Hans-Peter Hörner
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr verehrte Damen und Herren! Frau Steinhülb-Joos – ich gebe ihr völlig recht – hat uns aufgefordert, einmal auf die Leute zu hören, um die es hier geht. Ich bin kein Erzieher. Da zu bin ich wahrscheinlich zu alt, und ich habe auch keine Kin der mehr. Aber ich hatte sechs Kinder, die alle in den Kinder garten gingen – die hießen damals nämlich so –, und war fast zwei Jahrzehnte Mitglied im Beirat. Meine Angaben beziehen sich deswegen zunächst einmal auf den Abschlussbericht des Forums Frühkindliche Bildung Ba den-Württemberg zur Evaluation der Gewährung von Lei tungszeit für pädagogische Leitungsaufgaben aus dem Jahr 2022. Die stammen nämlich von Leitungen, die hier angehört wurden. Daraus ergibt sich: Zahlreiche Leitungen von Kitas, nämlich 69 %, geben an, regelmäßige Überstunden in Höhe von 3,9 Wochenstunden – jetzt bitte nicht nachrechnen – ab zuleisten. 50 % arbeiten bis zu 44 Wochenstunden, 25 % der Leitungen sogar mehr als 44 Wochenstunden. Im Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2021 ist nachzulesen – wieder mal ein schlechtes Bild für unser Land Baden-Würt temberg –: In 79 % der baden-württembergischen Kitas wa (Hans-Peter Hörner) ren keine ausreichenden Leitungsressourcen vorhanden. Im bundesdeutschen Vergleich waren es immerhin noch 59 % der Kitas, die nicht über ausreichende Leitungsressourcen verfügt haben. Zum Vergleich: In Hamburg waren es 29 % und in Sachsen 33 %. Durch all diese teilnehmenden Gruppen, die befragt wurden, zog sich der Wunsch nach einer unterstützenden Fachkraft. Denn in den letzten Jahren sind immer mehr verwaltungstech nische Aufgaben hinzugekommen. Beklagt wurde – wie kann es anders sein? –, dass dies zulasten der pädagogischen Auf gaben ging. Das passt zum Bild der untersuchten Gruppen. Zitat: Die Leitungszeit in vielen Kitas wurde für Verwaltungsarbeit und nicht für pädagogische Aufgaben eingesetzt. Auch die fehlende Trennung in den Bereichen Verwaltung und Pädagogik führte zu einer Ungleichheit zugunsten der Verwal tungstätigkeit. Ich darf zwei Zitate von Leiterinnen bringen. Eine Leiterin sagt: Und da sehe ich gerade einfach schwarz. Ich glaube, in fünf Jahren ist es einfach noch viel schwärzer, weil ich einfach sehe, dass dann viele Erzieherinnen und Kolleginnen wieder aus dem Beruf aussteigen werden. Ein weiteres Zitat: Bei uns ist doch ein Stolperstein, dass unser Träger nicht versteht, dass das Geld vom Gute-Kita-Gesetz auch in einer Leitungszeit für Pädagogik investiert werden soll. Ich habe null hinzugewonnen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die durch das Gute Kita-Gesetz finanzierte Leitungszeit für pädagogische Aufga ben als nicht ausreichend empfunden wird. 44 % der Leitun gen äußern sich sehr unzufrieden bis ganz unzufrieden, nur 20 % waren zufrieden. Es wurde schon auf die Bund-Länder-Vereinbarung hingewie sen. Auch hier ist zu lesen, dass Leitungszeit, die für pädago gische Leitungsaufgaben gewährt wird, unbedingt zweckge bunden verwendet werden muss. Ich könnte jetzt noch kurz aus der Bertelsmann-Studie zitie ren. Das kommt auf das Gleiche raus. Auch hier wird das Spannungsfeld beschrieben, in dem sich Fachkräfte, Eltern sowie die anvertrauten Kinder mit ihren Leiterinnen und Er zieherinnen befinden. Leider erleben die Leitungskräfte sich selbst als Verwalter des Mangels. Sie sehen sich in diesem Spannungsfeld zwischen nicht ausreichenden Rahmenbedin gungen und einem steigenden Aufgabenspektrum. Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es zusätzlich zu diesen Leitungsaufgaben, die man klar formulieren muss? Einmal ist dies – dringend wichtig – die Ausbildung von Kinderpflege rinnen in einer einjährigen Ausbildung und Erzieherinnen. Auch ist dies – das wurde hier auch schon genannt – unser „Guter Schulstart“-Gesetz. Darin sollte man vielleicht genau er nachlesen. Hier geht es nicht um eine Pflicht, sondern um eine Verpflichtung für die Eltern, die Kinder dorthin zu schi cken. eriode – 65. Sitzung – Mittwoch, 24. Mai 2023 Das, was wir in Kanada von den Lehrern gehört haben, hat mich jetzt eigentlich gewundert, Herr Birnstock, nämlich dass sie erstaunt waren, dass wir das nicht haben. Aber wir werden darüber morgen in der Debatte um die verbindliche Grund schulempfehlung und hoffentlich auch im Ausschuss disku tieren. (Beifall der Abg. Carola Wolle AfD) Mich interessiert auch noch, warum in diesem Gesetzentwurf in einem Absatz steht, dass Mittel für das Bibliothekswesen in Höhe von 10 % der Gesamtsumme eingesetzt werden sol len. Das habe ich im Ausschuss nicht verstanden. Im Ausschuss würde ich auch sehr gern diskutieren, warum der Faktor bei einer Kitagruppe 0,19 und bei drei Kitagrup pen 0,31 beträgt. Für eine Leitung ist die Organisation am An fang wichtig, egal, ob man eine, zwei oder drei Gruppen hat. Man sollte hier ein Fixum einführen. Aber für diese Diskus sion stehe ich im Ausschuss gern zur Verfügung, wenn wir dann über dieses Gesetz, das im Übrigen für die Trennung von Verwaltungsaufgaben und pädagogischen Leitungsaufgaben notwendig ist, diskutieren. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
