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Sandra Boser

19.04.2023 Sitzungen 17/62

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst einmal herzlichen Dank für die Debatte, und zwar auch deswegen, weil man merkt, dass die Digitalisierung über alle Fraktionsgrenzen hinweg ein wichtiges Thema darstellt und dass wir darin Konsens haben, dass wir die Schülerinnen und Schüler im Land auf eine digitalisierte Welt vorbereiten müssen, ihnen Medien- und Anwendungskompetenzen auf den Weg mitgeben müssen, damit sie sich in dieser immer stärker digitalisierten Welt gut zurechtfinden. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ich darf Ihnen sagen, dass wir dieses Thema sehr offensiv und fokussiert angehen und dass wir derzeit auf vielen Ebenen dabei sind, dieses Thema in die Fläche zu bringen. Herr Kollege Dr. Fulst-Blei, Sie werden mit Ihrer Aussage, dass im Land nichts passiere und unsere Schulen im Bereich der Digitalisierung schlecht funktionierten, der Realität nicht gerecht. Ich rate Ihnen, in die Schulen zu gehen und zu sehen, was in Baden-Württemberg an unseren Schulen passiert, die zum Teil hoch digitalisiert sind, die ihre Schülerinnen und Schüler digital individuell fördern, voranbringen, und wahrzunehmen, dass Lehr- und Lernprozesse dort bereits umgesetzt werden. Unsere Aufgabe und Herausforderung ist es, genau diese positiven Beispiele in die Fläche zu bringen und die Unterstützung zu bieten, damit dies in Baden-Württemberg zur Normalität wird. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der AfD) Wir wissen natürlich auch, dass dieses Ziel nicht von heute auf morgen zu realisieren ist und dass es dafür viele Voraussetzungen braucht. Die Digitalisierung im Schulbereich – – (Abg. Dr. Timm Kern FDP/DVP: Sie regieren schon seit zwölf Jahren!) Die digitale Transformation im Bildungsbereich hat durch die Coronazeit natürlich einen extremen Schub bekommen. Ich darf an Debatten von vor 2019 erinnern, in denen die Frage, ob Schule digital gestaltet werden soll, sehr kritisch diskutiert wurde und in denen der gesellschaftliche Konsens weit von dem entfernt war, wie wir ihn heute erleben. Deswegen haben wir bereits seit 2019 das Thema Digitalisierung in unseren (Staatssekretärin Sandra Boser) Schulen vorangebracht. Wir sind seit 2019 auf dem Weg. Die Coronazeit hat vielen Schulen diesen Booster mitgegeben. Unsere Aufgabe ist es nun, das weiter voranzutreiben. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Ich will Ihnen gern darstellen, wie wir die unterschiedlichen Handlungsfelder angehen und welche Handlungsfelder wir sehen. Das ist zum einen die Schaffung der technischen Voraussetzungen, auf die ich nachher noch sehr umfassend eingehen werde, weil Sie einiges dazu gesagt haben. Die Qualifizierung der Lehrkräfte spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle und natürlich auch die didaktisch-methodische Verankerung im Unterricht, damit am Ende Digitalisierung im Unterricht wirkt. Zum Schluss geht es um das, was die öffentliche Verwaltung insgesamt betrifft, nämlich die Weiterentwicklung der schulischen Prozesse sowie der Organisation und Kommunikation. Diese vier Handlungsfelder stehen bei uns im Fokus, und ich möchte Ihnen nachstehend gern darstellen, wie wir diese angehen. Sie stehen z. B. im Fokus unseres Innovationsprogramms „Digitale Schule“, das wir jetzt auf den Weg gebracht haben und das bis zum Jahr 2026 mit insgesamt 16 Millionen € unterfüttert ist. Wir gehen damit nicht nur neue Wege, sondern wir unterstützen auch Programme, die bereits seit Jahren auf einem guten Weg sind, und bringen sie damit in die Fläche. Wir unterstützen alle vier Handlungsfelder, die ich Ihnen gerade beschrieben habe. Beispielsweise wird im Bereich der Aus- und Fortbildung ein neuer, verbindlicher Medienkompetenzrahmen für die zweite und dritte Phase der Lehrkräfteausbildung auf den Weg