Christiane Staab
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Jeden Tag werden rund 450 000 Kinder in ca. 9 600 Einrichtungen in Baden-Württemberg gebildet, betreut und erzogen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns diese Zahl auch immer wieder vor Augen führen. Denn diese Zahl zeigt – Corona hat es noch mal durch das Brennglas aufgezeigt –, für wie viele Kinder gute Einrichtungen jeden Tag ein Garant dafür sind, dass ein guter Grundstein für lebenslanges Lernen gelegt wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU) (Christiane Staab) Für 450 000 Kinder ist der Besuch dieser Einrichtungen – neben ihren Familien – ein Lebensraum, in dem sie auf die Schule vorbereitet werden, aber in dem sie auch den Umgang mit anderen Kindern erlernen können. Sie lernen soziales Lernen; sie lernen emotionales Lernen. Viele Kinder lernen Grundfertigkeiten – auch im Bereich der Sprachentwicklung. Sie lernen Naturbewusstsein. Bei mir in Walldorf haben Kinder Kindergärten besucht, die dann mit drei Jahren tatsächlich zum ersten Mal in einem Wald waren. Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit – wir können uns das eigentlich gar nicht vorstellen –, aber auch das zeigt, wie wichtig der Besuch von Einrichtungen für Kinder ist, um ihren Lebensraum zu erfahren, zu erleben und ihn dadurch schätzen zu lernen. Das sind die grundlegenden Erfahrungen, die Kinder benötigen, damit sie später sorgsam im Umgang mit der Natur, sorgsam im Umgang mit anderen Menschen werden. Diese Qualität, die wir jeden Tag in den Einrichtungen erleben dürfen, wird durch hoch engagierte und professionelle Teams umgesetzt. Diese Teams leben davon, dass sie ebenso hoch engagierte und professionelle Leitungen haben. Die Leitung einer Einrichtung benötigt Zeit. Teambildung braucht Zeit. Elternarbeit braucht Zeit. Einige Kitas haben vier oder fünf Grundschulen im Einzugsbereich, an die sie ihre Kinder vertrauensvoll in die weiteren Hände geben. Aber diese „Abgabe“ der Kinder bedeutet auch, behutsam Übergänge herzustellen. Auch das wird durch Leitungen organisiert. Kitaleitungen sind mehr denn je aufgefordert, externe Menschen – Vereine, Experten – in die Kitas zu nehmen. Die Vereine müssen strukturiert und organisiert werden. Es muss sichergestellt werden, dass die Ballschule da ist, wenn sie gebraucht wird, dass die Musikschule die musikalische Früherziehung anbietet, wenn sie fällig ist. Die Kinder brauchen Verlässlichkeit. Auch diese Verlässlichkeit im Zusammenwirken mit den externen Partnern muss durch die Leitungen organisiert werden. Das heißt, das Berufsbild einer Kitaleitung hat sich in den letzten Jahren immens verändert und immens weiterentwickelt. Bei 9 600 Einrichtungen ist es aus meiner Sicht grundlegend für die Sicherung einer hohen Qualität, dass wir am Schluss nicht von einzelnen Trägern abhängig machen, wie die Leitungszeit organisiert wird und ob eine Leitung ausreichend Zeit für diese vielen Aufgaben bekommt, sondern dass wir gemeinsam mit dem Bund über das KiTa-Qualitätsgesetz einen sehr guten Weg gefunden haben, Mindeststandards festzusetzen, die eine Kitaleitung befähigen und es ihr ermöglichen, diesen Aufgaben gerecht zu werden, und zwar unabhängig von der Finanzlage eines einzelnen Trägers und unabhängig von der Finanzlage einer einzelnen Kommune. Es ist wichtig, dass die grundlegende Bildung von Kindern in den Städten und Gemeinden unseres Landes nicht ausschließlich davon abhängt, wie die Finanzkraft der Stadt oder der Gemeinde ist. Dazu trägt diese Förderung mit 160 Millionen € im Jahr 2023 und 170 Millionen € im Jahr 2024 bei. Wir danken an dieser Stelle dem Bund dafür, dass die Finanzmittel über das KiTa-Qualitätsgesetz verstetigt werden. Aber ich bin völlig bei Kollegin Wehinger: Auch wir haben eine riode – 68. Sitzung – Mittwoch, 28. Juni 2023 Aufgabe, nämlich die Aufgabe, den Kitas die Sicherheit – auch die Planungssicherheit – zu geben, dass die Qualität der Leitungen nicht von Jahr zu Jahr quasi neu über die Sekundärmittel gesichert werden muss. Wir brauchen die Sekundärmittel. Aber wir wünschen uns hier seitens des Bundes eine Verstetigung. Die Erziehung von Kindern in unseren Kindertageseinrichtungen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der sich der Bund, die Länder, die Kommunen, die Träger und die Eltern gemeinsam verpflichten müssen. Dieser Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben, ist der richtige, aber er muss verstetigt werden, um den Einrichtungen die Sicherheit zu bieten, dass dieser Weg weitergegangen werden kann. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) An dieser Stelle ein herzlicher Dank an Staatssekretär Schebesta, der sich intensiv auf den Weg gemacht hat, die Verträge vorzubereiten und diese Verträge zu finalisieren. Wir, die CDU-Fraktion, werden der Gesetzesänderung zustimmen. Wir wünschen allen Erzieherinnen und Erziehern in unseren Kitas und ihren Leitungen eine erfüllende, beglückende Arbeit mit den Kindern und für die Kinder und hoffen, dass diese Arbeit gestärkt wird, indem wir jetzt diesen Schritt der Leitungszeitverlängerung gemeinsam gehen werden. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen)
