Dorothea Wehinger
Sehr geehrter Herr Prä sident, sehr geehrte, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Kin dertagesstätten spielen eine entscheidende Rolle in der früh kindlichen Bildung und Betreuung unserer jüngsten Genera tion. Kitas sind aber nicht nur Orte des Lernens und des Spie lens, sondern auch sehr wichtige Anlaufstellen für Eltern und Familien. Maßgeblich dafür verantwortlich, dass es eine qua litativ gute frühkindliche Bildung und Betreuung gibt, sind natürlich die Kitaleitungen. Sie nämlich spielen eine Schlüs selrolle für die Arbeit in der Kita und deren Qualität. Sie tra gen maßgeblich dazu bei, dass ihre Einrichtung und die Fach kräfte der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit best möglich nachkommen können. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Sie jonglieren nicht mit Bällen, sondern mit Aufgaben, die weit über das bloße Betreuen hinausgehen. Sie sind in erster Linie Pädagoginnen, aber auch Organisatorinnen, Vertrauens personen, Beraterinnen und, ganz entscheidend, auch Mana gerinnen – und das alles in einem. Immerhin leiten Kitalei tungen einen kleinen bis mittleren Betrieb, wenn wir es ein mal mit der wirtschaftlichen Seite vergleichen. Doch wie die neueste DKLK-Studie zeigt, wird vielen Kitalei tungen in Baden-Württemberg von den Trägern noch immer nicht die Leitungszeit gewährt. Denn jede zehnte Kitaleitung hatte im Frühjahr 2021, also vor zwei Jahren, noch keine aus reichende Leitungszeit für ihre pädagogischen Leitungsauf gaben erhalten, wie es gemäß der gesetzlichen Regelung seit 2019 vorgeschrieben ist. Das darf und das kann nicht sein. Da her übernimmt das Land die Finanzierung – das hat Herr Schebesta gerade schon gesagt – von sechs Stunden Leitungs zeit pro Woche sowie zusätzlich ab der zweiten Gruppe von je zwei Stunden. Das bedeutet, je nach Größe gibt es entspre chend mehr. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Dieses Zeitkontingent gilt aber nur für pädagogische Leitungs aufgaben. Dazu gehören u. a. die Konzeptionsentwicklung und weiterentwicklung, die Teamentwicklung, die eine au ßerordentlich entscheidende Aufgabe für die Leitung ist, so wie – auch ganz wichtig – die Interaktionsentwicklung für Kinder, Eltern, Familien, aber auch die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern aus dem Sozialraum und natürlich die Zusammenarbeit mit dem Träger. Besonders hinweisen möchte ich aber auch darauf, dass die Kitaleitung auch für die Eltern eine wichtige Rolle spielt, (Dorothea Wehinger) nämlich bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei muss sie unterstützen. Die Kitaleitung hat aber auch die Aufgabe, gemeinsam mit dem Team die Leitbilder und Werte in die Konzeption der Ki ta einzuarbeiten und sie natürlich nicht nur zu verschriftlichen, sondern sie auch in der täglichen pädagogischen Arbeit mit dem Team umzusetzen. Darüber hinaus koordiniert sie die strukturellen Rahmenbedingungen und setzt die Ressourcen ein, die der Kita zur Verfügung stehen. Die Leitungszeit soll es den Kitaleitungen außerdem ermög lichen, langfristige pädagogische Konzepte zu entwickeln, Projekte umzusetzen und – heute in einer Zeit, in der Fach kräfte fehlen – auch dafür Sorge zu tragen, dass manches Pro jekt zurückgenommen wird. Weiter soll ihnen die Leitungs zeit ermöglichen, die Zusammenarbeit mit Eltern und ande ren Partnern zu stärken. Das ist auch ganz wichtig. Die Kitaleitungen selbst sollen sich weiterbilden, sich mit an deren Fachkräften austauschen und neue pädagogische Im pulse in die Einrichtungen bringen. Darüber hinaus sollten sie selbst auch Coaching oder Supervision bekommen, damit sie reflektieren können, was sie machen. Dafür investiert die Landesregierung – wie vorher schon ge nannt – in diesem Jahr 150 Millionen € und 2024 170 Milli onen € aus den Mitteln des neuen KiTa-Qualitätsgesetzes des Bundes. Die Mittel werden den Gemeinden über den kommu nalen Finanzausgleich zugeführt. Die freien und die privatge werblichen Träger erhalten genau die gleichen Zuweisungen und sind ebenfalls in der Pflicht, ihre Kitaleitungen dafür frei zustellen. Die Finanzierung von Organisations- und Verwaltungsaufga ben fällt in den Verantwortungs und Zuständigkeitsbereich der Träger. Sie haben aber auch jetzt schon die Möglichkeit, Verwaltungskräfte oder andere Kräfte – z. B. Haushaltshilfen – einzustellen, um pädagogisches Personal zu entlasten. Das ist ganz wichtig. Wir alle wissen: Die Anforderungen an das gesamte Personal in den Kitas steigen Jahr für Jahr. Insbesondere der Mangel an pädagogischen Fachkräften stellt eine enorme Herausfor derung für alle dar.
