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Barbara Saebel

GRÜNE 19.04.2023 Sitzungen 17/62

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt kommen wir zu den Ortsmitten. Diese können einladen mit gut gestalteten Plätzen, mit restaurierten historischen Gebäuden, mit einem lebendigen Mix aus Wohnen und Arbeiten, aus Gastronomie, Freizeitgestaltung und Einzelhandel. Aber Ortsmitten können auch abweisen: mit Betonwüsten, Durchgangsverkehr, verriegelten Wirtshäusern und geschlossenen Geschäften. (Barbara Saebel) Die Entwicklung lebendiger Zentren ist eine ständige Aufgabe, der wir uns stellen. Neue gesellschaftliche Entwicklungen brauchen natürlich auch neue Lösungen. Sanierung und Erhalt gewachsener Ortskerne sind nicht nur kulturhistorisch die bessere Alternative gegenüber Abriss und Neubau, sondern auch klimarelevant, denn der Gebäudesektor ist für etwa 40 % der CO -Emissionen verantwortlich. Natürlich wird beim Sanieren durch den Erhalt grauer Energie weniger CO freigesetzt als beim Neubau. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ich begrüße es, dass in der Förderkulisse zunehmend die Lebenszyklusbetrachtung eingeführt werden soll, denn ein 300-j ähriges Fachwerkhaus hat eine wesentlich bessere Klimabilanz als ein Gebäude, das nach einer Nutzungsdauer von nur 50 Jahren wieder abrissreif ist. (Abg. Andreas Deuschle CDU: Wie machen Sie das mit der Wärmepumpe in dem Haus?) Mit natürlichen, regionalen Materialien und reparaturfreundlich gebaut kann das Fachwerkhaus aus Holz, Lehm und Naturstein vorbildlich auch für künftiges Bauen sein. (Beifall des Abg. Daniel Lede Abal GRÜNE) Wir haben im Land hierzu auch die Holzbauoffensive ins Leben gerufen. (Beifall bei den Grünen und des Abg. Thomas Blen- ke CDU) Klimaneutralität muss aber nicht jedes einzelne Gebäude erbringen, sondern sie kann oftmals sinnvoller und kostengünstiger im Zusammenspiel von Sanierung, Erhalt, erneuerbaren Energien, Effizienz und Einsparung innerhalb ganzer Quartiere entstehen. Die Kombination von Alt und Neu durch Nachverdichtung mit gemeinsamen Wärmekonzepten, erneuerbaren Energien und sanierten Altbauten kann man im Energieareal Walddorfhäslach ganz besonders gut beobachten. Die Nutzung der denkmalgeschützten Häuser mit Ärztehaus, Jugendraum, Hochzeitszimmer, Mediathek und Bürgerbüro sorgt für den Tagesverbrauch der Energie, die durch die neu gebauten, ergänzten Wohnhäuser zur Verfügung gestellt wird, denn diese haben Dach-PV und Wärmepumpen. Die Keller der Denkmale wiederum speichern diese Energie im Winter und sorgen im Sommer für die entsprechende Kühlung. So wurde die Ortsmitte wiederbelebt, die bauliche Geschichte erhalten, wurden Wohnraum und soziale Infrastruktur geschaffen und wird ein ganzes Quartier in die Zukunft geführt. (Beifall bei den Grünen) So lassen sich denn auch innerörtliche Wohnraumpotenziale heben. Das spart Fläche – ohne Neuversiegelung im Außenbereich, die sonst stattfinden würde – und fördert natürlich die Stadt der kurzen Wege, die dann zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können. Mein Dank gilt natürlich dem Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen für die sehr ausführliche Darstellung der riode – 62. Sitzung – Mittwoch, 19. April 2023 vielfältigen Landesförderprogramme. Da ist natürlich zuerst die klassische Städtebauförderung für Kommunen und Eigentümer zu nennen, ein Erfolgsmodell des Landes seit 50 Jahren. Allein in den letzten drei Jahren wurden dadurch 150 Kommunen gefördert. Das Programm „Soziale Integration im Quartier“ ergänzt mit Bildungs-, Kultur- und sozialer Infrastruktur und fördert gezielt Orte der Begegnung und des Miteinanders sowie frequenzbringende Einrichtungen – gerade nach Corona ein ganz wichtiger Ansatz. Das ELR widmet sich im ländlichen Raum der Umgestaltung von Bestandsgebäuden. So können Gemeindebedarfseinrichtungen, Grundversorgung, zeitgemäße Wohnangebote, einladende Plätze und Grünanlagen entstehen. Die Denkmalförderung – last, not least – unterstützt Eigentümer und Eigentümerinnen bei denkmalspezifischem Mehraufwand. Zudem bieten die Programme „Wohnen im Kulturdenkmal“ und „Denkmal – minimal“ Beratung zum Umbau von Gebäuden zu Wohnzwecken. Die Städte und Dörfer in unserem Land sind weitgehend gebaut. Ziel muss daher sein, den Bestand zu erhalten und zu nutzen. Die Sanierungsquote von gegenwärtig nur 1 % muss steigen. Das ist nicht einfach. Preissteigerungen und Handwerkermangel bremsen hier durchaus. Umso wichtiger sind Beratung und Förderung. Unserer Fraktion ist deshalb besonders wichtig, dass die Förderkulisse des Landes ständig überprüft und aktualisiert wird. Wir meinen: Das ist auch gut angelegtes Geld; denn jeder Euro Förderung löst etwa 8 € Investitionen aus. Damit werden Arbeitsplätze erhalten, Wohnungen geschaffen und der Tourismus gefördert. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ein kleiner Blick in die Zukunft sei mir noch vergönnt. Die geplante Vereinfachung der Landesbauordnung – Stichwort Bürokratieabbau – und die Einführung digitalisierter Bauverfahren sollen das Bauen und Sanieren weiter vereinfachen und beschleunigen. Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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