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Dr. Albrecht Schütte

CDU 20.04.2023 Sitzungen 17/63

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Der aktuelle Klimawandel, also die schnellere Änderung des Klimas, als wir es seit der Sesshaftwerdung der Menschen je gesehen haben, ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Relevant dabei ist die aufaddierte Zunahme der Klimagase in der Atmosphäre. Also: Alles, was wir so schnell wie möglich tun, zahlt auch für die Zukunft ein. Es gibt nicht die Frage, was 2050 ist, es gibt die Frage, was in Summe bis 2050 ist. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der Grünen) Um unserer Verantwortung gerecht zu werden, haben wir, die CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, in der letzten Legislaturperiode die Klimaschutzstiftung eingerichtet – nicht immer ganz einfach –, und wir, die CDU, haben für die Landtagswahl 2021 ein Programm beschlossen, dass durch (Dr. Albrecht Schütte) unsere Aktivitäten in Baden-Württemberg ab 2030 keine Steigerung der CO -Emissionenmehr erfolgt. Wichtig und richtig ist dabei: Wir brauchen Windkrafträder, PV-Anlagen und einiges mehr. Das reicht aber nicht. Denn CO entsteht nicht nur bei der Energieerzeugung, sondern auch bei chemischen Prozessen, etwa bei der Zementproduktion. Zudem würde leider die Fläche knapp. Ein Windrad produziert im Jahr 12 GW Strom. 1 000 Windräder produzieren 12 TW Strom; wir brauchen aber 72 TW Strom, sechsmal so viel, macht 6 000 Windräder. Wir wollen den Verkehr mit Batterieantrieb machen. Damit sparen wir viel Energie. Wir brauchen aber trotzdem 50 % mehr Strom – 3 000 dazu, ergibt 9 000 Windkraftanlagen. Wir wollen mit Erdwärme heizen. Selbst wenn wir 50 % der Heizenergie dadurch einsparen: Nochmals ca. 3 000 Windräder drauf; 12 000 Windräder. Die Industrie möchte Prozesswärme. Sie braucht chemische Stoffe. Wir kommen auf 15 000 bis 18 000 Windräder, wenn der Wind immer gleichmäßig wehen würde. Das tut er aber nicht; wir müssen also zu gewissen Zeiten – die Hälfte, zumindest aber ein Drittel der Zeit – den Strom über Elektrolyseure in Wasserstoff wandeln, verlieren an Wirkungsgrad – und machen daraus irgendwann wieder Strom. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP) Wir brauchen also 30 000 Windräder, um Baden-Württemberg klimaneutral zu machen. Mit PV ist die Rechnung ähnlich. Wir bräuchten dafür 15 bis 20 % der Landesfläche. Das ist nicht möglich. (Abg. Anton Baron AfD: Von was für einer Nennleis- tung gehen Sie aus?) Ich möchte klar sagen: Es ist notwendig, Windräder zu bauen, PV-Anlagen zu bauen, Wasserkraft zu nutzen, Biogasanlagen zu bauen, aber es reicht nicht. Noch deutlich schwieriger wird es, wenn wir dies einmal global betrachten. Was hätten wir davon, wenn wir unseren CO - Ausstoß wegzaubern könnten? Wollen wir einer Familie in Nigeria, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgt, erklären: „Na ja, ihr sollt auf alles verzichten, was wir schon haben“? Das werden die nicht tun. Das tun sie nur dann, wenn wir ihnen Möglichkeiten bieten können, Wachstum und Klimaschutz in Übereinstimmung zu bringen. (Beifall bei der CDU) Die traurige Nachricht ist also: „Heidi-Land“ mit etwas PV auf dem Dach und drei Windrädern im Hintergrund, das wird nicht die Zukunft sein. (Beifall bei Abgeordneten der CDU und der FDP/ DVP sowie der Abg. Dr. Dorothea Kliche-Behnke SPD) Deshalb haben wir im Parteitagsbeschluss von 2021 noch vieles mehr aufgelistet. Wenn Sie das Gutachten der Landesreiode – 63. Sitzung – Donnerstag, 20. April 2023 gierung lesen, sehen Sie: Da steht das ebenfalls drin. Es gibt hier keine Differenz zwischen den Koalitionspartnern. (Vereinzelt Lachen) Was wir tun, ist, gemäß einem Zitat von John F. Kennedy vorzugehen: Wir haben die Macht, dies zur besten Generation der Menschheit in der Geschichte der Welt oder zur letzten zu machen. Wir wollen uns nicht zur letzten Generation erklären, wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken oder uns auf Straßen festkleben, sondern wir werden mit Innovation, Erfindungsreichtum und Mut die Zukunft gestalten. (Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP) Dazu denken wir in der Koalition und mit der Regierung Technik neu, die es heute schon im Labormaßstab gibt, die aber noch deutlich von einer Anwendung in großem Maßstab und einer bezahlbaren Anwendung entfernt ist. Wir müssen größere Mengen klimaneutral hergestellten Wasserstoffs importieren, ebenso synthetische Kraftstoffe, synthetisches Methanol. Wir müssen mit Carbon Capture and Use angefallenes CO weiterverwenden, wir dürfen mit Carbon Capture and Storage CO nicht in die Atmosphäre entweichen lassen, und wir werden irgendwann – sowohl organisch als auch technisch – CO wieder aus der Atmosphäre entnehmen. Diese Möglichkeiten, die wir heute im Labor umsetzen können, müssen wir zu marktfähigen Preisen an den Markt bringen. (Beifall bei der CDU) In dem heute vorliegenden Antrag – es folgen weitere zu den anderen genannten Themen – geht es vor allem um Carbon Capture and Storage. Das heißt, CO wird in einem Zementwerk aus dem Abgas abgeschieden, dann entsprechend zur Nordsee transportiert und unter dem Meeresboden in ehemaligen Gaslagerstätten sicher verschlossen. Bei Carbon Capture and Use wird das CO abgeschieden und dann zusammen mit klimaneutral hergestelltem grünen Wasserstoff zu synthetischen Kraftstoffen verarbeitet. So kann der Flugverkehr funktionieren, ohne selbst CO auszustoßen; vielmehr nutzt man das CO , das vorher schon entstanden war.

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