gebracht. Damit stellen wir sicher, dass die Lehrkräfte auch in Zukunft eine fundierte und zeitgemäße Qualifizierung in diesem Bereich bekommen. Wir unterstützen derzeit beispielsweise auch die Seminare mit technischer Ausstattung, damit Fortbildungen zukünftig, also in der zweiten und dritten Phase, neu gestaltet werden. Frau Kollegin Trauschel, was wir beispielsweise in Dänemark mit den innovativen Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte gesehen haben: In diesem Bereich überlegen wir uns, wie die außerschulischen Partner, z. B. die Makerspaces und die außerschulischen Forschungszentren, ein Teil davon sein können, damit Lehrkräfte neue Medien anders erfahren und auch anders mitnehmen können. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir sind auch dabei, ein Tool für Lehrkräfte zu entwickeln, die damit ihren digitalen Fortbildungsfortschritt nachvollziehen können, um am Ende passgenaue Angebote zu finden. Wir haben – das möchte ich an dieser Stelle wirklich noch einmal betonen, weil es einen wichtigen Baustein darstellt – die Fortbildungsangebote im Bereich der Digitalisierung in den vergangenen Jahren bereits massiv erweitert. Wir stellen für den Zeitraum von 2021 bis 2024 9 Millionen € zusätzlich zur Verfügung. Über 45 000 Lehrkräfte haben bislang an den damit finanzierten zusätzlichen Angeboten teilgenommen. Also: Wir haben etwa 150 000 Fortbildungen im Jahr; 42 000 kamen jetzt im Bereich der Digitalisierung hinzu. eriode – 62. Sitzung – Mittwoch, 19. April 2023 Wir merken auch, dass sich die Nachfrage verändert: Was am Anfang oftmals mit Basisfortbildungen zu tun hatte, beispielsweise zum Einstieg in Lernmanagementsysteme, wird immer differenzierter. Wir haben zu Beginn des Jahres beispielsweise auch gleich reagiert, als ChatGPT in die Schulen kam, und haben über das Landesmedienzentrum und über das ZSL Fortbildungsangebote zur Verfügung gestellt, damit sich Lehrkräfte Basiswissen, aber auch Expertenwissen im Bereich Chat-GPT aneignen können. Daran sehen Sie: Wir sind im Bereich Fortbildungen immer dabei, zu prüfen, was unsere Lehrkräfte brauchen und wo wir sie unterstützen können, damit wir im Bereich der Digitalisierung weiter vorankommen. (Beifall bei den Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Das gilt aber auch für den Bereich des Unterrichts – da darf ich den Kollegen Nentwich wirklich noch mal unterstützen –; denn natürlich geht es am Ende darum, was im Unterricht passiert. Im Rahmen des Innovationsprogramms ist ein Multiplikatorinnen- und Multiplikatorenprojekt für den Grundschulbereich geplant, im Rahmen dessen 101 Grundschulen vom Landesmedienzentrum mit Fortbildungen, Technik und Unterrichtsmaterialien versorgt werden, um Kinder spielerisch mit dem Thema Robotik vertraut zu machen. Robotik im Grundschulbereich bedeutet dabei nicht, dass nur mit technischen Geräten gearbeitet wird. Robotik kann auch haptisch mit anderen Materialien erfahren werden. Es geht aber vor allem darum, ein Verständnis dafür zu bekommen, was Robotik eigentlich bedeutet. Ziel des Projekts ist es, schon früh an die Digitalisierung heranzuführen, aber den Kindern auch altersgerecht Vorläuferkompetenzen mit auf den Weg zu geben. Damit verbunden sind Problemlösungskompetenzen; denn wer sich mit Robotik auskennt und wer Robotik versteht, bekommt auch ein Gespür dafür, wie Probleme gelöst werden können. Wir alle wissen, wie wichtig es beispielsweise für den Bereich Mathematik ist, dass Problemlösungskompetenzen vorhanden sind. Da gefragt wurde, wie wir das Projekt in die Fläche bekommen: Für das Projekt stehen pro Jahr 4 Millionen € für die 101 Grundschulen zur Verfügung. Diese Grundschulen verpflichten sich, als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Verfügung zu stehen. Das heißt, dass wir am Ende nicht nur diese 101 Grundschulen erreichen, sondern darüber hinaus auch in die Fläche