Katrin Steinhülb-Joos
Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wir wollen, dass die Kinder in den Kitas in unserem Land nicht nur aufbewahrt werden, sondern dass sie qualitätsvoll und ganzheitlich gebildet werden. (Beifall bei der SPD) Doch die derzeitige Situation an den Kindertagesstätten ist verheerend: zu wenig Personal und schwindende Qualität. Bereits in der ersten Lesung haben wir ja deutlich gemacht: Der Gesetzentwurf der grün-schwarzen Landesregierung reicht nicht aus. Das Kitapersonal arbeitet über seine Belastungsgrenze hinaus. Die Herausforderungen in den Kitas werden immer größer. Unter schwierigen Rahmenbedingungen muss das Personal immer noch komplexere Aufgaben erfüllen. Doch Sie halten mit diesem Gesetzentwurf lediglich den Status quo. (Beifall bei der SPD und des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Weil das eben in der jetzigen Situation nicht ausreicht, liebe Kolleginnen und Kollegen, was ja auch die Stellungnahmen zum Gesetzentwurf deutlich zeigen, haben wir heute einen Entschließungsantrag zur Erhöhung der Leitungszeit eingereicht. (Beifall bei der SPD) (Katrin Steinhülb-Joos) Das Land muss mehr Geld in die Hand nehmen. Sie lamentieren über schlechte Ergebnisse der Grundschulen in Bildungsstudien, wiederholen gebetsmühlenartig, auf den Anfang komme es an, doch den notwendigen finanziellen Investitionen in den frühkindlichen Bereich verweigern Sie sich. Dabei sind das Investitionen in unsere Zukunft, die doch doppelt und dreifach wieder zurückkommen werden. Der Grundstein für Bildungsgerechtigkeit, Teilhabegerechtigkeit, Chancengleichheit wird doch genau dort gelegt. Sie sagen, mehr Leitungszeit erfordere auch mehr Personal. Ja, aber meine Damen und Herren, hier gibt es doch auch noch andere Wege, um die Erzieherinnen und Erzieher in unserem Land zu unterstützen. Warum gibt es nicht längst mehr finanzielle Unterstützung bei der Einstellung von Verwaltungs- und Hauswirtschaftskräften, die sowohl den Leitungen als auch den pädagogischen Fachkräften sicherlich spürbar Entlastung bringen könnten? Warum wird nicht noch mehr in die Stärkung der PiA, der praxisintegrierten Ausbildung, investiert? Sie sagen immer, Sie investierten, aber die Realität zeigt doch: Es reicht nicht aus. Einen Brand in dieser Größenordnung kann man doch nicht mit einem Glas Wasser löschen. (Beifall bei der SPD und des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Ihre Fehler dürfen nicht dazu führen, dass die Kitaleitungen dauerhaft überlastet sind. Die Leitung einer Kita sollte eine Aufstiegsmöglichkeit darstellen, um qualifiziertes und interessiertes Personal zu halten und zu fördern. Stattdessen überlegen zahlreiche Erzieherinnen und Erzieher sowie Kitaleitungen, den Beruf aufzugeben. Ich sage es noch einmal: Es muss selbstverständlich sein, dass unseren Kitas ausreichend Leitungszeit zur Verfügung steht. Daher ist unsere Forderung ganz klar: Die Leitungszeit muss mit Landesmitteln verstetigt und ausgebaut werden. (Beifall bei der SPD und des Abg. Dennis Birnstock FDP/DVP) Umfang und Intensität der Aufgaben wachsen stetig. Mit Blick auf den Gesetzentwurf scheint es aber doch vielen Anwesenden noch nicht ganz klar zu sein: Kitaleitungen haben eine Schlüsselrolle im gesamten System. Sie sind zuständig für die Konzeption und die Organisationsentwicklung, für das Qualitätsmanagement, für die Erarbeitung und Evaluation pädagogischer Konzepte. Sie entwickeln die Teamarbeit. Multiprofessionelle Teams sowie Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger müssen integriert werden. Sie setzen Inklusion um und sind mitverantwortlich für den doch sehr, sehr wichtigen Kinderschutz mit allem, was dazugehört. Leitungen benötigen Zeit für Konzepte, zur Stärkung der Eltern. Eltern zeigen sich in vielen Erziehungsfragen, wie aus den Kitas berichtet wird, zunehmend ratlos. Fortbildungen, Beratungen, Themenabende, Schwerpunktbildungen sind hier notwendig. Für all diese Aufgaben reicht eben die angesetzte Leitungszeit nicht aus. Lieber Herr Staatssekretär Schebesta, wir konnten uns doch erst vor Kurzem beim gemeinsamen Kitabesuch in Stuttgart-Neugereut von der zunehmenden Aufgabenfülle überzeugen. Deshalb fordern wir Sie auf, die Leitungszeit im angemesseperiode – 68. Sitzung – Mittwoch, 28. Juni 2023 nen und notwendigen Maß zu erhöhen und die dafür erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. (Beifall bei der SPD) Spielen Sie bitte Qualität und Quantität nicht gegeneinander aus. Wir müssen das pädagogische Fachpersonal und die Leiterinnen und Leiter an den Kitas stärken und unterstützen. Deshalb: Stimmen Sie unserem Entschließungsantrag heute zu. (Beifall bei der SPD) Wir erwarten von dieser Landesregierung dringend mehr Ambitionen, mehr Konzepte, mehr Einsatz für die frühkindliche Bildung. Das Kitapersonal, die Eltern und die Kinder und nicht zuletzt unsere Zukunft werden es Ihnen danken. Danke schön. (Beifall bei der SPD)
