindergartenleiterin sagen – auch die Schaffung von Aufstiegsmöglichkeiten für die Fachkräfte getreu dem Motto: Kein Abschluss ohne Anschluss. Es ist wichtig, dass engagierte Fachkräfte die Möglichkeit haben, sich fachlich weiterzuentwickeln. Dies kann beispielsweise durch Weiterbildungen zur Kitaleitung oder zur Fachberatung erfolgen. Hierbei können Weiterbildungen, Zusatzqualifikationen oder auch spezielle Aufstiegsprogramme eine entscheidende Rolle spielen. Durch solche Aufstiegsmöglichkeiten schaffen wir Anreize für das Personal, langfristig im Beruf zu bleiben und sich auch kontinuierlich weiterzuentwickeln. iode – 69. Sitzung – Donnerstag, 29. Juni 2023 Wir sollten auch die Studienmöglichkeiten im Bereich der frühkindlichen Bildung ausbauen, wie Sie es ja auch benannt haben, Herr Born. Auch ein entlohntes duales Studium könnte eine wirksame Methode oder Maßnahme dazu sein. Das Studium der Frühpädagogik mit dem Abschluss Bachelor of Arts ermöglicht es angehenden Fachkräften, tiefgreifende Kenntnisse über Pädagogik, Psychologie, Entwicklung und Bildung von Kindern zu erwerben. Sie können dann nach dem Studium auf einem hohen fachlichen Niveau als Leitung oder im Management der frühkindlichen Bildung arbeiten und entsprechende Führungspositionen übernehmen. Durch diese akademische Ausbildung kann sich auch insgesamt die Qualität der Kita und der frühkindlichen Bildung verbessern und kann der Beruf aufgewertet werden. Neben der herkömmlichen, sehr wichtigen Erzieherinnen- und Erzieherausbildung, für die ich auch nach wie vor plädiere, ist die seit 2011 gut etablierte PiA-Ausbildung – praxisintegrierte Ausbildung –, die auch von Anfang an vergütet wird, ein weiterer wichtiger Schritt in die pädagogische Ausbildung von Quereinsteigern. Sie bringen wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen aus ihrem bisherigen Berufsleben mit. Deshalb ist es wichtig, dass die Landesregierung die bereits geschaffenen Programme weiter ausbaut, um Quereinsteigerinnen und -einsteigern den Einstieg in den Kitabereich noch leichter zu machen. Es freut mich deshalb sehr, dass nach einer ersten Erprobungsphase der Direkteinstieg Kita mit dem Abschluss zur sozialpädagogischen Assistenz in zwei Jahren – das ist das Besondere – von Beginn an nach üblichem tariflichen Gehalt entlohnt wird und an weiteren Schulen diese Quereinsteigerausbildung mit Direkteinstieg gemacht wird, so z. B. ab Herbst in meiner Stadt Singen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Das Positive ist auch, dass diese Ausbildung in Teilzeit angeboten wird. Wir sollten aber auch die Kindertagespflege als attraktive Alternative zur Kinderbetreuung fördern. Sie bietet nämlich eine familiäre Umgebung und individuelle Betreuungsmöglichkeiten, die für viele Familien wichtig und notwendig sind und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Deswegen ist es wichtig, dass auch die Kindertagespflege – wie im Koalitionsvertrag angekündigt – ins Gesetz überführt wird. Darüber hinaus ist es wichtig, dass bereits erworbene pädagogische Kompetenzen oder ausländische Abschlüsse schneller und unbürokratischer anerkannt und die Verfahren dafür beschleunigt werden. Kita neu denken: Neben pädagogischen Fachkräften brauchen wir aber auch Menschen mit anderen Abschlüssen, um multiprofessionelle Teams zu schaffen. Auch Musik- und Sportpädagogen (Glocke des Präsidenten) oder Handwerker können eine große Bereicherung für die Arbeit mit Kindern darstellen und neue Impulse setzen. (Dorothea Wehinger) Bildung – das ist mein letzter Satz – ist ein lebenslanger Prozess, fängt aber mit dem ersten Atemzug an. Es liegt in unserer Verantwortung, für die Jüngsten in unserer Gesellschaft das bestqualifizierte und geeignetste Personal für diese sensible und so wichtige Arbeit zu stellen. Dafür müssen wir auch mehr Geld in die Hand nehmen. Schließlich sind Kinder unsere Zukunft, und wir müssen alle Kinder mitnehmen. Herzlichen Dank. (Beifall bei den Grünen und der CDU)

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