gehen. Diese Koffer stehen dann natürlich auch zur Verfügung, damit das Thema Robotik nicht nur an den 101 Standorten aufgegriffen werden kann, sondern auch an weiteren Standorten. Im Bereich der Sekundarstufe I werden wir an dem Thema Robotik über den Bereich Computational Thinking ebenfalls ansetzen, um dort weitere Kompetenzen zu vermitteln. – Entschuldigung, die Kollegin Andrea Bogner-Unden hat mich gerade so nett angeschaut und mich aus dem Konzept gebracht. (Vereinzelt Heiterkeit – Abg. Andrea Bogner-Unden GRÜNE: Ich wollte gerade klatschen!) Aber Sie sehen: Ich bin begeistert von unserem Innovationsprogramm, weil wir da einfach Möglichkeiten in die Fläche bringen, wie wir das Thema Digitalisierung spielerisch, auch auf andere Art und Weise als nur über den Fachunterricht, für (Staatssekretärin Sandra Boser) Kinder und Jugendliche bereitstellen. Ich finde, damit haben wir eine sehr gute Basis gelegt, um die Schulen in diesem Bereich mitzunehmen. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU – Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Sehr gut!) Ein weiterer Baustein des Innovationsprogramms ist, wie wir die Basiskompetenzen fördern. Wir sind derzeit in vielen Bereichen dabei, zu schauen: Wie schaffen wir es, die Basiskompetenzen der Grundschulkinder in unserem Land zu verbessern? Wir wollen durch den Einsatz von KI hier unterstützende Werkzeuge mitgeben, beispielsweise auch im Bereich „Starke BASIS!“. Unsere Makerspaces und Reallabore wurden schon angesprochen. Wir haben in der Fläche inzwischen wirklich ein sehr gutes Angebot. Wir haben nicht das Angebot, das ich mir vorstelle, nämlich dass jede Schule auf einen Makerspace, auf ein außerschulisches Forschungszentrum zugreifen kann, dass Reallabore überall verfügbar sind. Ich glaube aber, dass wir es, wie der Kollege Ralf Nentwich vorhin angesprochen hat, in Zusammenarbeit mit den Medienzentren, in Zusammenarbeit mit dem Landesmedienzentrum immer mehr schaffen, diese „3D erleben“-Programme in die Fläche zu bekommen. Da soll dieses Innovationsprogramm auch weitere Unterstützung bieten. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU) Wir wissen natürlich auch, wie wichtig die Schulentwicklung insgesamt im Bereich der Digitalisierung ist, damit das am Ende auch wirken kann. So wird demnächst das Tool für die digitale Standortfrage des IBBW an unseren Schulen ausgerollt werden. Wir sind dabei, die letzten Fragebögen, die für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Eltern zur Verfügung gestellt werden, anzupassen, damit diese dann auch praktikabel sind. So erhalten die Schulen ein Tool, bei dem sie sich intern über die Fragebögen bei ihren Schülerinnen und Schülern, bei ihren Lehrkräften über die Schulleitung und Eltern ein Bild davon machen können, wie die Digitalisierung an der Schule wahrgenommen wird, was aber auch noch getan werden kann, um in diesem Bereich besser zu werden. Dieses Tool soll am Ende als interne Standortbestimmung ein weiterer Baustein sein, um die Digitalisierung weiter voranzubringen. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Vereinzelt Beifall bei der CDU) Daneben – weil das auch während der Coronapandemie immer wieder ein Thema war – sind wir auch dabei, das Schulgesetz anzupassen, um Regelungen, die noch aus einer anderen Zeit sind, anzupassen, sodass der sichere Einsatz digitaler Lehr- und Lernformen in den Schulen in Baden-Württemberg gewährleistet wird und auch Datenschutzfragen geklärt sind. Kollege – – (Abg. Andreas Schwarz GRÜNE: Sturm!) – Sturm, danke, Andreas Sturm. Mir fiel nur der Vorname ein. Ich wollte aber den Nachnamen nennen. (Abg. Andreas Sturm CDU: Das geht auch so!) riode – 62. Sitzung – Mittwoch, 19. April 2023 Lieber Andreas Sturm, das Thema Whitelist, das wir auch im Koalitionsvertrag vereinbart haben, ist da auch ein wesentlicher Bestandteil. Wir haben aber auch gemerkt, dass es sehr schwierig wird, auf Landesebene ein eigenes Programm für eine Whitelist auf den Weg zu bekommen. Das haben wir auch an anderen Ländern gesehen, die das versucht haben. So konzentrieren wir uns, auch in Abstimmung mit dem Landesdatenschutzbeauftragten, auf die Projekte, die derzeit auf Bundesebene laufen, auf eduCheck und auf Directions, wo wir am Ende dann über eduCheck ein Tool zur Verfügung gestellt bekommen, bei dem Medieninhalte verifiziert werden können, und über Directions auch Apps und Anwendungen. Eine Whitelist auf Landesebene halten wir tatsächlich für zu aufwendig und zu pflegeintensiv, als dass wir sie aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellen könnten. Jetzt komme ich zu einem weiteren wichtigen Baustein, den wir auf der didacta vorstellen konnten: unsere digitale Bildungsplattform SCHULE@BW. Da muss ich Sie, lieber Stefan Fulst-Blei, korrigieren: dPhoenixSuite ist nicht die digitale Bildungsplattform, dPhoenixSuite stellt am Ende den digitalen Arbeitsplatz für Lehrkräfte dar. Was die Bildungsplattform aber ausmacht, ist, dass wir über einen Zugang auf alle Module unserer digitalen Bildungsplattform zugreifen können, mit einem Identitätsmanagement für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte über eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, was unserem Landesdatenschutzbeauftragten sehr wichtig war. So schaffen wir es, hinterlegt auf einem Dashboard mit dem Begriff SCHULE@BW, einen Zugang für die unterschiedlichen Module zu schaffen, die zum Teil schon seit Jahren laufen wie beispielsweise die Lernmanagementsysteme Moodle oder itslearning. Wir haben aktuell bei Moodle 1 500 Lizenzen laufen, bei itslearning 1 200 Lizenzen. Wir haben beide Lernmanagementsysteme in den vergangenen zwei Jahren auch immer wieder angepasst. So haben wir beispielsweise bei itslearning die Microsoft-Apps durch Collabora ersetzt, weil es da Datenschutzbedenken gab. Wir haben in beiden Lernmanagementsystemen BigBlueButton integriert. Bei dem sicheren Messenger Threema, den wir unseren Lehrkräften kostenfrei zur Verfügung stellen, gibt es insgesamt 53 000 Lehrkräfte, die diesen bisher nutzen. Weiter haben wir über die SESAM-Mediathek, die das Landesmedienzentrum pflegt, über 300 000 digitale Medien, die wir den Schulen zur Verfügung stellen. Das ist eine riesige Mediendatenbank mit Erklärvideos, aber auch mit Apps, die in anderen Bundesländern durch die Schulträger finanziert werden müssen. Beispielsweise haben wir im Rahmen von „Lernen mit Rückenwind“ Apps wie Anton, Matheretter, Onilo oder „quop“, wie sie der Kollege Andreas Sturm vorher angeführt hat. Das heißt, wir gehen in vielen Bereichen in Vorleistung. Für den digitalen Arbeitsplatz, für das letzte noch ausstehende Modul – Sie haben es angesprochen –, werden wir jetzt bezüglich der dPhoenixSuite die Vertragsverhandlungen aufnehmen. Wir konnten auch die Frage der E-Mail mit dem Landesdatenschutzbeauftragten klären. Aber Sie sehen an den Zeiträumen, dass wir Lösungen mit diesen Produkten und diesen Programmen immer gemeinsam mit allen Beteiligten wollen. Daher haben wir jetzt auch gemeinsam mit dem Landesdaten- (Staatssekretärin Sandra Boser) schutzbeauftragten nochmals Gespräche darüber geführt, wie wir diese E-Mail für Lehrkräfte datenschutzkonform anbieten und dafür eine Möglichkeit schaffen können. Jetzt werden wir die weiteren Voraussetzungen schaffen, damit wir am Ende eine digitale Bildungsplattform zur Verfügung stellen können, die zwei Lernmanagementsysteme umfasst, die die SESAM-Mediathek umfasst, die den sicheren Messenger Threema umfasst, die einen digitalen Arbeitsplatz für unsere Lehrkräfte beinhaltet und somit ein Komplettpaket darstellt, das einfach und datenschutzkonform zugänglich ist. (Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU)

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